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Unterspreewald-Journal
Ausgabe 10/2026
Nichtamtlicher Teil
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750 Jahre Golßen – Heinrich von Dahme, Herr zu Golßen (1346-1353)

Wenn man die wenig schriftlich überlieferte Geschichte unserer Heimatstadt und Umgebung erforschen will, muss man auch mal über den „Tellerrand“ schauen. Die historische Persönlichkeit Heinrich von der Dahme, 1346 bis 1353 Herr zu Golßen, soll dies unterstreichen.

Heinrich von Dahme war mit Agnes, einer Tochter Hermann II. Burggraf von Golßen und der Adelheid von Colditz, verheiratet.

Dieser schloss sich in den Wirren des 14. Jahrhunderts, 1348, dem Böhmenkönig an, während sein Schwiegervater für die Wittelsbacher Seite eintrat. Doch 1350 erhielten die Wettiner lehnsherrliche Rechte über Besitzungen in der Niederlausitz, darunter auch die des Heinrich von der Dahme zu Golßen.

Wenden wir uns nun der Familie von Dahme im 13./14. Jahrhundert zu. Die von Dahme gehörten zum niederen Dienstadel, die Burggrafen von Wettin/Golßen aber stammten aus dem Hochadel.

Interessant ist die Tatsache, dass noch 1495 die Herrschaftspfarrei Golßen zur Sedes Dahme und nicht zur Sedes Luckau im Archidiakonatsbezirk Niederlausitz des Bistums Meißen zählte. Während laut Meißner Bistumsmatrikel von 1495 Kasel und Zützen der Sedes Luckau unterstanden, wird Golßen nicht dazu gerechnet. Offensichtlich kam die Pfarrei Golßen erst im Zuge der Reformation zur Sedes Luckau, aus der sich die Superintendentur entwickelte. Dies könnte im Zusammenhang des Besitzes der Herrschaft Golßen in den Händen der Familie von Dahme zusehen sein. Die von Dahme saßen von 1231 bis 1405, als die Familie ausstarb, auf der mittelalterlichen Wehranlage von Dahme, im Bereich der heutigen Schlossruine, welche jetzt noch teilweise erhalten ist. So lassen sich u. a. nachweisen: 1231 Otto de Damis, 1233 sein Bruder Richard bis 1296, 1294 Friedhelm de Damis, seit 1299 Heinrich de Damis, 1318 Richard und Heinrich de Damis, 1344 Heinrich und Richard Herren zu der Dahme, 1347 die Edelleute Heinrich und Richard Brüder von Dahme, 1353 ihr Bruder Friedhelm Herr in Dahme bis 1366 usw.

Die Herkunft der Herren von Dahme ist ungewiss. Wahrscheinlich stiegen sie aus dem Ministerialen- in den Herrenstand auf. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts vergrößerten die von Dahme kurzzeitig ihre Besitzungen. Heinrichs Sohn, Heinrich, hatte wie oben festgestellt, zwischen zirka 1346 und 1353 die östlich benachbarte Herrschaft Golßen inne. Die Söhne Heinrichs von der Dahme auf Golßen, Heinrich, Richard und Friedhelm, waren bis zum Verkauf von Herrschaft und Burg 1388 Herren in Dahme. Durch Heinrich Edler von der Dahme erfolgte der Verkauf von Haus und Stadt nebst der Herrschaft mit 19 Dörfern an das Erzstift und den Erzbischof von Magdeburg. Die Herren von Dahme traten noch zwischen 1390 und 1405 in der gleichnamigen Herrschaft auf. 1405 erlosch das Herrengeschlecht durch Aussterben der männlichen Linie.

Dr. Michael Bock

Literaturauswahl: Ines Spazier: Mittelalterliche Burgen zwischen mittlerer Elbe und Bober, Wünsdorf 1999.