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Unterspreewald-Journal
Ausgabe 6/2026
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750 Jahre Golßen – Die Filiation der Burggrafen von Wettin/Golßen 1226-1392

Grabplatte Richard Burggraf von Golßen (+ 1340/42) im Dom zu Meißen

 

Im Folgenden habe ich versucht, die Familienverhältnisse der Burggrafen von Wettin/Golßen zu rekonstruieren. In die Übersicht sind nur archivalisch gesicherte Daten eingeflossen, bis auf die Abstammung von Person 2.2., die bei Lehmann nicht auftaucht, aber unbedingt in diesen Zusammenhang einzuordnen ist.

Stammfolge der Burggrafen von Wettin/Golßen

1.

Generation

1.1.

Hermann I. Burggraf von Wettin (1226, 1231 erwähnt)

2.

Generation

2.1.

Johann I. Burggraf von Wettin (1266, 1267, 1271, 1272 erwähnt), +1274, °° Adelheid (+ vor 1267)

2.2.

Otto Burggraf von Wettin (1283, 1285 Archidiakon der Lausitz; 1284, 1286 Domherr in Meißen). Filiation fraglich, da keine entsprechenden Urkunden vorhanden.

3.

Generation

3.1.

Otto I. Burggraf von Wettin (1267, 1276, 1285 Wohnsitz in Golßen, 1288 auch Besitzer von Lübben)

4.

Generation

4.1.

Hermann II. Burggraf von Golßen (1301, 1304, 1311, 1315, 1316, + 1317/18 ermordet)

4.2.

Johann II. Burggraf von Golßen (1301, 1311 erwähnt)

5.

Generation

5.1.

Hermann III. Burggraf von Golßen (1318, 1332, 1337, 1344, 1347, 1349, 1359, 1364 erwähnt; 1357/58 Landvogt der Niederlausitz; 1359 Pfandbesitz von Lübben), °° Euphemia/Femke, (1358, 1392 erwähnt)

5.2.

Richard Burggraf von Golßen (1318, 1332, 1337 erwähnt), Kanonikus und Domherr in Meißen (+ 1342), Grabstein mit Wettiner Löwenwappen im Dom

5.3.

Heinrich Burggraf von Golßen (1318, 1332, 1337 erwähnt)

5.4.

Agnes (1346 erwähnt), °° Heinrich von Dahme (1318 erwähnt), Herr auf Golßen (1346, 1347, 1348, 1350, 1353 erwähnt)

6.

Generation

6.1.

Johann III. Burggraf von Golßen (1392 erwähnt), mit ihm starb die Familie der Burggrafen von Wettin/Golßen aus.

Nur für die 3. bis 5. Generation ist zwischen 1276/85 und 1344/46 Golßen als Wohnsitz, neben ihrem Besitz um Mückenberg, nachweisbar.

Exkurse zu einigen, nicht ausschließlich in Golßen agierenden Burggrafen von Wettin/Golßen.

Zu 2.2.: Otto Burggraf von Wettin (Withyn), Archidiakon der Lausitz1283 und 1285 in Lübben. In den Jahren 1284 und 1286 kommt er unter den Meißnischen Domherren vor, ohne die Bezeichnung Archidiakon der Lausitz.

Zu 5.2.: Richard Burggraf von Golßen, Kanonikus, Domherr zu Meißen. Vom noch 1332 und 1337 beurkundeten Richard Burggraf von Golßen hat sich bis in unsere Tage der Grabstein im Dom zu Meißen erhalten. Ursprünglich auf der Kanzelseite unter dem Gestühl liegend, steht das Denkmal des 1342, nach neuerer Lesart 1340, verstorbenen Kanonikus Richard Burggraf von Golßen heute in der Kapelle des Nordturms. Dem Alter nach ist es das 28. von 164 um 1900 erhaltenen Denkmälern im Fußboden.

Der Sandsteinblock misst 114x195cm. Darauf ist ein Geistlicher in Lebensgröße geritzt, der in der Hand einen Schild mit dem Löwen der Wettiner hält. Die Inschrift lautet: „+ Anno. d(omi)ni/ M.°C.°C.°C.°XL.°II. mens(is). Dece(m)b(ris). ob(iit)/ Richha(rdus) burg(gravius) d(e). Golsin/ hui(us) ecc(lesi)e ca/nonicus.“

Das Bild stellt kein Porträt des Kanonikers dar, es stilisiert vielmehr einen adligen Domherrn als Mitglied der bischöflichen Kirche. In den überlieferten Akten des Domkapitels ist er nicht verzeichnet. Trotzdem ist mit dem Vorausgesagten diese über 680 Jahre alte Grabplatte das älteste bildliche Zeugnis aus Golßens Geschichte.

Die Denkmäler des Domes, besonders die unter dem Gestühl liegenden, wurden schon 1768 registriert und 1896 in einen Lageplan aufgenommen. Das war von großer Bedeutung, weil bei der Domerneuerung ab 1903 alle Steine entfernt und neu aufgestellt wurden. Ob dabei die aufgedeckten Grabstellen untersucht wurden, ist zu bezweifeln. Die Wissenschaft war dazu damals auch gar nicht in der Lage. Mit der Umsetzung stoppte man zwar den Verfall der Grabplatten, entzog dem Dom aber durch den neuen Bodenbelag einen Teil seines geschichtlichen Reizes.

Zu 6.1.: Johann (Hans) III. Burggraf von Golßen. Eine Urkunde vom 4. Juli 1392 sagt aus: „Burggraf Hans von Golßen übereignet mit Willen seiner Mutter Femke [Euphemia], Witwe des Burggrafen Hermann von Golßen, dem Kloster Sitzenroda [heute Gneisenaustadt Schildau] Güter im Dorfe Belau.“ Johann III. war der letzte aus der Linie der Burggrafen von Wettin stammenden Burggrafen von Golßen.

Dr. Michael Bock

Literaturauswahl

R. Lehmann: Geschichte NL 1963, ders.: Herrschaften NL 1966; ders.: Urkunden NL 1968, ders.: Vergangenheit NL 1925/2020; Houwald: NL Rittergüter, Kr. Luckau, 1996.