Es folgen in diesem und im kommenden Gemeindeblatt einige Ergänzungen zu den erschienenen Artikeln im Gemeindeblatt Nr. 05/2026 vom 1.Mai 2026 und im Gemeindeblatt Nr. 06/2026 vom 1. Juni dieses Jahres zu den „Gesundheitseinrichtungen in Taubenheim im Verlauf der Geschichte“.
Es gab zwar vor 1922 im Ort keine Arztpraxis, wie wir es heutzutage gewohnt sind, aber es gab bereits Ärzte in unserem Taubenheim, die für die Einwohner da waren, wenn diese medizinische Hilfe benötigten und halfen wo es nötig war.
Zum ersten Male lesen wir in den vorhandenen historischen Unterlagen von unserem Ort Taubenheim an der Spree im Zeitraum der Jahre 1759 bis 1763 von einem hier im Ort ansässigen „Badner, Wund Arzt und Chirurgius“ George Friedrich Adermann. 1759 und 1760 wird jeweils eine Tochter bzw. ein Sohn von ihm hier im Ort geboren und getauft. 1760 verstarb seine erste Frau Juliana Gottliebe (geb. Ander) mit 32 Jahren. Bereits 1761 heiratet er ein weiteres Mal. In den beiden Folgejahren werden jeweils ein Sohn und eine Tochter aus dieser Ehe geboren und getauft. Mehrmals tritt er auch in diesen Jahren als genannter Pate bei Taufen auf. Dank dieser Eintragungen in den Büchern wissen wir von der Existenz dieses „Badners, Wund Arztes und Chirurgius“ George Friedrich Adermann. Leider finden wir von ihm selbst keine Lebensdaten, nur von den Kindern und seiner erstgenannten und weiteren Frau.
Da alle diese Erwähnungen damals nur in den Zeitraum des stattfindenden Siebenjährigen Krieges (1756-1763) fallen, liegt es nahe, dass dieser „Badner, Wund Arzt und Chirurgius“ hauptsächlich hier im Ort stationiert war – für die Versorgung, Behandlung und „Pflege“ der hier einquartierten Soldaten.
Erst ab dem Jahre 1779 finden wir in den hiesigen Archivaren Unterlagen mit Carl Ehrenfried Weinhardt, geboren am 30. August 1749 in Falkendorf einen „Chirurgen, Wundarzt und Gartenbesitzer“ vor, der hier im Ort ansässig und tätig war. Er wohnte in der damaligen Gartennahrung, Haus Nr. 46, später Nr. 65 im Oberdorf (heute Oberdorfstraße Nr. 9) und betrieb dazu Landwirtschaft zur eigenen Versorgung. Er hatte am 11. Mai 1779 – in unserer 1775 neu geweihten Kirche – Dorothea Christina (geb. Opitz) (*1756, †1831), die Tochter des gewesenen Ortsverwalters, geheiratet. Gemeinsam hatten sie sieben Kinder, von denen dann der dritte Sohn Christian Traugott auch als Chirurg und Wundarzt hier in Taubenheim tätig war. Carl Ehrenfried Weinhardt war bis 1815 – 36 Jahre - als Arzt im Ort tätig und verstarb am 28. April 1824 hier auf seinem Anwesen mit über 74½ Jahren. Sein Sohn Christian Traugott Weinhardt, geboren am zweiten Weihnachtsfeiertag 1785 hier im Elternhaus, war ebenfalls als Chirurg und auch Gartenbesitzer tätig, führte ab 1815 die väterliche „Arztpraxis“ fort. Er war seit 1820 verheiratet mit Eleonore Auguste (geb. Michel) aus Lichtenhayn (*1797 † 1860). Sie hatten fünf Kinder, wovon eines tot geboren wurde und drei jeweils nur wenige Monate nach der Geburt verstarben. Der jüngste geborene Sohn verstarb mit 11½ Jahren, so dass es keine Nachkommen gibt. Leider verstarb auch Christian Traugott Weinhardt bereits am 18. Januar 1826 mit gerade erst einmal 40 Jahren und 24 Tagen.
Zehn Jahre später, 1836, erwarb Carl Gottlieb Schiertz aus Steinigtwolmsdorf, Sohn eines Huf- und Waffenschmiedes, im Taubenheimer Niederdorf das Haus Nr. 123 (ab 1850 Haus Nr. 223, heute Sohlander Straße 39). Hier wirkte er als „praktischer Wundarzt und Geburtenhelfer“. Geboren wurde Carl Gottlieb Schiertz am 27. Januar 1809 in Steinigtwolmsdorf, heiratete 1836 Friedericke Sophie geb. Findeisen (*1810, †1885). Mit ihr hatte er einen Sohn. Dieser Carl Gustav Moritz wurde am 19. Dezember 1836 in diesem Haus Nr. 123 geboren. Carl Gottlieb Schiertz war hier in Taubenheim über 38 Jahre als Wundarzt und Geburtshelfer sowie ab 1870 auch als offizieller Leichenbeschauer zuständig. Er verstarb hier mit 65½ Jahren am 25. Juni 1874.
Nach Carl Gottlieb Schiertz war fast über ein halbes Jahrhundert kein sesshafter Arzt in unserem Taubenheim mehr tätig.
– Fortsetzung folgt –
Ehemals Haus Nr. 65, heute: Oberdorfstraße 9 | jetzt Fam. Adler |
Hier wirkten Christian Ehrenfried Weinhardt von 1779 bis 1815 und Christian Traugott Weinhardt von 1815 bis 1826 als „Chirurgen, Wundarzt und Gartenbesitzer“
Ehemals Haus Nr. 223, heute: Sohlander Straße 62 | Fam. Schiertz |
Hier wirkte Carl Gottlieb Schiertz 1836 bis 1874 als „praktischer Wundarzt und Geburtenhelfer“ und Hausbesitzer
Fotos aus Fotoarchiv Tobias Lehmann