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Amtsnachrichten | Amtsblatt für das Amt Schlieben und die amtsang. Gemeinden
Ausgabe 6/2019
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„Arbeit am Mythos Roms – eine Philosophie der Straße von Hans-Peter Klie“

Eröffnungsveranstaltung

Mike Rottmann (Fotos: Corinne Ullrich)

Zum Tag der offenen Ateliers eröffnete Hans-Peter Klie seine zweiteilige Ausstellung in Kolochau. Von 11 bis 18 Uhr konnte die zahlreich erschienenen Gäste an einem anregenden Programm teilhaben, das von kulinarischen bis zu philosophischen Appetithappen reichte – und das wie oft im Kunst&Archiv, Lust auf mehr machte. Kulturdezernent Roland Neumann aus Herzberg wies in seinem Grußwort auf die Impulse der philosophischen, konzeptuell-künstlerischen Arbeit von Hans-Peter Klie hin, die einen Einblick in das zeige, was „State of the Art“ sei. Das Elbe-Elster-Land bietet somit auch Kunst, die sonst eher in Berlin und anderen Metropolen zu sehen sei. Mike Rottmann, Philosophiehistoriker von der Martin-Luther-Universität in Halle, stellte in seiner Rede eine Verbindung zwischen Klie und den Dichter Durs Grünbein her und stellte Klies kultur- und medienkritischen Ansatz vor: „Im Jahr 2018 reiste Hans-Peter Klie nach Rom, so, wie zuvor der Dichter Durs Grünbein, um jedoch mittels eines anderen, aber besonderen erkenntniskritischen Instruments – dem Fotoapparat – ein philosophisches und künstlerisches Programm zu absolvieren, das, kunstvoll vollendet hier zu sehen, uns eine Aufgabe des Nachvollzugs, nicht nur des Genusses, sondern auch des Verstehens bereitet. Der Dichter Durs Grünbein schreibt in einem seiner Gedichte, das in Rom entstanden ist und von Rom handelt: „Wer immer in Rom umherspaziert, ist als solcher schon Epigone.“ Dichter lügen, befand Platon im Dienste seiner Ideenlehre. Aristoteles hielt dagegen, dass der Mensch ein Erfinder sei wie die Natur, die eben von Natur aus fortgesetzt Neues hervorbringe, weswegen dies auch dem Menschen gestattet sei, auf dass die Wirklichkeit reicher werde. Ob Epigone oder nicht, aber diese Blick auf das Neue trifft auf den Dichter Grünbein im Medium des Verses zu – und ebenso auf den fotografischen-philosophischen Spaziergänger Hans-Peter Klie.

Rom ist ein Gefäß und in dieses Gefäß legt Hans-Peter Klie philosophische Sentenzen aus mehr als 2000 Jahren Geschichte. Wenn man heute in Rom ankommt begegnet man in der Halle des römischen Hauptbahnhofs Termini Werbung, stumpfe Reklame, laute Stimmen - aber nichts von dem, was in Rom verborgen ist. Doch was man durch Klie erkennen lernt, sind Hinweise, die zum Denken führen – in das Medium der Fotografie integrierte Hinweise – Irritation und Provokation. Rom ist mehr als seine überbordende, unendliche, immer weiter wachsende Geschichte. Auf das Viele, das übersehen zu werden droht, wenn man Geschichte übergeht, will er nicht verzichten. Alltägliche Kraft und geschichtliche Dignität – beides sehen Sie hier versammelt. Hans-Peter Klie ist ein Arbeiter am Rom-Mythos.“ (Auszug aus dem Redetext)