Wenn man gefragt wird, was denn typisch im Spreewald wäre, fallen einem sehr schnell auch die Heuschober ein. Kaum ein Dorf, in dessen Mitte kein traditioneller Heuschober steht. So war das auch in Wußwerk, bis der Heuschober im vorigen Jahr wirklich nicht mehr schön aussah und weggeräumt wurde. Also musste ein neuer her, dachte sich Dieter Salan, ergriff die Initiative und organisierte ausreichend Heu und Helfer. Wer am 4. Juli nachmittags durch das Dorf spazierte, konnte es kaum übersehen: Rund um die Stelle für den neuen Heuschober herrschte emsiges Treiben. Das Untergestell für den Heuschober und die Schoberstange wurden schon ein paar Tage vorher an den richtigen Platz in der Nähe des Spreewaldkahns gestellt. Wo sonst am Sonnabend nachmittags eher Ruhe einkehrt, wurde Heu geharkt, gegabelt und festgetreten, fachmännisch diskutiert und das ein oder andere Späßchen gemacht.
Viele wissen, dass das Aufstellen eines Heuschobers einiges handwerkliches Geschick erfordert und das stellten die zwölf Schoberer unter Beweis. Bei angenehmen Temperaturen und zeitweise kräftigem Wind packten alle tatkräftig mit an. Zwar sorgten einige Böen hin und wieder dafür, dass das Heu in die entgegengesetzte Richtung flog, doch davon ließ sich niemand aus der Ruhe bringen. Für gute Stimmung sorgte sicher auch die flotte Blasmusik, die rund um den Dorfteich zu hören war. Mit vereinten Kräften, guter Laune und Heugabel für Heugabel wuchs der Heuschober Stück für Stück in die Höhe. Immerhin wurde letztendlich das Heu von 5 ½ großen Ballen aufgeschichtet. Wie es sich gehört, wurde der fertige Schober unter großem Jubel zum Schluss mit drei Kränzchen gekrönt.
Das restliche Heu fand auch schnell passende Verwendung, denn der Spreewaldkahn neben dem neuen Schober wurde bei dieser Gelegenheit gleich umdekoriert. Die beiden älteren Herrschaften sitzen nun nicht mehr gemütlich an ihrem Kaffeetisch, sondern haben ihr Bett auf dem Kahn gerichtet und mit dem Heu wurde der Bettbezug gefüllt. So haben wir nun also gleich zwei neue Hingucker am Dorfteich.
Auf das Wetter war Verlass – oder vielleicht hatte der Wettergott einfach ein Einsehen mit den fleißigen Schoberern. Der Regen setzte nämlich erst am späteren Nachmittag ein, als die letzten Arbeiten abgeschlossen und Heugabeln und Harken verstaut waren. Das hätte kaum besser passen können. Nach getaner Arbeit wartete ein wohlverdienter Imbiss auf die Schoberer, den der Verein Wußwerker Freunde e.V. spendierte. Bei einer kräftigen Stärkung und kühlen Getränken wurde noch viel gelacht, über den Tag gesprochen und die eine oder andere Anekdote erzählt. In gemütlicher Runde ließ man den Nachmittag ausklingen und genoss das gesellige Beisammensein noch bis in den Abend.
Der neue Heuschober und der dekorierte Spreewaldkahn verschönern nicht nur unsere Dorfmitte, sondern sind ein gutes Beispiel dafür, was gemeinschaftlicher Einsatz im Dorf bewegen kann. Vielen Dank an alle, die sich daran beteiligt haben! Und wer dabei war, wird sicher bestätigen: Ein bisschen Wind gehört eben dazu – Hauptsache, der Regen wartet bis zum Feierabend.
P. S.: Ein Wochenende nach dem Aufstellen des Schobers verpassten Doris Lüders, Dieter Salan und Alexander Martin dem Schober noch ein bisschen Kosmetik. Wie auf dem Foto zu sehen ist, sieht er nun einfach perfekt aus. Vielen Dank dafür!