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Amtliches Mitteilungsblatt der Stadt Schirgiswalde-Kirschau mit den Ortsteilen
Ausgabe 10/2026
Mitteilungen des Bürgermeisters
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Zwischen Ausnahmezustand und Alltag: Verantwortung tragen, Zusammenhalt leben

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

wenn ich auf die vergangenen Wochen blicke, wird mir vor allem eines bewusst: wie eng bei uns im Oberland Ausnahmesituationen, kommunale Pflichtaufgaben und ein pulsierendes Gemeinschaftsleben beieinanderliegen. Der Gefahrgutvorfall an der Goetheschule hat unsere Stadt buchstäblich über Nacht in Atem gehalten. Doch während solche Lagen vollen Einsatz verlangen, läuft der Alltag mit all seinen Herausforderungen unerbittlich weiter.

Der 31. August begann mit einem stechenden Geruch im Schulhaus, den ein aufmerksamer Bauhofmitarbeiter wahrnahm. Da Lüften nicht half, reagierten wir sofort: Evakuierung, Absperrung und Feuerwehreinsatz. Im Keller war aggressive Flüssigkeit ausgetreten. Um Klarheit zu schaffen, fuhr ich noch am selben Abend mit Kamerad Philipp Reinisch und Proben zur Analytischen Task Force nach Leipzig. Der Befund: butanolische Salzsäure. Da an einer Kellertür aufgebrochene Spuren festgestellt wurden, erstattete die Stadt umgehend Strafanzeige.

Die Firma Becker Umweltdienste beräumte den Bereich unter Vollschutz. Als der Bautzener Sachverständige Herr Kuntzsch feststellte, dass die verlegte Folie nur als Feuchteschutz taugte, ließen wir unverzüglich eine chemisch beständige Abdichtung und neuen Estrich aufbringen. Auch das Thema der Schülerspinde gehen wir mit Sorgfalt an: Da eine rückstandsfreie Reinigung chemisch schwer zu garantieren ist, laufen die Abstimmungen zu Verzicht, Entsorgung und Schadenersatz über die Versicherungen derzeit noch. Dank intensiver Belüftung – auch mit Geräten aus Stolpen – und erfolgter Freimessung gab das Gesundheitsamt schließlich grünes Licht: Seit dem 21. September läuft der Unterricht im Schultrakt unter Auflagen wieder.

Dass unsere Kinder während der Schließzeit nahtlos betreut wurden, verdanken wir einer Welle der Hilfsbereitschaft: der Pfarrei Mariä Himmelfahrt (Klassen 3 und 4), dem Katholischen Kinderhaus (Klasse 2), unserer Kita „Regenbogen“ (Klasse 1), der Feuerwehr Schirgiswalde (Horträume), den engagierten Lehrkräften, dem Speiseservice Gutsche für die Assiettenversorgung und Ihnen, liebe Eltern, für Ihre Geduld. Ihnen allen gilt mein herzlicher Dank!

Ehrliche Haushaltsfragen: Sanierungsstau ist verdeckte Verschuldung

Dieser Vorfall führt uns drastisch vor Augen, wie verwundbar unsere Infrastruktur ist. Neben Akutfällen drückt uns der Sanierungsstau: in öffentlichen Gebäuden, an Straßen und Turnhallen. Bei den anstehenden Haushaltsberatungen müssen wir den Tatsachen ins Auge sehen. Notwendige Investitionen ewig zu verschieben, ist nichts anderes als eine verdeckte Verschuldung zu Lasten der nächsten Generation. Wer soll in zehn oder zwanzig Jahren die völlig zerstörte Straße oder die baufällige Halle bezahlen, wenn wir heute nicht mit Augenmaß handeln? Realismus bedeutet, Prioritäten ehrlich zu setzen und Substanz zu erhalten, bevor Schäden unbezahlbar werden.

Unser Herzschlag: Ein lebendiges Vereinsleben in allen Ortsteilen

Dass Schirgiswalde-Kirschau trotz dieser Sorgen so lebenswert bleibt, verdanken wir dem großartigen Engagement in unseren Orten. An Festen und Begegnungen scheitert es bei uns gewiss nicht! Ob die hochklassigen Oberlausitzer Dart Open, das stimmungsvolle Brückenfest, der hervorragend besuchte Tag des offenen Denkmals oder das fröhliche Spreefest in Rodewitz; ob der Tag der offenen Tür unserer Feuerwehr Schirgiswalde oder das Richtfest für das neue gemeinsame Gerätehaus Crostau-Callenberg – überall spürt man die Liebe zur Heimat. Und mit dem Apfelfest, dem Oktoberfest, dem Geisterfest und den Wanderungen unserer Ortschaftsräte stehen die nächsten Höhepunkte schon vor der Tür.

Diesen Staffelstab wollen wir weiterreichen: Ab dem kommenden Jahr etablieren wir unser erstes kommunales Kinder- und Jugendparlament, damit die junge Generation aktiv an der Gestaltung unserer Stadt mitwirkt.

Blick über den Tellerrand: Lösung im Einzelhandelsstreit anpacken

Zum Schluss bitte ich Sie, eines zu bedenken: An unseren Ortsgrenzen endet unsere Heimat nicht. Genau aus diesem Grund treffen wir uns am 7. Oktober erneut beim Landrat, um einen weiteren engagierten Versuch zu unternehmen, den zermürbenden Einzelhandelsstreit endlich zu beenden. Bereits vor der Sommerpause haben wir dem Landrat unsere Vorstellungen und einen handfesten Lösungsvorschlag übermittelt. Es ist nach fast einem Jahr Baustillstand zwingend notwendig, hier endlich zu einem tragfähigen Ergebnis für die Region zu kommen. Am 5. November findet zudem das Bürgergespräch des Landrates für das Oberland in Schirgiswalde statt – eine feste Gelegenheit, Klarheit zu schaffen und gemeinsam nach vorn zu blicken.

Liebe Bürgerinnen und Bürger, wenn wir zusammenstehen, meistern wir Ausnahmelagen ebenso wie alltägliche Hürden. Gehen wir diesen Weg weiter: mit Realismus, Mut und Zuversicht für unser Schirgiswalde-Kirschau.

Herzliche Grüße

 

 

Ihr Sven Gabriel
Bürgermeister