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Unterspreewald-Journal
Ausgabe 6/2026
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Trotz strengem Winter: Eisvogel-Zahlen im Spreewald stabil

 

Lübbenau. Die Rangerinnen und Ranger im Biosphärenreservat Spreewald zählen jährlich im März und April die Eisvogelreviere auf festgelegten Referenzflächen. Der zuletzt harte Winter mit wochenlang zugefrorenen Fließen ließ einen deutlichen Bestandsrückgang bei den farbenprächtigen Fischjägern vermuten. Dieser blieb jedoch aus, wie die Zählung der Naturwacht ergab.

„In den sehr kalten Wintern 2005/2006 sowie 2009/2010 oder 2011/2012 sind die Eisvogelzahlen hier im Spreewald um 80 Prozent eingebrochen. Die meisten Eisvögel sind verhungert, weil die Fließe zu lange zugefrorenen waren und sie somit keine Fische jagen konnten“, berichtet Rangerin Leonie Huber. Die aktuelle Zählung durch die Naturwacht ergab nun jedoch einen moderateren Rückgang von rund 40 Prozent der Tiere in den ausgewählten Zählflächen.

„40 Prozent klingt zunächst einmal viel, doch Eisvögel können solche Winterverluste schnell wieder ausgleichen. Möglich macht dies eine besondere Bruttechnik. Während ein Elternteil noch die Jungen vom ersten Gelege füttert, sitzt das andere Elternteil bereits auf den nächsten Eiern in einer weiteren Brutröhre. Auf diese Weise können Eisvögel bis zu vier Mal in einer Saison brüten“, erklärt die Rangerin.

Grundsätzlich bietet der Spreewald dem Eisvogel günstige Lebensbedingungen. Dieser braucht für die erfolgreiche Fischjagd möglichst klare, langsam fließende bis stehende Gewässer, an denen Sitzwarten vorhanden sind. Von diesen schießt er pfeilschnell ins Wasser hinab, um kleine Fische zu erbeuten. Für die erfolgreiche Brut benötigt er Abbruchkanten, Steilufer oder Wurzelteller, in die er seine Brutröhren gräbt. Diese Voraussetzungen bietet der Spreewald, weshalb man den schillernden Eisvogel hier mit ein bisschen Übung und Glück gut beobachten kann. Sein charakteristisches Pfeifen ertönt zumeist, ehe er dicht über der Wasseroberfläche vorbeigeflogen kommt. Wer das Glück hat, ihn mit einem Fernglas auf einer Sitzwarte zu beobachten, kann mit einer einfachen Eselsbrücke Männchen von Weibchen unterscheiden, denn die Weibchen haben einen roten Schnabelansatz, sie tragen also Lippenstift, während der Schnabel der Männchen komplett schwarz ist.

Mehr über den Eisvogel und andere Tiere am Wasser können Sie bei unserer RangerTour: „Wassermarder und fliegende Edelsteine“ am 19. Mai in Lübbenau erfahren. Weitere Informationen zur Tour und Anmeldung finden Sie unter https://www.naturschutzfonds.de/natur-erleben/veranstaltungskalender

Hintergrund Naturwacht Brandenburg

Die Rangerinnen und Ranger der Naturwacht Brandenburg arbeiten seit 1991 in den 15 Nationalen Naturlandschaften (Großschutzgebieten) des Landes und füllen das Motto „Mittler*innen zwischen Mensch und Natur“ mit Leben. Auf rund 9.000 Quadratkilometern – einem Drittel der Landesfläche – sind sie unterwegs und erfassen Daten zu Tier- und Pflanzenbeständen, Grundwasserspiegeln sowie zur Qualität von Gewässern. Sie setzen im Nationalpark, den drei Biosphärenreservaten und den elf Naturparken zahlreiche Natur- und Artenschutzmaßnahmen um und kontrollieren deren Erfolg.

Gleichzeitig sind die 90 Rangerinnen und Ranger ansprechbar für alle, die in den Nationalen Naturlandschaften leben, arbeiten oder zu Gast sind. Sie begleiten jährlich rund 10.000 Interessierte auf mehr als 500 geführten Touren, teilen ihr Wissen und sensibilisieren für richtiges Verhalten in den Schutzgebieten. Damit stärken sie auch den Naturtourismus in der Region. Ein weiteres Arbeitsfeld ist die Bildung für nachthaltige Entwicklung, BNE: In ihrer Arbeit mit Junior-Ranger-Gruppen oder in Schul-AGs wecken die Ranger*innen Interesse an Natur- und Umweltschutz.

Mehr als 390 Freiwillige unterstützen die Naturwacht Brandenburg bei diesen vielfältigen Aufgaben. Seit 1997 arbeitet die Naturwacht unter dem Dach der Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg. Mehr Informationen unter: www.naturwacht.de