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Goethestadt Kurier
Ausgabe 5/2020
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Vor 30 Jahren wurde die Saale-Unstrut-Region offiziell in die Reihe der deutschen Qualitätsweinbaugebiete aufgenommen

Neue Rebstöcke werden mit der Pflanzmaschine in die Erde am Weinberg Goldener Steiger gepflanzt

Die neugepflanzten Rebstöcke erhalten einen Schutzmantel

Landkarte mit den Weinanbaugebieten in Deutschland

Blick auf die Weinberge in Freyburg (Unstrut)

Weinberge mit Trockenmauern und Weinhäuschen in der Saale-Unstrut-Weinbauregion

Gebäude der Winzervereinigung in Freyburg (Unstrut)

Holzfasskeller der Winzervereinigung Freyburg (Unstrut)

Der Naumburger Dom

Erholung an der Weinstraße Saale-Unstrut

In der Regel sind Weinanbaugebiete historisch gewachsen, haben im Zuge zahlreicher Generationen bestimmte regionale Traditionen und Eigenheiten des Weinbaus, der Rebveredelung, Weinherstellung oder Vermarktung ausgebildet und stellen Weine von vergleichbarer Art her. Erstmals wurde 1756 die nordportugiesische Weinregion Alto Douro gesetzlich definiert. Seitdem ist es Standard geworden, Weinregionen durch das Weinrecht gesetzlich eindeutig zu definieren.

Weinanbaugebiete regeln und überwachen in ihren Grenzen Qualitäts- und Lagenbezeichnungen und prämieren Weine. Aufgrund unterschiedlicher topografischer, klimatischer und geologischer Bedingungen und agrikultureller Traditionen sind im Laufe der Zeit in vielen einzelnen Weinanbaugebieten auch spezifische Rebsorten kultiviert und veredelt worden.

Daraus haben sich in der Regel auch eigene Weinstilistiken entwickelt.

Nach dem deutschen Weingesetz von 1994 verteilt sich die Erzeugung von Qualitätsweinen in Deutschland auf 13 bestimmte Anbaugebiete, die geographisch genau abgegrenzt sind. Das sind Rheinhessen (25.886 ha), Pfalz (22.998 ha), Baden (15.477 ha), Württemberg (11.089 ha), Mosel (8.604 ha), Franken (6.057 ha), Nahe (4.113 ha), Rheingau (3.119 ha), Saale-Unstrut (742 ha), Ahr (547 ha), Sachsen (492 ha), Mittelrhein (457 ha) und Hessische Bergstraße (445 ha).

Über tausend Jahre Weinanbau an Saale und Unstrut

Die Saale-Unstrut-Region ist das nördlichste europäische Anbaugebiet von Qualitätsweinen, im Süden von Sachsen-Anhalt gelegen und bis nach Thüringen hineinragend, ist sie eine der geschichtlich interessantesten Regionen in Mitteldeutschland.

Der Weinbau in der Saale-Unstrut-Region hat eine 1000-jährige Tradition.

Bereits im Jahr 998 wird in einer Schenkungsurkunde von Kaiser Otto III. der Weinbau erwähnt. Schon einige Zeit davor, mit der Ausdehnung des Christentums, wurde bereits in großen Teilen Thüringens Weinbau betrieben.

So ist im Jahr 786 Weinbau in Dorndorf an der Werra (Westthüringen) belegt.

An Saale-Unstrut waren es vor allem die Mönche des Zisterzienser-Klosters Sancta Maria Schulpforta, gegründet 1137, die den Weinbau weiterentwickelten. Wein war zu dieser Zeit nicht nur Privileg, sondern auch Ernährungsgrundlage der Bevölkerung, denn Oberflächenwasser war meist ungenießbar und Brunnenwasser knapp und nicht haltbar. Im 16. Jahrhundert blühte der Weinbau mit einer Anbaufläche von 10.000 ha. Der Dreißigjährige Krieg und die Klimaverschlechterung des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts brachten wie in der gesamten Landwirtschaft Mitteleuropas einen erheblichen Rückschlag. Zusätzlich traten Kaffee, Tee und Kakao als Konkurrenten auf und qualitativ gute und preiswerte Weine wurden aus anderen Regionen importiert. 1835 wurde die Naumburger Weinbaugesellschaft gegründet, die sich um bessere Anbaumethoden und Rebenneuzüchtung bemühte.

Die Reblaus brachte im Jahr 1887 den Weinbau fast zum Erliegen und die Saale-Unstrut-Region wurde zum ersten Reblausseuchengebiet Deutschlands erklärt. Der Weinbau im heutigen Süden Sachsen-Anhalts schien vor dem Aus zu stehen, denn die Anbaufläche betrug nur noch 31 Hektar.

Staatliche Hilfsmaßnahmen zum Wiederaufbau Reblaus verseuchter Weinberge retteten den mitteldeutschen Wein. Im 20. Jahrhundert wurden die Voraussetzungen für eine moderne und leistungsfähige Weinproduktion geschaffen. So wurde 1900 die erste Rebveredlungsanlage in Freyburg gegründet, 1912 folgte eine Obst-, Garten- und Weinbaulehrwirtschaft.

Mit der Biologischen Reichsanstalt für Reblausforschung und Rebenzüchtung in Naumburg wurde schließlich der Grundstock für eine gesunde Weinwirtschaft gelegt. 1934 schlossen sich die Städte Freyburg und Naumburg sowie 27 Weinbauern zur Winzervereinigung Freyburg/Unstrut e.G. zusammen und gründeten so die erste Genossenschaft dieser Region.

