der Mai erinnerte in diesem Jahr oftmals eher an den April. In der dritten Maiwoche gab sogar der Winter noch einmal ein kurzes Gastspiel und sorgte für Schneefall in den höheren Lagen des Vogtlandes. Während vielerorts bereits die Gartensaison in vollem Gange war, zeigte sich die Natur bei uns noch einmal von ihrer winterlichen Seite.
Passend dazu durfte ich gemeinsam mit Vertretern unserer DLT GmbH an der VDS-Sommertagung am Wurmberg in Braunlage teilnehmen. Rund 70 Teilnehmer aus ganz Deutschland – Betreiber von Bergbahnen, Liftanlagen und touristischen Ganzjahresdestinationen – tauschten sich dort über aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und Zukunftsperspektiven der Branche aus.
Eines wurde dabei besonders deutlich: Der Trend geht bundesweit klar in Richtung Ganzjahrestourismus. Die Zeiten, in denen sich Tourismusregionen ausschließlich auf das Wintergeschäft verlassen konnten, sind vielerorts vorbei. Klimatische Veränderungen, steigende Energiekosten und der zunehmende Aufwand für die technische Beschneiung stellen viele Wintersportgebiete vor große Herausforderungen. Die Rentabilität des klassischen Winterbetriebes nimmt vielerorts spürbar ab. Stattdessen setzen zahlreiche Regionen verstärkt auf Familienangebote, Erlebniswelten und individuelle Nischenprodukte.
Umso mehr bestätigt dies den Weg, den wir in Schöneck bereits vor Jahren eingeschlagen haben. Mit unserer Ski-, Bike- und Wanderwelt sowie Eckis Entdeckerwelt haben wir frühzeitig die richtigen Weichen gestellt. Auch wenn wir im Vergleich zu manch großer Destination zu den kleineren Standorten gehören, konnten wir in Braunlage durchaus Aufmerksamkeit erregen und viele positive Eindrücke hinterlassen.
Besonders beeindruckend war die Besichtigung der neuesten Entwicklungen am Wurmberg – und das bei dichtem Schneetreiben Ende Mai. Gleichzeitig wurde aber auch sichtbar, welche gewaltigen Schäden der Borkenkäfer in weiten Teilen des Harzes hinterlassen hat. Ganze Berghänge prägen inzwischen abgestorbene Waldflächen. Hier können wir durchaus dankbar sein, dass sich die Situation in unseren Wäldern bislang deutlich besser darstellt. Hoffen wir gemeinsam, dass unsere Wälder auch künftig erhalten bleiben und nicht durch fragwürdige politische Entscheidungen im Zuge der Energiewende zusätzlich unter Druck geraten.
Direkt im Anschluss an die Feiertage führte uns ein weiterer wichtiger Termin nach Dresden. Gemeinsam mit DLT-Geschäftsführerin Jennifer Braun konnten wir bei der Wirtschaftsförderung Sachsen wertvolle Gespräche zur weiteren touristischen Entwicklung unserer Stadt führen. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem langfristigen Erhalt und der Modernisierung unserer inzwischen über 20 Jahre alten Vierersesselbahn. Sie ist das zentrale Verbindungselement unserer Erlebniswelt und spielt sowohl für Eckis Entdeckerwelt als auch für den Bikepark eine entscheidende Rolle. Nicht jeder Gast möchte nach einer rasanten Abfahrt den Weg zurück zum Ausgangspunkt zu Fuß antreten. Auch künftige touristische Investitionen, beispielsweise dem geplanten „größten“ Klettersteig des Vogtlandes, sind unmittelbar mit einer leistungsfähigen Liftanlage verbunden. Umso erfreulicher ist es, dass bereits erste konstruktive Gespräche über mögliche Förderprogramme und Entwicklungsperspektiven geführt werden konnten.
Am langen Pfingstwochenende mit sonnigem Wetter, stand am 23. Mai der bundesweite Ehrentag des Grundgesetzes mit Würdigung des Ehrenamtes auf dem Programm. Diesem Aufruf folgten in Schöneck gleich mehrere engagierte Vereine. Der Kneipp-Verein Schöneck lud in den Jugendpark zum Pfingstbasar ein, während der Heimatverein Schöneck e.V. spannende Einblicke in unsere historischen Bierkeller gewährte.
Besonders schmunzeln musste ich über den hervorragend gestalteten Werbeflyer des Heimatvereins. Mehrere Gäste fragten mich tatsächlich, seit wann in den Bierkellern eine Gaststätte geöffnet habe. Doch Spaß beiseite: Beide Veranstaltungen waren deutlich besser besucht als erwartet und haben eindrucksvoll gezeigt, welches Potenzial in diesen Orten steckt. Es freut mich sehr, dass sowohl der Jugendpark als auch die Bierkeller zunehmend als Begegnungsorte für Einheimische und Gäste wahrgenommen werden. Ich freue mich bereits auf die kommenden Veranstaltungen und Aktivitäten an beiden Standorten.
