Am 15.7.2021 jährte sich diese Katastrophe zum 5. Mal. Der Helfer Uwe Dannowski aus Döllnitz, damals bei der Berufsfeuerwehr Halle, berichtete von seinen Einsätzen.
Trotz großer Hitze waren jede Menge interessierter Bürger am 19.6. in den Saal Ermlitz gekommen, um sich diesen bewegenden Vortrag über das Nicht-hätte-passieren-müssende Drama im Ahrtal anzuhören.
| Hier eine Zusammenfassung in Stichpunkten von Uwe Dannowski aus seinem Vortrag: | |
| - | Einsatzzeit: vom 20.07. – 26.07.2021 Einsatzgebiet: mittleres und unteres Ahrtal |
| - | Einsatzorte: Schuld, Hönningen, Ahrbrück, Altenahr, Bad Neuenahr, Sinzig |
| - | erfasste Schäden im Landkreis Ahrweiler, wo Uwe Dannowski tätig war. |
| - | 62 zerstörte Brücken |
| - | 13 schwer beschädigte Brücken |
| - | 20 km zerstörte Gleisstrecke der Ahrtalbahn |
| - | 19 Kitas und 14 Schulen wiesen schwere bis schwerste Beschädigungen auf. |
| - | 6 Feuerwehrhäuser sind nicht mehr nutzbar. |
| - | 6 eingestürzte Häuser und zahlreiche schwer beschädigte Häuser in der Gemeinde Schuld |
| - | 12 Bewohner der Behinderteneinrichtung „Lebenshilfe-Haus“ in Sinzig starben in der Nacht vom 14. zum 15. 07.2021. |
| - | mehr als 330 Menschen wurden mit Hubschraubern von Dächern und Bäumen gerettet. |
| - | zerstörte Struktur der Grundversorgung (Strom, Wasser, Abwasser, Fernleitungen, Telefon, Verkehrswege) |
| Probleme während des Einsatzes: | |
| - | es gab keine Unterkunft bei Ankunft im Bereitstellungsraum Nürburgring. |
| - | keine Einsatzaufträge durch die Einsatzleitung (Das Verlassen des Bereitstellungsraumes ohne Einsatzauftrag war nicht möglich) |
| - | die Kommunikation über Funk oder Handy war nicht möglich, keine Infrastruktur. |
| - | die Einsatzbekleidung war bereits am 2.Tag kaum noch zu gebrauchen. |
| - | Hinweise an die Einsatzleitung wurden nicht weitergeleitet und dadurch nicht abgearbeitet. |
| - | keine Ortskundigen in den Einsatzabschnitten, die Unterabschnittsleiter waren ortsfremd. |
| - | kein Kartenmaterial, keine funktionierenden Navigationssysteme |
| - | viele Irrfahrten da Brücken nicht mehr vorhanden und Straßen zerstört waren, Umleitungen/ Umfahrungen bis zu 3 Stunden waren die Folge |
| - | kaum befahrbare Umleitungen mit Zügen wie Wechselladerfahrzeug + Tieflader |
| - | jeden Tag Fehlalarmierungen, da viele Einsatzaufträge zu spät bearbeitet wurden |
| - | „Paparazzie`s“ in den eigenen Reihen |
| - | Arbeiten mussten unterbrochen werden, da sich wichtige Politiker präsentierten. |
| - | ganze Verpflegungszüge wurden im Bereitstellungsraum zurückgehalten. Diese hätten je 500 Personen am Tag autark verpflegen können |
| - | wir wurden viel zu früh nach Hause geschickt!!! Am Tag unserer Abreise wurde die Anzahl der Bundeswehr Hubschrauber verdoppelt |
| Unsere Aufgaben: | |
| - | beräumen der Infrastruktur (Straße und Wasser) |
| - | beräumen von Uferbereichen (Campingplatz in Schuld) |
| - | auspumpen von Kellern und Tiefgaragen |
| - | Beräumung von Brücken in Zusammenarbeit mit der Bundeswehr und dem THW (in Schuld) |
| - | Kontrolle von wieder auftauchenden Fahrzeugen in der Ahr nach Insassen |
| - | Fahrzeugbergungen aus der Ahr (Kurpark Bad-Neuenahr) |
| - | retten historischen Kulturgutes, soweit möglich, wie die Hubertus Kapelle in Hönningen) |
| - | Übernahmen von Führungskoordinationen und Einsatzleitungen in den Einsatzunterabschnitten (in Ahrbrück) |
| - | Erkundungsfahrten |
| - | Drohnenarbeit (Untersuchung von Brücken, sonstigen Bauwerken und Suche nach Leichen) |
| - | Bergung von Tierkadavern |
| Positives während unseres Einsatzes war der unermessliche Zusammenhalt der Menschen vor Ort und der vielen Helfer: | |
| - | ich habe noch nie so einen Zusammenhalt von Betroffenen in diesem Umfang erlebt. |
| - | wer „nichts“ mehr hatte, hat dieses „nichts“ auch noch geteilt! |
| - | es kamen Privatleute mit Verpflegung für die Betroffenen und Helfer aus 200 km Entfernung und das jeden Tag! |
| - | es gab kein „maulen“ bei uns Helfern, auch wenn die Arbeit noch so lange ging, teilweise 24 Stunden am Stück! |
| - | wir waren auch Kummerkasten, ob unsere Gespräche immer tröstend, helfend, unterstützend und aufbauend waren, muss ich selber anzweifeln. |
| - | es gab ein Danke, Danke und nochmals DANKE wie ich es noch nie in einem Einsatz kennen lernen durfte.“ |
| Sonstiges: | |
| - | Im Jahr 2023, im Zeitraum vom 09.04.-12.04.2023 besuchte ich mit meiner Frau erneut das ehemalige Katastrophengebiet und fuhr alle meine Einsatzstellen an, die Eindrücke machten immer noch sehr betroffen |
| - | die Mehrzahl aller betroffenen Gebäude waren immer noch nicht nutzbar. |
| - | viele Gebäude werden nicht wieder aufgebaut. |
| - | viele Straßen mussten verlegt werden |
| - | große Teile des Streckennetzes der Ahrtalbahn wird nie mehr befahrbar sein. |
| - | viele Brücken der Ahrtalbahn sind nur noch mahnende Viadukte |
| - | viele vom THW gebaute Behelfsbrücken sind zur Dauerlösung geworden |
| - | viele Betroffene fanden ein neues Zuhause auf Campingplätzen und in durch Hilfsorganisationen geschaffenen Bungalowsiedlungen, viele haben die Hoffnung in ihr Zuhause zurückkehren zu können, wann das passiert oder ob es jemals passiert, wusste 2023 noch niemand. |
| - | Ein betroffenes Ehepaar aus Bad Neuenahr war zum Vortrag zu Gast und sehr beeindruckt von meinen Ausführungen und sie luden mich spontan nach Bad Neuenahr ein. |
Ein großes Dankeschön an Uwe Dannowski für diesen aufschlussreichen und bewegenden Vortrag mit Bild – und Videomaterial und natürlich für seinen unermüdlichen Einsatz vor 5 Jahren im Ahrtal gemeinsam mit allen anderen Hilfsorganisationen und privaten Helfern. Sie haben alle großartiges geleistet, ein Ausdruck gelebter Menschlichkeit und Mahnung zugleich.