Die historische Niederlausitz umfasste ein weitaus größeres Gebiet als heute. Es reichte im Westen bis an die Elbe und schloss große Teile des späteren sächsischen Kurkreises ein. Im Süden umfasste es das heutige Südbrandenburg, ging im Osten über die Oder-Neiße-Linie hinaus und endete im Norden erst kurz vor Berlin und Köpenick, umfasste also auch das Gebiet des späteren Kreises Beeskow- Storkow und die Herrschaften Baruth und Zossen.
Das 13. Jahrhundert legte in der Geschichte der Niederlausitz den Grund zum Landesausbau und zur Entwicklung eines deutschen Kulturlebens. Anfang des 14. Jahrhunderts wurde das Land zum Spielball seiner Nachbarn und dadurch in verhängnisvolle, schwere äußere und innere Wirren verstrickt. So stritten vor allem die wettinischen Markgrafen von Meißen, die brandenburgischen askanischen Markgrafen, aber auch die Herzöge von Sachsen und Jauer sowie der König von Böhmen und das Erzstift Magdeburg um die Lausitz bzw. Gebiete davon. Auf die Machtkämpfe und kriegerischen Handlungen zwischen der meißnischen Zeit von 1304 bis zur böhmischen 1370 kann hier nicht konkreter eingegangen werden. Lediglich die Burggrafen von Golßen und Heinrich von der Dahme zu Golßen sollen näher beleuchtet werden.
So war der Burggraf Hermann II. von Golßen 1304 Zeuge umstrittener Belehnungen durch die askanischen Markgrafen. Am 28. August 1307 finden wir die askanischen Markgrafen im Lande selbst, in Golßen, wo sie eine Urkunde für Bautzen ausstellten. Die Urkunden von 1304 und 1307 lassen darauf schließen, dass der Burggraf von Golßen zu dieser Zeit zu den Askaniern hielt. Aber schon am 17. November 1311 schloss der Markgraf von Meißen ein Bündnis mit den Burggrafen Johann und Hermann II. von Golßen, von denen der zweite vorher brandenburgisch eingestellt gewesen war. In die Zeit um 1317/18 fällt auch der politisch motivierte Mord an dem erwähnten Burggrafen Hermann II. von Golßen durch die Zisterzienser des Klosters Dobrilugk, der gesühnt werden musste. Doch die Feindseligkeiten gingen weiter. Während Burggraf Hermann III. von Golßen Mitte des 14. Jahrhunderts dem Wittelsbacher in Brandenburg anhing, schloss sich Schwiegersohn Heinrich von der Dahme dem Böhmenkönig an.1353 belehnte Ludwig von Brandenburg die Wettiner mit Besitzungen in der Lausitz, u.a. auch die von Heinrich von der Dahme zu Golßen.
Schließlich verleibte am 2. August 1370 Kaiser Karl IV. die Lausitz in aller Form der böhmischen Krone ein. Er erklärte, dass er diese Landschaft, da sie ohne geordnete Herrschaftsverhältnisse, durch Krieg und Wirren gelitten habe und für das benachbarte böhmische Land dadurch zu einer Gefahr geworden sei, mit allen Rechten seinem Königreich verbunden habe. Lange Zeiträume hindurch, bis zum Prager Frieden von 1635, lehnsrechtlich sogar bis 1815, sollte nun das Markgraftum Niederlausitz, wenn auch mit eigener Verfassung in seiner inneren Entwicklung ziemlich selbständig, mit Böhmen verbunden bleiben und dessen Schicksal teilen. Das schloss Anfang des 15. Jahrhunderts Verpfändungen nicht aus. So sah sich Jobst von Mähren Mitte Mai 1401 genötigt, seinem Schwager Markgraf Wilhelm von Meißen Schloss Golßen für ein Darlehen zu verpfänden.
Literaturauswahl: Rudolf Lehmann, Geschichte der Niederlausitz, Berlin 1963, S. 56-66. Vgl. auch USJ 5/6/7-2026.