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Saale-Elster-Luppe-Auen-Kurier
Ausgabe 5/2021
Gemeinde Schkopau
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Mit Kompetenz und Weitblick

Berichte der Fraktionen des Gemeinderates

Die veröffentlichten Meinungen müssen nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

Edda Schaaf

Fraktion CDU/KFFS

Mit Kompetenz und Weitblick …

beschäftigen wir uns mit den Herausforderungen, die unser digitales Zeitalter mit sich bringt, natürlich auch intensiv in unserer Kommune.

Wenn Sie aufmerksam den SELA- Kurier lesen, werden Sie informiert sein, über die Bemühungen, in all unseren Ortsteilen digitale Hochleistungsnetze zu installieren. Dass das in unserer Zeit geboten ist, zeigen die Schwierigkeiten, vor denen die Nutzer des Internets bisweilen stehen, wenn sie aus Gründen der Gesundheitsvorsorge von zu Hause aus via Computer arbeiten müssen. Computer, Smartphone etc. sind aus unserem Alltagsleben nicht mehr wegzudenken. Als Nutzer erwarte ich, dass ich von überall auf die Informationen im Web zugreifen kann. Unsere Kinder und Enkel machen uns bisweilen vor, wie das geht und was in kürzester Zeit mit diesen technischen Mitteln erledigt werden kann. Selbst wir Gemeinderäte nutzen in diesen Zeiten der persönlichen Kontaktbeschränkungen das Mittel der Videokonferenz, um miteinander zu kommunizieren. Auch, wenn mancher es noch nicht wahrhaben will, Digitalisierung ist bereits Gegenwart und muss zukunftssicher werden.

Dazu erreichte unsere Fraktion ein interessanter Brief eines Vaters und Lehrers, den ich Ihnen gern zum Nachdenken präsentiere:

Dr. Stephan Weser aus dem Ortsteil Wallendorf schreibt:

„Liebe Eltern und Großeltern,

das Unterrichten zu Hause bzw. home schooling stellt vor allem uns Eltern und Großeltern vor neue Herausforderungen. Wie sollten wir also damit umgehen?

Eine große Chance liegt vor allem in dem, was wir landläufig als „Digitalisierung“ bezeichnen. Hiermit ist fast alles gemeint, was im Entferntesten mit dem Internet, dem Smartphone oder Computer zu tun hat. Dabei spielt es keine Rolle, in welchem Lebensbereich Digitalisierung auftritt, denn wir können sie überall beobachten. Sehr stark tritt sie im Moment im Bildungsbereich hervor.

Es gibt ein paar kleine aber laute Stimmen, welche die Gefahren im Hinblick auf die digitalisierte Bildungswelt in den Fokus rücken und ein finsteres Schreckgespenst zeichnen. Doch die Digitalisierung in Schule und Unterricht hilft deutlich mehr, als wir wahrnehmen.

Bei meinen Forschungsaufenthalten in China, Japan und Australien konnte ich beobachten, wie stark in den dortigen Bildungssystemen digitale Lernformate in den Alltag integriert sind. Australien ist seit über 50 Jahren Vorreiter im Distanz-Unterricht, in China und Japan hängen neben den digitalen Tafeln auch Kreidetafeln. Gerade in diesen doch sehr traditionellen Gesellschaften kann man beobachten, dass „neue“ und „alte“ Werkzeuge parallel benutzt werden. Die Benutzung der digitalen Lernwerkzeuge ist in etwa mit der Erfindung des Buchdrucks gleichzusetzen: eine fundamentale Neuentwicklung, die bisherige Alltagswerkzeuge ergänzt und weiterentwickelt. Die Benutzung des digitalen Stiftes existiert neben dem Bleistift, das gedruckte Buch neben dem E-Book und der Klassenunterricht im Schulraum neben dem online-Klassenzimmer.

Technische Neuerungen haben und hatten es in der Schule schwer, da die Vorbehalte stets die gleichen sind. Die jeweilige Neuerung würde die Kompetenzen der Kinder verschlechtern, die Jugend verderben und seien obendrein nicht bezahlbar. Seit Sokrates stellten sich diese Schreckensszenarien als falsch heraus. Kompetenzen wurden erweitert und neue hinzugelernt, die Jugend wurde stets erwachsen und hat es geschafft eine neue schlaue Generation hervorzubringen (welche dann wiederum aufs Neue zu schimpfen begann…) und die Kosten waren immer dann am höchsten, wenn man den Anschluss verpasst hatte und im Nachhinein gegensteuern musste.

Sehen wir also die Digitalisierung als Möglichkeit unseren Handlungsspielraum zu erweitern. Wir können mit dem Füller schreiben lernen und mit dem digitalen Stift weiterzuschreiben. Mit Hilfe einer 3-D-Brille können Kinder virtuell einen Vulkan besteigen – eine Tätigkeit, die im realen Leben viel zu gefährlich ist. Wir können trotz Pandemie miteinander kommunizieren und eine Grundform von Unterricht mittels Moodle oder Zoom fortführen, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Ich denke, die meisten von uns stehen der zunehmenden Digitalisierung positiv gegenüber. Neuerungen sind manchmal mit Ängsten und Konflikten verbunden. Kompetenzen, die wir in der Schule gelernt haben, scheinen plötzlich veraltet oder sogar unbrauchbar. Die neuen Apps auf dem Smartphone sind zahlreich und unübersichtlich. Die 14-Jährige erklärt mir, wie TikTok funktioniert. Ein Gefühl der Ahnungslosigkeit und Abgehängtheit macht sich breit und kann auch dazu führen, dass wir uns überfordert fühlen. Wir sollten jedoch nicht, wie die Weber, die Maschinen dafür verantwortlich machen, sondern das tun, was wir unseren Kindern raten, wenn sie etwas noch nicht können: üben. Eine traditionelle Kompetenz, die nie veraltet.

Setzen wir uns also auf den Hosenboden und lassen uns von unseren Kindern und Enkelkindern erklären, wie wir Passbilder online ans Einwohnermeldeamt übertragen, wie die Mediatheken im Smart-TV funktionieren und lernen wir, warum Geo-Caching so viel Spaß macht. Im Gegenzug können wir mit ihnen das kleine und große Einmaleins üben, die Tierwelt der Auenlandschaft kennenlernen und ganz analog das Fahrrad reparieren. All das schließt sich nämlich nicht aus oder sollte gegeneinander ausgespielt werden, sondern ergänzt sich und braucht sich gegenseitig – so wie Jung und Alt.“

Dem Schreiben ist nichts mehr hinzuzufügen! Wenn wir wettbewerbsfähig und zukunftsorientiert bleiben wollen, ist die Schaffung der materiellen Voraussetzungen für die Möglichkeiten der Digitalisierung oberstes Gebot. Unsere Einwohner mögen von der einmaligen Chance des geplanten Glasfaserausbaus Gebrauch machen, um für die Zukunft gerüstet zu sein!

Edda Schaaf

Fraktionsvorsitzende

Fraktion CDU/KFFS