Ende des 19. - Anfang des 20. Jh. schossen überall Vereine wie Pilze aus dem Boden. So auch in unserem Ort. Hier gründeten im Jahr 1905 sangesfreudige Bewohner den Arbeiter-Gesangsverein „Liedergruß“ Sohland an der Spree. Der erste Dirigent war Paul Herberg. Zu Beginn wurden die Chorproben bei Salm in Rosenhain und später im Gasthof „Stadt Frankfurt“ abgehalten. Überlieferungen zufolge liegt die Vermutung sehr nahe, dass die Sangesstunden auch als Tarnung für Versammlungen der sozialdemokratischen Gruppe dienten. Aus diesem Grund wurde der Gesangsverein 1933 verboten - wie übrigens die meisten Vereine dieser Zeit.
Nach dem Krieg wollten die Menschen wieder Freude und Spaß am Leben haben. Lange genug dauerte das Grauen. Und so kam es bereits in der zweiten Hälfte des Jahres 1945 zur Gründung des Volkschores Sohland nach dem alten deutschen Sprichwort: „Wo man singt, da lass dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder“. In den ersten Jahren waren etwa 70 Sängerinnen und Sänger im Gesang vereint. Als erster Chorleiter nach dem Krieg wirkte Herr Walter Hölzel. In dieser Zeit fanden die Chorproben im Volkshaus, dem früheren Schützenhaus, statt. Man sang sehr gern bekannte Volkslieder und Lieder in unserer Oberlausitzer Mundart. Aber auch „zeitgenössische“ Lieder wurden geprobt, denn bei öffentlichen Auftritten musste das komplette Programm von der sowjetischen Kommandantur genehmigt werden. Selbst ein altes Volkslied wie: „Kein Feuer, keine Kohle kann brennen so heiß…“ wurde argwöhnisch betrachtet.
Ebenfalls in den 1950er Jahren wurde ein reiner Männerchor unter der Leitung von Herrn Kurt Müller in Sohland gegründet. Er bestand etwa bis Anfang der 1980er Jahre, denn 1977 wirkte dieser Männerchor bei einer Fernsehfolge über unsere Spree musikalisch mit. Und nicht zu vergessen den FDGB-Chor von Sohland, der auch in derselben Zeit ins Leben gerufen wurde. Seine Mitgliederzahlen gingen aber so schnell zurück, dass es bereits am 12.3.1959 zum Zusammenschluss von Volkschor und FDGB-Chor zur „Chorgemeinschaft Sohland“ kam. Gemeinsam und vereint folgten nun viele Auftritte in Nachbargemeinden und Städten anlässlich von Jugendweihen, Rentnerfeiern, Urlauberbegrüßungen und anderen besonderen Anlässen.
Frischer Wind und größere Aufgaben kamen mit dem Wechsel der Chorleitung 1963, als Herr Günther Strohbach, Musiklehrer in Wehrsdorf, die musikalische Leitung übernahm. Mit seinem Können und dem Willen unserer Sangesfreundinnen und -freunde bei Chorvergleichen kam es zu sehr hohen Auszeichnungen. Wir erhielten vier Mal den Titel „hervorragendes Volkskunstkollektiv der DDR“ (1973; 1978; 1981 und 1984). Im Jahr 1967 wirkte unser Chor bei der bekannten Fernsehaufzeichnung „Schlager eines großen Dorfes“ mit Heinz Florian Örtel mit. (Kann man noch heute im Internet abrufen)
Wir machen einen großen Sprung nach vorn ins Jahr 1990.
Deutschland war vereint, der Staat wurde vollkommen umgebaut – zumindest im Ostteil – ein totaler Umbruch. Damit entfielen auch frühere staatliche Förderungen für Kultur. Vereine lösten sich auf und mussten sich unter anderen Bedingungen neu gründen. Auftritte unseres Chores mussten selbst organisiert und beworben werden. Das war Neuland, aber wir haben es irgendwie gemeistert. Durch die Hilfe unseres Bürgermeisters, Herrn Harig, und dem Gemeinderat bekamen wir die Möglichkeit, die Proben im Gemeindesaal durchzuführen, wo ein stets gut gestimmtes Klavier stand. Am 5.Juni 1993 durften wir die Eröffnung unserer neuen, großartigen Turnhalle musikalisch begleiten. Ebenso den Gemeindezusammenschluss der Gemeinden Wehrsdorf, Taubenheim und Sohland am 1. März 1994 zur Gesamtgemeinde. Hier kam es beim Einsingen in einem Duschraum der Turnhalle zu einem lustigen Zwischenfall. Ein Sänger – oder eine Sängerin betätigte aus Versehen irgendwie den Duschknopf, sodass die zufällig unter der Brause stehende Sängerin unfreiwillig geduscht wurde. Es war in der Dusche halt ziemlich eng für so viele Personen und woanders kein Platz für uns.
Am 5. Juli 1994 erfolgte ein für uns wichtiger Schritt, nämlich der Eintrag ins Vereinsregister beim Amtsgericht in Bautzen. 1995 bekamen wir einen Zuschuss von 1000 DM, für die lang ersehnte, einheitliche Chorkleidung. Natürlich reichte der Betrag nicht für 24 Personen und eine komplette Kleidung, aber es war ein Anfang.
Als Herr Strohbach sich in den Ruhestand verabschieden musste, übernahm Frau Manuela Düring, eine junge Musiklehrerin, den Staffelstab. Familie, kleine Kinder und der Beruf als Lehrerin in einem weiter entfernten Ort, waren für unsere Manuela nicht mehr zu schaffen und wir waren wieder auf der Suche nach einem geeigneten musikalischen Leiter für unseren Chor. Wir fanden ihn durch eine Sangesfreundin in Herrn Konrad Richter aus Schirgiswalde. Dieser hatte zu dem Zeitpunkt die Leitung des Kirchenchores in Schirgiswalde und begleitete die dortigen Gottesdienste mit der Orgel. Nach einem Probe Singen kam es am 15. Oktober 1999 zur Zusage des Herrn Richter. Bis dahin blieb uns Manuela Düring treu. Das Zusammenwirken mit Konrad Richter in den 9 Jahren, in denen er uns leitete, war sehr gut und sicherte uns Qualität und hohes Niveau bei unseren Auftritten. Leider musste Herr Richter die Chorleitung aus Alters- und gesundheitlichen Gründen aufgeben. Ersatz für ihn war nicht zu finden und auch der Nachwuchs blieb aus. Deshalb mussten wir unseren Chor schweren Herzens aufgeben.
Unser offizielles Abschiedskonzert erfolgte am 23. Oktober 2022 im Ratssaal in Sohland und die Sangesfreundin Gisela Kern gab dabei den Spruch aus: „Irgendwann kommt der Moment in dem du entscheiden musst, ob du die Seite umblätterst, oder das Buch schließt“. Wir haben das Buch geschlossen, nachdem der Chor ca. 70 Jahre zahlreiche kulturelle Veranstaltungen der Gemeinde umrahmt hat. Es wäre sicher eine abschließende Würdigung für alle Mitglieder unseres Vereins gewesen, wenn ein Grußwort unseres Gemeinderates oder Bürgermeisters erfolgt wäre. Dem wurde damals leider von seiten der Gemeinde keinerlei Bedeutung beigemessen.
Quellen: Einsicht in den Nachlass Fam. Manfred Pietsch und Fam. Helmut Hölzel, Frau Gisela Kern
Wir machen Sommerpause und treffen uns das nächste Mal am 3. September, wie gewohnt um 18.00 Uhr in der „Scheune am See“. Alle Geschichtsinteressierten sind ganz herzlich eingeladen.