Nach 1945 konnte der Weinbau in der Saale-Unstrut-Region nur durch Freizeitwinzer überleben. 1952 waren bereits 120 Hektar wieder berebt. Ab 1960 wurde dem Weinbau in der DDR wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt.

Neben Hobbywinzern wurde die Branche vor allem von Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) betrieben. Die damalige LPG und jetzige Agrargenossenschaft Gleina stieg zum größten Flächenbesitzer auf. Eine Vorreiterrolle, die sie in der Winzervereinigung bis heute behalten sollte.

Der Eiswinter von 1987 stoppte dann alle Blütenträume, die Hälfte aller Weinstöcke fiel dem eisigen Frost zum Opfer und fast schien damit dem Weinbau im Osten Deutschlands ein kaltes Ende bereitet worden zu sein.

Dennoch wurde ein Neuanfang gewagt, und bei den Aufrebungen konnten neben den traditionellen Sorten auch neue Züchtungen Boden gut machen, darunter der mittlerweile so populäre Kerner. Auch der rote Dornfelder kam zu dieser Zeit an Saale und Unstrut.

Zur Wende 1990 betrug die Gesamtrebfläche an Saale und Unstrut ca. 200 ha.

Derzeit bilden etwa 760 Hektar das Weinland, welches sich entlang der Flüsse Saale und Unstrut erstreckt. Landschaften mit Weinbergen, Steilterrassen, jahrhundertalten Trockenmauern, Weinberghäuschen und Flusstälern prägen das nördlichste Qualitätsweinbaugebiet Deutschlands. Die Weinbauregion liegt heute in den Bundesländern Sachsen-Anhalt (639 ha) und Thüringen (108 ha).

Geografisch von der eigentlichen Saale-Unstrut-Region getrennt, zählt auch das im Land Brandenburg gelegene Weinanbaugebiet in Werder/Havel (10 ha) zum Qualitätsweinanbaugebiet Saale-Unstrut, außerdem 3,2 Hektar bei Westernhausen, Thale und Quedlinburg nördlich des Harzes.

Durch das Weinbaugebiet führt die 60 km lange Weinstraße Saale-Unstrut. Von Memleben aus führt sie an Unstrut und Saale entlang und reicht im Norden bis Weißenfels. Rund um Höhnstedt bei Halle lädt eine weitere Weinroute zu einer ca. 20 Kilometer langen Tour und verbindet unter dem Namen Mansfelder Seen Zappendorf mit Unterrissdorf. Die ebenfalls 20 Kilometer lange Weinroute Weiße Elster führt von Wetterzeube bis nach Kloster Posa in Zeitz.

Das Land um Saale und Unstrut ist berühmt für seine Burgen, Schlösser und Kirchen. Die Südroute der Straße der Romanik führt durch die Region. Der Naumburger Dom gehört zu den bedeutendsten Bauwerken der Spätromanik in Sachsen-Anhalt und seit 2018 gehört er zum UNESCO-Weltkulturerbe.

An Saale-Unstrut gibt es über 50 verschiedene Rebsorten, die vorwiegend trocken ausgebaut werden und welchen traditionellerweise keine Süßreserve beigegeben werden. Ganz oben auf der Weißweinliste stehen Müller-Thurgau, Weiß- und Grauburgunder sowie Baccus, Riesling, Silvaner, Gutedel und Kerner. Etwa 24 % der angebauten Weine sind Rotweine wie Dornfelder, Portugieser, Spätburgunder und der Blaue Zweigelt.

Gebietstypisch zeichnen sich die Weine von Saale-Unstrut durch ein feingliedriges und fruchtiges Bukett mit mineralischen Nuancen aus.

Muschelkalkverwitterungsböden, aber auch Buntsandstein, Lößlehm und Kupferschiefer sind zu finden. In den Flusstälern sorgen Wärmeinseln für ein besonders mildes Mikroklima. Die Sonne scheint etwa 1.600 Stunden im Jahr und mit rund 500 mm Niederschlag jährlich zählt die Weinbauregion zu den niederschlagsärmsten in Deutschland. Die durchschnittlichen Erträge liegen bei rund 50 hl/ha.

Seit zwanzig Jahren gehört auch das Gebiet des Geiseltal-Sees zum Anbaugebiet Saale-Unstrut. Auf einer ehemaligen Abraumhalde wird durch die Winzerfamilie Reifert aus Freyburg Wein angebaut. Vom Bergbau zum Weinbau heißt die Devise. Nach über 300 Jahren Braunkohletagebau entstand dieses Rekultivierungsobjekt. Die Lösung der vielen Probleme dieser einzigartigen Anbaufläche wurde mit eigens entwickelten Techniken, durch Hilfe von Universitäten und vor allem durch den Glauben an die Lage am Geiseltalsee angegangen. Heute beschert Ihnen Geiseltalseewinzer Lars Reifert exklusive Weine vom Weinberg Goldener Steiger, wie Müller-Thurgau, Weiß- und Spätburgunder, Solaris und Cabernet Mitos.

Die bestehende rund 3,5 ha große Rebfläche konnte im April 2020 um weitere 1,5 ha im Rahmen der Verteilung zusätzlicher EU-Rebpflanzrechte für Steillagen erweitert werden. Gepflanzt wurden die Reben maschinell durch Stephan Mings aus der Pfalz.