Ich hoffe, Sie alle konnten das Pfingstwochenende nutzen, um einmal durchzuschnaufen und Kraft für die kommenden Wochen zu tanken. Frei nach Johann Wolfgang von Goethe: „Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen.“
In der letzten Maiwoche hatte ich zudem die Gelegenheit, am LEADER-Stammtisch im Feuerwehrtechnischen Zentrum in Eich teilzunehmen. Dort wurde erneut deutlich, wie wichtig Förderprogramme für den ländlichen Raum sind. Ob Regionalbudget, Kleinprojekteförderung oder die regulären LEADER-Aufrufe – viele Projekte von Vereinen, Unternehmen und Privatpersonen wären ohne diese Unterstützung kaum denkbar. Besonders gefreut hat mich der offene Austausch mit Staatsministerin Regina Kraushaar, die den ländlichen Regionen weiterhin ihre Unterstützung zugesichert hat.
Am darauffolgenden Wochenende begann für viele Jugendliche ein neuer Lebensabschnitt. Zahlreiche Eltern – mich eingeschlossen – durften die Jugendweihe ihrer Kinder erleben. Allen Jugendlichen möchte ich an dieser Stelle nochmals herzlich gratulieren. Geht mutig euren Weg, bleibt euch selbst treu und verliert eure Heimat nicht aus den Augen. Die Welt zu entdecken ist wichtig, aber Schöneck und seine Ortsteile werden immer ein Ort sein, an den man gerne zurückkehrt – ein sicherer Hafen für die Heimkehr.
Ebenso wünsche ich allen Schülerinnen und Schülern viel Erfolg für die anstehenden Prüfungen, einen erfolgreichen Endspurt im Schuljahr und anschließend erholsame Sommerferien.
Leider meinte es das Wetter weder zum Rhododendronfest am 31. Mai noch zu unserem Kinderfest am 5. Juni so gut wie noch zu Pfingsten. Dennoch sind wir sprichwörtlich mit einem blauen Auge davongekommen. Beide Veranstaltungen waren hervorragend besucht und boten ein abwechslungsreiches Programm für Jung und Alt.
Mein herzlicher Dank gilt dem Hoffnungswerk Vogtland für die Organisation des Rhododendronfestes im Rittergut Schilbach sowie unserem Kneipp-Verein, dem Kindergarten und Hort Schöneck für das liebevoll gestaltete Kinderfest im Stadtpark. Ebenso danke ich allen beteiligten Vereinen, unserem Bauhof, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung, der Freiwilligen Feuerwehr, der Theater-AG um Yvonne Deglau der Grundschule Schöneck sowie Clown Joggi, der mit seinem unermüdlichen Einsatz beim Luftballonmodellieren wieder für viele strahlende Kinderaugen sorgte und natürlich Allen die zum Gelingen beigetragen haben.
Der Juni – ein Monat, der traditionell eng mit zahlreichen Festen verbunden ist. Den Auftakt bildete die Kirmes in Gunzen, die einmal mehr alle Erwartungen übertroffen hat. Besonders die Idee, das Oldtimertreffen am Sonntag mit dem Frühschoppen und freiem Eintritt zu verbinden, erwies sich als voller Erfolg. Die Besucherzahlen waren so groß, dass selbst die beste Organisation zeitweise an ihre Grenzen stieß. Mehr dazu lesen Sie selbstverständlich in dieser Ausgabe unseres Stadtanzeigers.
Wenn wir gerade bei Gunzen sind, gibt es auch erfreuliche Nachrichten für alle Freunde des Musikwinkelexpress. Die Nossen-Riesaer Eisenbahn-Compagnie (NRE) hat die notwendigen Verträge unterzeichnet und wird künftig die Strecke zwischen Adorf und Zwotental betreiben. Bereits im Juli sollen umfangreiche Reparatur- und Instandsetzungsmaßnahmen erfolgen, die durch die zuständigen Aufsichtsbehörden begleitet werden. Ziel ist es, bereits ab August wieder touristische Zugfahrten auf der Strecke anzubieten. Langfristig sollte es unser gemeinsames Anliegen sein, diese Verbindung perspektivisch auch wieder für den regulären Personen- und Güterverkehr nutzbar zu machen.
Bereits am 8. Juni konnten hierzu erste konstruktive Gespräche mit verschiedenen Akteuren geführt werden. Besonders erfreulich war dabei das Interesse weiterer Partner, die sich eine Zukunft dieser traditionsreichen Bahnstrecke vorstellen können.
Ebenfalls am 1. Juniwochenende durfte ich auf Einladung von Ralf Lemnitzer die erste Etappe der Trabi-Tour Sachsen eröffnen. Rund 20 Teams starteten von unserer Jugendherberge aus zu Touren durch Sachsen, Thüringen, Bayern und Tschechien. Nach den positiven Erfahrungen der vergangenen Jahre steht bereits fest, dass Schöneck auch künftig wieder Ausgangspunkt dieser beliebten Veranstaltung sein wird. Solche Veranstaltungen sind beste Werbung für unsere Stadt und unsere gesamte Region.
