Schlieben. Manchmal öffnet sich ein Fenster in die tiefe Vergangenheit unserer Stadt völlig unverhofft. In den vergangenen Tagen durfte ich im Namen der Stadt Schlieben ein ganz besonderes historisches Konvolut entgegennehmen, das fortan unser städtisches Archiv bereichern und für die Nachwelt erhalten wird.
Eine Schliebener Bürgerin hat sich entschlossen, historische Objekte aus dem Nachlass ihres verstorbenen Ehemannes an die Stadt zu übergeben. Die Schenkerin möchte namentlich anonym bleiben – ihr und der Familie gilt bereits an dieser Stelle der tiefste Dank des gesamten Stadtparlaments und aller geschichtsinteressierten Bürgerinnen und Bürger.
Ein Blick auf die Fundstücke
Die übergebenen Objekte sind Zeugen einer jahrhundertealten Tradition im Schliebener Land:
Die historische Vereinsfahne: Das prachtvoll bestickte Fahnentuch zeigt den traditionellen Schützenspruch „Ueb’ Aug’ und Hand Für’s Vaterland!“ umrahmt von einem Adler, gekreuzten Gewehren, Eichenlaub und einer Zielscheibe.
Das elegante Fahnenband: Ein gesticktes Widmungsband zur „Fahnen-Weihe beim 500. Jubiläum am 22. Juni 1925“. Rechnet man von diesem geschichtsträchtigen Datum genau 500 Jahre zurück, berührt die Tradition der Schliebener Schützen die Epoche des frühen 15. Jahrhunderts (um 1425) – ein stolzes Alter, das die historische Bedeutung Schliebens in der Region unterstreicht.
Der originale Fahnenstangen-Aufsatz: Eine kunstvoll gegossene, metallene Lanzenspitze mit integriertem Kreuzemblem, die wahrscheinlich einst die Spitze der Vereinsfahne zierte.
Einzigartige Schießbücher und Chroniken: Mehrere historische Hefte und Kladden mit handschriftlichen Schießergebnissen und Mitgliederverzeichnissen. Die ältesten Aufzeichnungen darin reichen sensationeller Weise bis in das Jahr 1730 zurück – die Zeit des Barock und des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I.
Bewahrung für die Zukunft
Diese Gegenstände sind weit mehr als nur alte Fundstücke; sie sind emotionale und dokumentarische Zeugnisse des gesellschaftlichen Zusammenhalts und des Vereinslebens vergangener Jahrhunderte in unserer Heimatstadt.
Die Stücke werden nun in die Obhut der Stadt Schlieben übergeben, wo sie gesichtet, dokumentiert und sicher aufbewahrt werden. Es ist uns ein großes Anliegen, diese Schätze im Rahmen künftiger historischer Anlässe oder Ausstellungen auch der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Ein herzliches Dankeschön an die edle Spenderin für dieses unschätzbare Geschenk an die Chronik unserer Stadt!
Mit freundlichen Grüßen