In der Februarausgabe habe ich die Aufzeichnungen des Friedrich August Herrmann aus den Jahren 1909 bis 1914 im Allgemeinen vorgestellt. Heute möchte ich hier das Thema Schule herausgreifen.
Unserem Wehrsdorfer Schulgebäude steht dieses Jahr noch ein Jubiläum bevor, nämlich 150 Jahre Grundsteinlegung, welche am 18. Juli 1876 erfolgte. Zur Zeit der in der „Lausitzer Volkszeitung“ erschienenen und von A. Herrmann aufbewahrten Artikel war die sog. neue Schule also erst rund 35 Jahre alt. Manche Dinge kommen uns auch heute noch bekannt vor.
Im Juli 1912 erschien folgender Artikel:
„Infolge der immer mehr anwachsenden Schülerzahl machte sich zu Ostern dieses Jahres die Anstellung eines fünften Lehrers nötig. Diese fünf Lehrer mußten in vier Schulzimmern Unterricht erteilen. Das hatte zur Folge, daß eine Klasse während der Mittagsstunden unterrichtet werden muß. Für Arbeitereltern, die oftmals beide in der Fabrik arbeiten, war das besonders unangenehm. Mit Freuden ist es daher zu begrüßen, wenn der Schulvorstand in seiner letzten Sitzung beschloß, die Wohnung des Kantors in ein Schulzimmer zu verwandeln.....- Des Weiteren wurde beschlossen, am 29. August ein Schulfest abzuhalten. Hoffentlich trägt der Schulvorstand dafür Sorge, daß nicht, wie es jetzt oftmals in anderen Orten beobachtet werden kann, das Schulfest in einer Weise eingeleitet wird, daß arme Eltern in Bezug auf besondere Kleidung und Ausrüstung ihrer Kinder dem Tage mit Sorge entgegensehen müssen. Zu wünschen wäre noch, daß den Kindern alkoholische Getränke nicht verabreicht würden.“ Der Autor hat hier bereits deutlich auf soziale Aspekte hingewiesen.
Im nächsten Artikel werden damals übliche Praktiken der „pädagogischen“ Erziehung öffentlich gemacht und angeprangert. 21. September 1913:
„Eine recht verwerfliche Erziehungsmethode, die nicht von hohem pädagogischem Geiste zeugt, scheint in unserer Schule Platz greifen zu wollen. Werden doch die Kinder oft mit Schlägen traktiert. Ganz besonders ist es der Lehrer Stüver. Er schlägt die Kinder mit einem Rohrstock, daß starke Schwielen die Folge sind. Ohrfeigen austeilen ist keine Seltenheit. Wurden doch in der vorigen Woche an einem Tage nicht weniger als elf Kinder (Knaben und Mädchen) geohrfeigt. Ohrenschrauben und an den Haaren ziehen gehört ebenfalls nicht zu den Seltenheiten. Die so aussehende Bestrafung der Schulkinder durch den genannten Lehrer ist bereits bei der Schulinspektion zur Anzeige gebracht.“
Im April 1914 lesen wir vom Zukauf des Grundstücks neben der Schule:
„Dieser Tage hat der Schulvorstand das an das Schulgrundstück angrenzende Grundstück des Herrn Alfred Böhme in der Größe von etwa zwei Scheffel käuflich erworben. (Anmerkung: Scheffel gab es als Raum-und Gewichtsmaß, aber auch als Flächenmaß. Hier ist wahrscheinlich der sächsische Saatscheffel mit rund 2767m² anzunehmen, woraus sich ca. 5500m² Zukauf ergeben.) Am Freitag erfolgte bereits die gerichtliche Eintragung des Kaufs. Nach unseren Informationen beträgt der Kaufpreis 5500 Mark. Der Beschluß des Schulvorstandes ist freudig zu begrüßen. Erhalten doch die Kinder zum Turnen und Spielen einen nahen und schönen Platz, wodurch auch zugleich die Einheitlichkeit der Ausbildung sehr gefördert wird......- Was uns bei obiger Sache überrascht, ist die Entschlossenheit und Schnelligkeit, mit der hier gearbeitet worden ist, sind wir doch sonst gewöhnt, bei uns den Schimmel etwas langsam reiten zu sehen.
Zum Schluß noch der Eintrag vom 1.9.1909, wo es heißt:
„Schulkinder im Walde Nonnen absuchen“
Mit dem Ablesen von Kartoffelkäfern in den 40er- und 50er-Jahren können die Meisten ja noch etwas anfangen, aber Nonnen? Nonnen sind Falter, deren Raupen im Frühjahr vorwiegend in Fichten-und Kiefernmonokulturen das frische Nadelgrün fressen und desalb als Forstschädlinge gelten. Nach dem Verpuppen schlüpfen die Falter und legen im Sommer ihre Eier ab, die nun von den Schulklassen abgelesen und vernichtet wurden. Das war sicher auch nur an kleinen Bäumen in Schonungen möglich, auf jeden Fall aber bestimmt sehr mühsam.