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Unterspreewald-Journal
Ausgabe 8/2026
Nichtamtlicher Teil
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750 Jahre Golßen – Die mittelalterliche Burg auf dem Utzenberg

Abb.: Golßen, Turmhügelburg mit Wohnhügel im Norden und vorgelagertem Wirtschaftshof, Karte um 1827/29 (Spazier, S. 35)

Im frühen 13. Jahrhundert, mindestens seit 1276, lassen sich Burggrafen in Golßen nachweisen. Dies waren die edelfreien Burggrafen von Wettin, die sich um 1300 Burggrafen von Golßen nannten. Soweit die schriftlich verbürgten Tatsachen zu Golßen ab der Ersterwähnung am 21. Oktober 1276.

Leider kann eine genaue Datierung der frühdeutschen Burganlage auf dem Utzenberg wegen fehlender aktueller Ausgrabungen und damit verbundener moderner Zeitbestimmung nicht erfolgen. Vermutlich handelt es sich bei der Turmhügelburg um einen überbauten altslawischen Burgwall. Die Grabungen und Funde der letzten Jahre im Stadtgebiet Golßen lassen sogar den noch nicht wissenschaftlich belegten Schluss zu, dass auf dem Utzenberg eine spätbronzezeitliche Befestigung bestand, die vor zirka 3000 Jahren das Zentrum einer engeren bäuerlichen Siedlungskammer gewesen sein könnte.

Der bis zu 5 m hohe Turmhügel von 42x33 m nimmt nur einen Teil der vorhandenen Burgfläche ein, dem ein befestigter Wirtschaftshof von 60x70 m vorgelagert war. Bei einer Probegrabung 1899 konnte eine mittelalterliche Besiedlung im Wohn- und Wirtschaftsareal (Feldsteinmauerwerk, mittelalterliche deutsche Keramik) festgestellt werden.

 

Der südwestliche Teil der Wasserburg wurde 1935/36 bei Straßenbauarbeiten zerstört. Doch ließ sich der Zugang zum Wirtschaftshof durch die freigelegten Holzpfähle einer Zugbrücke klären. Die Wehranlage war von einem 15m (heute etwa nur 8m) breiten Wassergraben umgeben, der jetzt verlandet ist. Die Burg besaß noch 1454 eine ehrbare Mannschaft, lag aber bereits 1485 alt und abgebrochen im Moraste. Später wird die Burgstelle als Vorwerk Utzen bezeichnet. Heute liegt der wenig gepflegte und schlecht erreichbare Utzenberg nördlich der viel befahrenen Umgehungsstraße B96/115. Die Wurzel der Stadt ist vom historischen Stadtkern abgetrennt.

Die mit ursprünglich 120x60m, nach dem Straßenbau nur noch 90m lange, recht große Turmhügelburg stellt einen im Wettiner Gebiet häufig vertretenen Burgtyp dar. Bei dem nahe der Herrschaft Golßen liegenden Baruther Schloss datieren neuere Grabungsergebnisse die ältesten Phasen der Burg an das Ende des 12./Anfang des 13. Jahrhunderts, so dass eine gleichzeitige Entstehung beider Burgen der Niederlausitz wahrscheinlich ist. Auch die mittelalterliche Wegeführung spricht dafür.

Der Umfang der Golßener Herrschaft Ende des 14. Jahrhunderts ist nicht bekannt, doch wird sie sich südlich bis Luckau über mehr als die 1517 genannten Ländereien von 16 Dörfern und einer Wüstung erstreckt haben. Der meißnische Markgraf Friedrich III (1349-1381) veräußerte z.B. schon 1362 Gießmannsdorf, 1364 Sagritz, Wierigsdorf, Rüdingsdorf, Waltersdorf und Schenkendorf, die später nicht wieder in den Besitz der Herrschaft gelangten. Hier ist manches unklar.

Im Einflussbereich der mittelalterlichen Herrschaft Golßen lagen im Nordosten Burgen in Oderin und Briesen, im Süden in Zützen, Krossen, Falkenhain und Drahnsdorf, im Westen in Sellendorf und direkt östlich, der im Jahre 1265 erwähnte Herrensitz Prierow. Zur Datierung der Burgen liegen nur für Drahnsdorf und Falkenhain zwischen 1321 und 1347 bzw., allerdings unsicher, 1354 schriftliche Erwähnungen vor. Es besteht also ein, vor allem archäologisch bedingter, riesiger Forschungsbedarf im Land Brandenburg zur Geschichte der Niederlausitz außerhalb der Braunkohleregion.

Dr. Michael Bock

Literaturauswahl:

Ines Spazier: Mittelalterliche Burgen zwischen mittlerer Elbe und Bober, Wünsdorf 1999