Wie bereits im vergangenen Stadtanzeiger ausführlich erläutert, läuft derzeit die zweite Beteiligungsrunde zum Raumordnungsplan Wind. Sämtliche Unterlagen, Karten und Informationen können auf der Internetseite des Planungsverbandes Region Chemnitz von jedermann eingesehen werden. www.pv-rc.de Dort besteht auch die Möglichkeit, Hinweise und Stellungnahmen in das Verfahren einzubringen. Die aktuelle Beteiligungsphase läuft noch bis 06.Juli. (https://beteiligung-regionalplan.de/rpchemnitz/index.php)
Für Schöneck sind zwei mögliche Windenergiegebiete vorgesehen, für Mühlenthal ein weiteres. Kritisch sehe ich ebenfalls die Planungen im Bereich zwischen Kottenheide und Schneckenstein. Dort befindet sich eines der größten vorgesehenen WindEnergieGebiete mit ca. 150ha der Region – unmittelbar an unserer Kammloipe, des Kammweges, zahlreicher regionaler Wander- und Radstrecken also mitten in einem besonders sensiblen Bereich mit großem touristischen Potential!
Gleichzeitig ist es jedoch wichtig zu verstehen, dass der Raumordnungsplan Wind nicht nur neue Flächen ausweist, sondern auch eine Steuerungsfunktion besitzt. Ziel der Regionalplanung ist es, die Windenergienutzung auf bestimmte Gebiete zu konzentrieren und gleichzeitig festzulegen, wo künftig keine Windenergieanlagen errichtet werden sollen. Ohne eine solche Planung droht langfristig eine deutlich größere Inanspruchnahme weiterer Flächen. Nach derzeitiger Gesetzeslage sind die Planungsverbände verpflichtet, bis Ende 2027 mindestens 1,3% der Fläche für die Windenergienutzung planerisch zu sichern. Wird dieses Ziel nicht erreicht oder die Steuerungswirkung der Regionalplanung künftig eingeschränkt, könnten deutlich größere Flächenanteile für Windenergieanlagen zur Diskussion stehen. In den aktuellen Diskussionen wird häufig auf einen möglichen Anstieg von heute rund 1,3% auf bis zu 11% potenziell nutzbarer Flächen in der Region verwiesen. Damit wären auch zahlreiche weitere sensible Bereiche unserer Region betroffen!
Beispielsweise auch in unseren beliebten Sichtachsen unweit der Stadtgrenze (Abstand lediglich 600m!)
Bild durch KI erstellt:
Richtig oder falsch?
Zum Thema Windenergie müssen wir uns als Gesellschaft weiterhin ehrlich und sachlich austauschen. Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten.
Für mich persönlich steht fest, dass Windenergie durchaus ein Baustein einer zukünftigen Energieversorgung sein kann. Gleichzeitig bin ich aber der festen Überzeugung, dass hierfür nicht beliebig wertvolle Lebens-, Natur- und Erholungsräume geopfert werden dürfen. Gerade wir hier im Vogtland leben in einer Region, die von ihrer Landschaft, ihren Wäldern, ihren Rad- und Wanderwegen, Sommer- und Wintersport und somit vom Tourismus lebt.
Es gibt in Sachsen zahlreiche Gebiete, die sich für die Errichtung von Windenergieanlagen aus meiner Sicht deutlich besser eignen. Beispielsweise Regionen, die bereits über Jahrzehnte durch den Braunkohleabbau geprägt wurden oder großflächige Industrie- und Infrastrukturstandorte. Dort sind die Eingriffe in Natur und Landschaft oftmals deutlich geringer als in sensiblen Mittelgebirgs- und Waldregionen.
Unabhängig davon halte ich es für wichtig, alle Möglichkeiten der Energiegewinnung ausgewogen zu betrachten. Gerade im Vogtland verfügen wir mit unseren Talsperren und Gewässern über Potenziale im Bereich der Wasserkraft. Ebenso sollten Photovoltaikanlagen auf kommunalen Gebäuden, Gewerbedächern und bereits versiegelten Flächen weiterhin konsequent ausgebaut werden.
Noch wichtiger als die Frage der Energieerzeugung erscheint mir jedoch das Thema Energiespeicherung. Solange Strom nicht in ausreichendem Umfang gespeichert werden kann, entstehen immer wieder Situationen, in denen Energie im Überfluss vorhanden ist oder zu anderen Zeiten fehlt. Hier sehe ich den eigentlichen Schlüssel für eine erfolgreiche und nachhaltige Energiewende. Aus meiner Sicht sollte deshalb ein wesentlich stärkerer Fokus auf Speichertechnologien, intelligente Netze und innovative Lösungen gelegt werden, anstatt ausschließlich über immer neue Erzeugungsanlagen zu diskutieren.
Die Energiewende wird nur dann dauerhaft Akzeptanz finden, wenn sie wirtschaftlich sinnvoll, technisch durchdacht und im Einklang mit Mensch, Natur und Landschaft umgesetzt wird. Dafür sollten wir gemeinsam eintreten.
Ihr Bürgermeister Andy Anders