Bernhard Heinz Witzsch, Freiwalde
Als ich einen Teil des vorhandenen Nachlasses von Horst Zwingenberger / Märkisch Buchholz kopieren konnte fielen mir besonders seine Ablichtungen zu den Besitzungen entlang der Dahme auf. Als Provenienz gab er „Kataster Beeskow“ an. Meine Nachforschungen beim BLHA, dem Kreisarchiv LOS und dem Kataster Vermessungsamt OSL erbrachten bisher kein Ergebnis. Die Kartenblätter befinden sich also nicht in ihren Beständen. Die Entstehung der Karten konnte ich aber zeitlich eingrenzen. So war auf dem Blatt 20 bereits die Chaussee Halbe – Wendisch Buchholz[1] eingezeichnet, diese ist 1878 eröffnet worden. Auf dem Blatt 21 ist nur der alte Verlauf der Dahme ohne den 1908 begonnenen Bau des Spree-Dahme-Umflutkanal wiedergegeben. Ich ordne deshalb die Karten[2] zur Erfassung der Besitzungen zwischen den Jahren 1880 bis 1907 durch den für das Rentamt Wendisch Buchholz tätigen „Regierungsgeometer August Richter“ ein.
Auf dem Blatt 9[3] sind die Besitzverhältnisse zur und um die Staakower Mühle[4] eingetragen. Interessant ist dabei, dass die Mühle in der Gemarkung des Gutes Briesen Kreis Luckau lag und der angrenzende Gutsbezirk Staakow dem Kreis Teltow zugeordnet ist. Mühlenbesitzer war damals Rudolf Willnow. Seine Mühle lag mitten in den Besitzungen der Königlichen Hofkammer und des Ritterguts Lückerath. Auf dem Blatt 10 sind dann entlang der Dahme als Flurbezeichnungen Kleines und Großes Mühlenfeld, der Horst und das Gut Briesen eingetragen. Willnow nannte ab Kilometer 25 zwei weitere größere Flurstücke sein Eigentum. Die auch heute noch vorhandene Straße nach Briesen wurde damals als „nach Brand“ führend eingetragen. Als Flussverlauf ist zwischen den Kilometern 25,5 und 26,5 der Dahme deutlich ihre Begradigung zu erkennen. Für den Mühlenbetrieb war das sicherlich erforderlich gewesen. Vorher und anschließend bis Wendisch Buchholz schlängelt sich die Dahme wieder gemütlich, vorbei an den Gemarkungen Theurow Blatt 16 und Freidorf Blatt 14, durch die flache Landschaft. Auch Theurow und Freidorf gehörten damals zum Kreis Luckau. Trotzt des recht schwachen Gefälles der Dahme war sie mit vielen Mühlen bestückt, erwähnt sollen u. a. die in Liedekahle, Krossen oder Teurow sein. Alle Mühlen benötigten einen angestauten Wasservorrat für ihren Betrieb. Der Stau für die Staakower Mühle lag oberhalb der erwähnten Straße. Von der damaligen Betriebsamkeit ist heute allerdings nichts zu spüren.
Die Kartenablichtungen von Horst Zwingenberger machen deutlich, dass in privaten Sammlungen von historisch interessierten Bürgern noch manch wertvoller Datenbestand schlummert und sie nur so der Allgemeinheit erhalten und zugänglich gemacht werden können.
[1] Wendisch Buchholz wurde 1938 in Märkisch Buchholz umbenannt
[2] vergl. Bernhard Heinz Witzsch, Der Brand, 2021, S. 34
[3] Sammlung Witzsch, Zw-1-26
[4] Schreibweisen lt. den vorhandenen Kartenblätter