Vor neunzig Jahren, ungelogen,
hat der Storch Dich in Grochwitz,
es ist wirklich kein Witz,
aus dem Teich gezogen.
Es kann auch ganz anders gewesen sein.
Jedenfalls fingst Du an zu schrei`n.
Du hattest Hunger und Dir war kalt.
Doch das änderte sich bald.
Als Büblein klein an der Mutterbrust
hast Du damals schon gewusst,
das ist der schönste Platz auf Erden.
Schöner kann es nicht mehr werden.
Später, man muss es erwähnen
spieltest Du mit Sägespänen
in des Vaters Tischlerei.
Noch dachtest Du dir nichts dabei.
Erst in den Schul- und Flegeljahren
schon etwas Tischlerei erfahren,
sagtest Du dir: „Ei, verflixt,
Tischlerei ist für mich nix“.
Ich lerne tüchtig und studier.
Das passt besser doch zu mir.
Eins, zwei, drei und kurz und gut,
bald habe ich den Doktorhut.
Nach Jahren hast Du es geschafft,
der Bericht ist stark gerafft.
Denn lang und steinig ist der Pfad
den man sich vorgenommen hat.
Akribisch durch dein Leben wandern
überlasse ich gern andern.
Als ich über´n Weg Dir lief
warst Du in Schlieben sehr aktiv.
Weinbauverein und Männerchor
warst Du dort heldischer Tenor?
Bei Zliuuini, bei uns Alten,
hast Du manches Referat gehalten.
Fuhrst mit uns nach Amerika.
Erklärtest uns die USA.
Aber Du erklärst auch gut
Wie man mit Kernseife waschen tut.
Neunzig Jahre, wie ihr wisst,
zweimal fünfundvierzig ist.
Gehst Du morgens aus dem Haus,
Siehst Du wie fünfundvierzig aus.
Mit deiner Frau, wir kennen sie,
machst Du so manche Radpartie.
Ja, das Radeln ist euch lieb.
Natürlich ohne E-Antrieb.
So radelt weiter, sie und Du
Zielsicher auf die Hundert zu.
Das wünschen Dir von Herzen gern
Dein Kaffeekränzchen alter Herrn.