Titel Logo
Amtsblatt für die Stadt Spremberg/Grodk – Spremberger Anzeiger
Ausgabe 3/2026
Seite 2
Zurück zur vorigen Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe
-

Liebe Sprembergerinnen, liebe Spremberger,

jeder Mensch macht Pläne, Zukunftspläne. Die persönlichen Pläne sind immer eingebettet in die Bedingungen, die uns angeboten werden. Für viele ist auch entscheidend, ob sie selbst etwas beitragen können, gestalten können. Mit Sorge beobachte ich seit einigen Monaten, dass unser Gestaltungsspielraum schrumpft. Da sind einerseits die finanziellen Rahmenbedingungen. Unsere eigenen Finanzen sind unter Druck, unsere Rücklagen müssen wir aufbrauchen. Damit habe ich erst einmal kein Problem, wenn es darum geht, unsere Projekte umzusetzen und da sind ja einige, große und kleine, in der Innenstadt und in den Ortsteilen.

Aber wie und in welcher Höhe werden wir künftig über die notwendigen finanziellen Mittel verfügen, um unsere Pläne zu verwirklichen oder überhaupt welche machen zu können? Landauf, landab klagt die Wirtschaft über schlechte Rahmenbedingungen, über hohe Energiekosten, fehlende Fachkräfte, viel zu lange Genehmigungsverfahren und eine überbordende Bürokratie. Umso wichtiger ist es daher, die Investoren, die hier bei uns investieren wollen, zu unterstützen. Jahrzehntelang war das unser Erfolgsrezept. Das können wir nicht einfach aufkündigen. Das fällt uns auf die Füße! Ja, ich verstehe das, Energiegewinnung aus Sonne und Wind wird von vielen sehr skeptisch gesehen.

Welche Alternativen haben wir? Die LEAG hat es uns direkt gesagt, Kohle ist ein Auslaufmodell. Aber Energie wird gebraucht, viel mehr noch als in der Vergangenheit. Ob und wann und zu welchem Preis wir wieder Gas, welchen Ursprungs auch immer, bekommen, weiß keiner. Der Krieg im Nahen Osten verheißt da nichts Gutes. Atomkraft? Ich bin sehr dafür, dass an dem Thema geforscht wird. Mit Herrn Professor Hurtado, Inhaber der Professur Wasserstoff und Kernenergietechnik an der TU Dresden, habe ich mich darüber unterhalten, ob der Industriepark Schwarze Pumpe als theoretisches Modell für eine solche Energieversorgung dienen kann. Wir werden sehen und hören, wie einer der führenden Wissenschaftler auf diesem Gebiet das einschätzt.

Bleiben also im Moment nur die erneuerbaren Energien. Es ist auch nicht zutreffend, dass wir einen wahllosen, ungezügelten Zubau unterstützen. Ich habe dazu in der Stadtverordnetenversammlung (SVV) sehr konkret geantwortet. Es war in den ganzen Diskussionen zu den erneuerbaren Energien immer wieder die Frage gestellt worden, warum das nicht auf den Bergbaufolgeflächen passiert. Genau so ein Vorhaben wurde nun in der letzten SVV, nach engagierter Diskussion, auf den Weg gebracht. Danke an alle Abgeordneten, die dies ermöglicht haben. Auch der LEAG, immer noch größter Arbeitgeber in der Region, sollten wir das ermöglichen. Ich bin keine Lobbyistin für irgendein Unternehmen, aber es ist meine Pflicht, alles Mögliche dafür zu tun, dass wir unseren Kindern mehr als leere Kassen und Industrieruinen hinterlassen.

Aber ich will auch, dass wir, die Einwohner von Spremberg/Grodk, davon profitieren, dass hier bei uns die Industrie ein Zuhause hat! Denn es wird uns viel abverlangt dafür, das verstehe ich.

Zur Landratswahl schreibe ich heute nichts, denn wir haben noch eine Stichwahl vor uns. Es ist also zu früh für eine Einordnung des Wahlergebnisses.

Arbeitsreiche Wochen liegen vor uns! Schön, dass so viel Abwechslung geboten wird, damit man mal abschalten kann. Denn bei allen berechtigten Sorgen sollten wir nicht vergessen, im Vergleich stehen wir ganz gut da und somit können wir auch ganz ohne schlechtes Gewissen mal fröhlich sein. Nutzen wir also das vielfältige Veranstaltungsprogramm, welches uns in unserem Festjahr geboten wird.

Wir sehen uns!

Ihre Bürgermeisterin
Christine Herntier