Golßen umfasst die Kernstadt und seit 1950 die Stadtteile Landwehr und Prierow sowie seit 1971 Altgolßen. Als Ortsteile kamen 1998 Mahlsdorf und 2003 Zützen mit den Gemeindeteilen Gersdorf und Sagritz hinzu. Letztere haben bestimmte Privilegien wie einen Ortsbeirat, einen Ortsvorsteher und finanzielle Zuwendungen durch die Stadtverordnetenversammlung, im Gegensatz zu den vor 1990 eingegliederten Stadtteilen.
Die Ersterwähnung von Golßen (Golsyn) ist mit dem Datum 21. Oktober 1276 schriftlich festgehalten. Deshalb kann in diesem Jahr des 750ste Ortsjubiläum gefeiert werden. Aber schon 1226 bis 1272 urkundeten Otto bzw. Johann von Wettin, ohne das Golßen ausdrücklich genannt wurde. Da wären wir schon indirekt bei 800 Jahre Ortsgeschichte.
Dass Personennamen für die Ersterwähnung eines Ortes verantwortlich gemacht werden können, zeigt sich 1265 bei Prierow mit Rudolfus Prerowe, obwohl der Ortsname Briraw bei Prierow erst am 8. April 1461 in einer Urkunde auftaucht. Da der Name Prierow 11 Jahre vor dem Kernort Golßen erwähnt wird, könnte schon im Jahr 2040 eine 775-Jahrfeier stattfinden.
Landwehr (Landwere) als mittelalterliche Schutzanlage der Stadt begegnet uns am 2. März 1455 zum ersten Mal in den Annalen, ist aber wesentlich früher, spätestens mit der Stadtgründung entstanden.
Altgolßen tritt offiziell erst 1452 als Aldin Golssin in der vom Brandenburgischen Landeshauptarchiv festgelegten, ersten anerkannten schriftlichen Überlieferung auf. Die frühen Jahreszahlen 1377 und 1418 sind unsicher. Aber das Jahr 1449 ist mit „Kersten zu Alden Golssin“ verbürgt. Die Erstdatierung muss sicher vorverlegt werden, zumal das Dorf nach heutiger Kenntnis der älteste wohl durchgängig besiedelte Stadtteil ist, worauf schon der Name hindeutet. Als slawischer Rundwall (heute Kirchhof) entstand er laut neuester archäologischer Untersuchungen um 932. Das Bodendenkmal bringt es also 2026 auf stolze 1094 Jahre. Bereits 2032 wären wir bei 1100 Jahre Siedlungsgeschichte angelangt.
Noch älter stellt sich die archäologisch gesicherte Besiedlung der Gemlitz nördlich der Altstadt dar. Im Paläolithikum vor etwa 10000 Jahren lebten dort die ersten in der Niederlausitz nachweisbaren Menschen.
Eine abschließende Datierung der Golßener frühdeutschen Burganlage Utzenberg als wahrscheinlich slawische Überbauung konnte wegen fehlender zeitnaher Ausgrabungen noch nicht erfolgen. Hier besteht noch ein großer Forschungsbedarf.
Die heutigen Ortsteile Mahlsdorf (Malstorff) und Zützen (Zchuczin) treten urkundlich 1474 bzw. 1359 in Erscheinung, die Gemeindeteile von Zützen, Sagritz (Sagericz) am 22. Februar 1364 und Gersdorf (Gerichsdorf) am 14. Juni 1397. Auch Zützen kann mit dem in seiner Feldflur liegenden Horstberg auf über 1000 Jahre Siedlungsgeschichte verweisen, wenn auch nicht kontinuierlich.
Unsere Geschichte hält ein großes Forschungspotential zur frühen Neuzeit der Niederlausitz bereit.
Quellen, Literaturauswahl
THULB Jena; HOL NL 1979; Ortsnamen BB 2005; Berghaus 1856; Riel/Scheu 1861; Dt. Städtebuch 2 2000; NL RG V (Houwald 1996).
Abbildungen
Abb. 1: Siegel der Stadt Golßen 1455 (KDM 1917).
Abb. 2: Wappen der Stadt Golßen von Otto Hupp 1894.
Abb. 3: Stadtwappen Golßen von 1976, bestätigt 1992.