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Amtsblatt der Einheitsgemeinde Stadt Teuchern
Ausgabe 22/2026
Ortschaft Teuchern
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Treff im „Grünen Baum“

Der Monat Oktober ist gekommen und wie jedes Jahr hält damit KUMBRA bei uns im Treff Einzug, besser noch bekannt als Literaturherbst. Diese Reihe wird finanziert durch den Burgenlandkreis. Wir hatten uns als Referentin Frau Claudia Rikl gewünscht und über die Organisation mit dem Friedrich-Bödecker-Kreis in Sachsen-Anhalt konnte unser Wunsch erfüllt werden. Am Donnerstag, den 08. Oktober, hatten sich 25 Literaturfreunde eingefunden, um zu erfahren, worin es in Frau Rikls neuem Buch geht. Wir hatten schon das Vergnügen Frau Rikl vor dem Corona-Ausbruch bei einer Lesung zu erleben.

Frau Rikl wurde in Naumburg geboren, besuchte die Landesschule Schulpforte und studierte anschließend Geschichte und Literaturwissenschaft. Nach ihrer Aussage bemerkte sie aber bald, dass eine Arbeit auf diesen Gebieten doch nicht ganz dem entsprach, was sie wollte. Sie schrieb Erzählungen und Kurzgeschichten. 2023 erschien unter dem Pseudonym Liv Maria Bahrow ihr Buch „Wellenkinder“. Bei der Verarbeitung des Stoffes zu diesem Familienroman setzte sie sich mit der Willkür des DDR-Regimes bei der Zwangsadoption auseinander.

Sie fand auch heraus, dass es in der Familie ihrer Mutter viele unausgesprochene Ereignisse aus der Vergangenheit gab und ließ uns teilhaben an dem Prozess der zur Entstehung des neuen Buches „Elbland“ führte. Sie sagte selbst: „Es war eine späte Reise zu den familiären Wurzeln“. Es beginnt im Jahr 1987. Im Mittelpunkt steht eine Familie, die ihren Urlaub in der Tschechoslowakei verbringen will und wo es sich dabei herausstellt, dass Irma aus dieser Gegend stammt. Nina (die Tochter von Irma) ist 19 Jahre alt, lebt in Leipzig und macht ein praktisches Jahr bevor sie Medizin studieren soll. Sie ist verliebt in einen älteren Mann vom Leipziger Theater und eigentlich will sie ihren vorgezeichneten Weg gar nicht mehr gehen. Während der Fahrt denkt sie über sich, ihre Schwester, deren Freund, ihren Bruder, ihre Mutter, die immer mal von zu Hause zur „Kur“ muss, nach. Erst in der weiteren Handlung des Buches stellt sich heraus, dass Irma in Arnau im Riesengebirgsvorland, den Sudetenland, 1938 geboren wurde. Das Sudetenland umfasste Böhmen, Mähren und Österreich-Schlesien und wurde von einer deutschsprachigen Bevölkerung bewohnt. Der Begriff bildete sich erst nach dem 1. Weltkrieg heraus, als die Habsburgermonarchie zusammenbrach und die Tschechoslowakei gegründet wurde. 1938 mit dem Münchner Abkommen erzwangen das Deutsche Reich, Großbritannien, Frankreich und Italien die Abtretung des Sudetenlandes an Deutschland. 1939 wurde daraus der Reichsgau Sudetenland gebildet. Ab 1945 fiel das Gebiet wieder an die Tschechoslowakei zurück. Fast 3 Millionen Sudetendeutsche wurden enteignet und aus ihrer Heimat vertrieben und das Gebiet von der tschechischen Bevölkerung besiedelt. Irma hatte eine schöne Kindheit. Ihr Vater war der Besitzer einer Bekleidungsfabrik und die Familie kam mit ihren Nachbarn gut aus, hatte ein tschechisches Ehepaar, das die Arbeit im Haus und Hof verrichtete. Als der Krieg kam wurde der Vater eingezogen und war 1945 auch noch nicht zu Hause. Als die „Säuberungsaktionen“ begannen, war Irma allein mit dem Dienstmädchen zu Hause und musste erleben wie sie unter Androhung und Anwendung von Gewalt zum Verlassen ihrer Heimat gezwungen wurden. Ihr Einkommen wurde konfisziert. Jede vertriebene Person durfte nur ca. 20 kg Kleidung, 130 RM, Lebensmittel für drei Tage mitnehmen und musste eine Armbinde mit der Aufschrift „Deutsche“ tragen und sich innerhalb von kurzer Zeit, meist nur innerhalb einer Stunde, an einem Sammelplatz einfinden. Diese „wilden Vertreibungen“ wurden zu meist von der „RG“ - Revolutionäre Garde - durchgeführt. Von diesen Ereignissen und der folgenden Zeit in Arbeitslagern hat sich Irma nicht erholen können. Sie konnte auch nicht mit ihrer später gegründeten Familie, ihrem Mann und ihren Kindern darüber sprechen, so dass es dann auch Auswirkungen auf ihre Kinder Nina, Katja und Max sowie ihrem Mann hatte. Nina, „die Große“ liebevoll von ihrer Mutter genannt, musste sich in Abwesenheit der Mutter um den Haushalt und die kleineren Geschwister kümmern. Als die Eltern geschieden wurden, lag es bei ihr, sich weiter um die Mutter zu kümmern. Doch wir wollen ja nicht den ganzen Inhalt vorwegnehmen. Von Frau Rikl bekamen wir ein Buch für unsere Bibliotheksleser, so dass sich jeder über den Verlauf der Ereignisse informieren kann.

Beim Signieren der Bücher kam in den Gesprächen zum Ausdruck, dass es anderen „Vertriebenen“, bzw. ihren Nachkommen, die auch in unserer Gegend eine neue Heimat fanden, ähnlich erging und auch sie dieses Kapitel in ihrem Leben bedeckt hielten.

Wir bedanken uns bei „Kumbra“ für die Finanzierung der Lesung.

Irmtraud Persich