| Bernhard Heinz Witzsch, Freiwalde | |
| Wer heute die Märkte in Golßen, Luckau oder Lübben aufsucht wird immer wieder ein gleiches Warenangebot vorfinden. Auch die Anzahl der Verkaufsstände ist teilweise recht unterschiedlich. In der Vergangenheit war das nicht so. Die Märkte in unserer Region waren sehr stark regional von der wirtschaftlichen Struktur geprägt. Landwirtschaft dominierte das Leben in den Dörfern, und so beeinflusste es selbstverständlich auch die Märkte[1]. Für 1931 ergab sich auszugsweise in der Provinz Brandenburg folgende Situation: | |
| - | Die sechs Märkte in Wendisch Buchholz waren für die Orte von Krausnick bis Alt Schadow wichtig. Davon waren fünf als Kram-Rindvieh-Pferde- und Schweinemarkt und ein weiterer nur als Rindvieh-Pferde- und Schweinemarkt ausgewiesen. |
| - | Schlepzig war stärker auf Lübben mit seiner differenzierten Marktgestaltung ausgerichtet. Hier gab es vier Kram-, einen Kram-Schweine-, 13 Rindvieh- und 18 Schweinemärkte. |
| - | In Golßen gab es drei Kram-, einen Kram-Rindvieh-Pferde- und Schweinemarkt (gleich als Christmarkt) und zehn Rindvieh-Pferde- und Schweinemärkte. |
| - | Im benachbarten Baruth sah es dagegen wie folgt aus: 5 Krammärkte, 10 Rindvieh-Pferde- und Schweinemärkte und einen extra Christmarkt. |
| - | Auch die alte Kreisstadt Luckau wies 6 Kram- und 11 Rindvieh-Pferde- und Schweinemärkte aus. |
Die hohe Anzahl der verschiedenen Märkte, wie z. B. in Lübben verteilten sich immer auf einzelne eigenständige Termine und waren nicht miteinander gekoppelt, ausgenommen wenige Krammärkte. Auch kam es zu keiner terminlicher Konkurrenz, z. B. zwischen den Luckauer, Baruther oder Golßener Märkten. Zu beachten ist auch, dass Baruth und Wendisch Buchholz im Regierungsbezirk Potsdam lagen aber Lübben, Luckau und Golßen dem Regierungsbezirk Frankfurt angehörten. Mit den aufgeführten Märkten wurde der Absatz der erzeugten landwirtschaftlichen Produkte gesichert. Neben den größeren Gütern und Bauerwirtschaften war so auch den vielen kleinen Bauern ein gewisses Einkommen garantiert. Beispielgebend kann auf die Schweinemärkte zu Jahresbeginn verwiesen werden, denn Ferkel oder Läufer wechselten dann die Besitzer und wurden nach Mästung zum Verkauf oder der eigenen Schlachtung zugeführt, denn nicht jeder Bauer konnte sich die Haltung eines Ebers leisten. Über die Märkte wurden auch Schlachtviehaufkäufe für die großen Schlachthöfe in Städten wie Berlin oder Dresden getätigt. Ein Krammarkt wäre in etwa mit einem heutigen Marktangebot vergleichbar. Und sicherte den Bedarf für Haushalt und Wirtschaft.
Besonders die Städte unserer Region reglementierten die Anzahl teilnehmender Händler stark und schützten dadurch die örtlich ansässigen Händler. Luckau schränkte wie folgt ein: „Die Märkte am 25.3 u. 16.12 sind nur für Händler der ehem. sächsischen Niederlausitz“ geöffnet. Hier pochte Luckau noch auf altes sächsisches Recht, das eigentlich ab 1815 schon nicht mehr galt. Der Lübbener Krammarkt (gleich Christmarkt) wurde wie folgt beschränkt: „Der K-Markt am 10.12 ist nur für Verkäufer aus Lübben, Luckau, Calau, Vetschau, Lübbenau u. Golßen“ genehmigt. Auch die Städte Calau, Finsterwalde, Lübbenau und Vetschau schränkten in vergleichbarer Art und Weise die feilbietenden Händler ein.
Letztendlich kann festgestellt werden: Ein recht vielfältiges Markttreiben herrschte damals.
[1] Sammlung Autor, Verzeichnis der Messen und Märkte, Illustrierter Neuer Deutscher Reichs-Kalender für das Jahr 1931, VGR Augsburg