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Der Spiegelwaldbote - Amts- und Mitteilungsblatt der Gemeinde Grünhain-Beierfeld
Ausgabe 1/2026
Stadt Grünhain-Beierfeld
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100 Jahre Uhren-Schmuck-Seifert – Chronik

Firmengründer Martin Seifert.

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Am 01.03.1926 gründete Martin Seifert mit seiner Ehefrau Margarethe in Grünhain ein Uhrenfachgeschäft mit Schmuckverkauf und Augenoptik. Der Anfang war schwer, denn die Weltwirtschaftskrise nahte und brachte auch in Grünhain Arbeitslosigkeit und Armut mit sich. Die junge Familie wohnte in beengten Verhältnissen. Der Arbeitstisch stand in der Küche, und zum Schlafen hatte man zwei Zimmer im Haus gegenüber gemietet.

1935 kauften sie das Haus Auer Straße 18, das bis zum heutigen Tag Firmensitz ist, und bauten dort einen Laden ein.

1943 wurde Martin Seifert zur Wehrmacht eingezogen und geriet 1945 in Kriegsgefangenschaft.

Mit inzwischen 6 Kindern und ohne jegliche Unterstützung wurde 1946 das Geschäft von Margarete Seifert mit Bildern, Spielwaren, Holz- und Kristallwaren wieder geöffnet. Die Beschaffung von Waren war sehr schwierig. Sie wurden teilweise mit dem Handwagen aus anderen Orten herangeholt.

Im November 1948 kam Martin Seifert aus der Gefangenschaft zurück. Nachdem auch wieder Uhren repariert wurden, gab es im März 1949 einen Einbruch, bei dem 20 Uhren gestohlen wurden, die Martin Seifert den Kunden aus eigener Tasche ersetzen musste.

Aber es ging trotzdem aufwärts, da die „Wismut“ ins Erzgebirge kam und damit wieder Kaufkraft unter der Bevölkerung entstand.

Martin Seifert erwarb den Meistertitel im Augenoptikerhandwerk und erweiterte damit das Firmenangebot.

Von 1951 – 1954 erlernte Martins Sohn, Rudolf Seifert, das Uhrmacherhandwerk und legte 1957 die Meisterprüfung ab.

Außer der Reparatur von Uhren aller Art werden seit 1961 in der Firma Uhrgläser für Armbanduhren angefertigt. Rudolf Seifert entwickelte dazu eine Technologie, die es erlaubt, preiswert individuelle Ersatzgläser für Uhren anzufertigen.

1966 übernahm Rudolf Seifert den Uhrmacherhandwerksbetrieb, und 1971 wurde das Kommissionshandelsgeschäft an ihn und seine Ehefrau Christine übergeben.

In der Folgezeit wurden 2 Lehrlinge im Uhrmacherhandwerk ausgebildet.

Durch die Uhrgläserherstellung, speziell bedruckter Gläser für Digitaluhren, wurde der Betrieb in der ganzen DDR bekannt. Trotz des Status‘ als Privatfirma erhielten Rudolf und Christine Seifert mehrere staatliche Auszeichnungen für ihre Handwerks- und Handelstätigkeit.

Die Wendezeit 1989/90 brachte auch für das Geschäft einen Wandel. Vorbei war die Zeit der staatlichen Warenzuteilung, plötzlich waren Uhren und Schmuckwaren jeglicher Art unbegrenzt verfügbar. Im gleichen Zuge gingen aber auch die Reparaturarbeiten sprunghaft zurück, da alle Leute neue „Westuhren“ haben wollten.

1997 begann Anett Friedel, die Tochter von Rudolf und Christine Seifert, ins Geschäft einzusteigen. Die studierte Textiltechnikerin musste sich umorientieren, da die Textilindustrie nach der Wende deutlich zusammenbrach. Sie entschloss sich, das Lebenswerk ihrer Großeltern und Eltern weiterzuführen und übernahm am 01.09.2000 die Firma in dritter Generation.

Am 23.12.2010, kurz vor Ladenschluss, rutschte eine mächtige Schnee- und Eismasse vom Dach auf die Straße und den Gehweg und riss einen Teil des Daches des über 100 Jahre alten Hauses mit sich. Wie durch ein Wunder kam niemand zu Schaden.

In Anbetracht des Zustandes des alten Hauses und dem Rat von Fachleuten folgend, entschloss sich Anett Friedel gegen eine Reparatur und stattdessen für einen Ersatzneubau. Dank tatkräftiger Unterstützung der Familie und vieler motivierter Handwerker entstand in Rekordzeit ein neues Wohn- und Geschäftshaus in der Grünhainer Ladenzeile.

Vom Beginn der Abrissarbeiten am 17.07.2011 bis zur Eröffnung der neuen Geschäftsräume am 16.12.2011 vergingen nicht einmal 5 Monate.

Zusätzlich zum Uhren- und Schmucksortiment kam Erzgebirgische Volkskunst der Firma Hubrig aus Zschorlau mit ins Sortiment, und es werden Passfotos für amtliche Dokumente gefertigt.

Nach wie vor fertigt die Firma individuelle Ersatz-Uhrgläser aus Kunststoff und Glas für Uhrmacherkunden im gesamten Bundesgebiet nach dem bewährten Knowhow von Rudolf Seifert. Dafür wurde 2011 Patricia Seifert eingestellt.

Unter der massiven Konkurrenz des Onlinehandels ist es inzwischen nicht leicht, erfolgreich ein Fachgeschäft zu führen. Anett Friedel jedenfalls macht es Freude, ihre kleine Einkaufsoase so lange wie möglich für Ihre treue Kundschaft zu erhalten.

Und nun ist es so weit: 100 Jahre Uhren-Seifert können gefeiert werden!