Im letzten Artikel schrieb ich: Unser Verein „Trebsen erleben e.V.“ ist in die Jahre gekommen und sucht unbedingt aktive neue Mitglieder. Wir suchen Euch immer noch und damit Ihr wisst, was wir so machen, erzähle ich Euch in den nächsten Monaten etwas aus unserem Vereinsleben.
Auch in Sachsen gab es in den letzten Jahren vielfältige Aktionen, um Wälder aufzuforsten oder verschiedene Naturschutzprojekte zu fördern.
Bäume pflanzen, Baumpatenschaften übernehmen, Bäume verschenken, einfach gesagt, die beste Pflanzzeit für Bäume ist immer jetzt.
Unser Gehör fand das Projekt „Baumpatenschaften – Lutherbäume 2017“, zu welchem der MDR gemeinsam mit dem Dachverband für Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Sachsen e.V. vor einigen Jahren aufgerufen hatte. Für die etwas jüngeren Leser: In der heutigen Sprache könnte man auch „Klima-Challenge für Luther“ dazu sagen.
Der MDR suchte Vereine, so erklärte Vereinschef Uwe Baumann, die einen Baum pflanzen, die Aktion mit 300,00 Euro natürlich bezahlen und dann die Baumpatenschaft übernehmen. Ein regionaler Gartenbaubetrieb sollte kostenlos (!) liefern und das Pflanzloch ausheben. Für die Pflanzaktion wurde der 30.10.damals festgelegt, der Vortag des Reformationstages.
Das klingt alles sehr unkompliziert und wenig spektakulär, wenn da nicht die deutsche Bürokratie wäre, die wenig spaßig ist und Aktionen zu einem Zeitproblem werden lassen kann.
Nun, der 30.10. war in jenem Jahr ein Brückentag und so musste die Pflanzaktion zeitlich vor der öffentlichen Veranstaltung mit kulturellem Rahmenprogramm stattfinden.
Der Baum sollte an der Schlossmauer stehen, so hatte der Denkmalschutz mitzureden, weil ein Apfelbaum in 100 Jahren nicht so groß werden würde, wie unsere geplante Linde, die dann angeblich größer sein könnte, als das Schloss. Nun denn, das war Weitsicht!
Wir sollten bestätigen lassen, dass am Pflanzort Medienfreiheit herrscht, also keine Telekommunikationsleitungen vorhanden sind, weiterhin keine Rohre für Wasser und Abwasser, keine Stromkabel. So konnte das Bauamt nur einen Schachtschein ausfüllen, wenn vorher genannte Gegebenheiten überprüft worden waren. Auch eine schriftliche Einverständniserklärung durch den Eigentümer des Pflanzortes, dass das Grundstück dort öffentlich zugängig ist, war nötig.
Erst nach Vorlage aller Unterlagen durfte dann die ausführende Firma mit entsprechend schwerer Technik anrücken und das Pflanzloch ausheben.
Unser Verein schrieb einen „Wutbrief“ an den MDR, denn eine eigentlich sinnvolle Aktion erstickte auch zeitlich im bürokratischen Geflecht unserer Gesellschaft, denn alle Unterlagen einzuholen dauerte und dauerte. Erst die Feierstunde mit Musik und kleinen Reden von Bürgermeister und Kirchenvorstand ließ die Aktion dann doch zu etwas Positivem werden am 550 km langen Lutherweg. In der Stadt Grimma soll der Augustinermönch Martin Luther ja mehrfach in der Klosterkirche gepredigt haben.
Vielleicht war er doch mal in Trebsen und hatte nicht nur brieflichen Kontakt zur Schlossherrschaft Minkewitz? Noch ist nichts bewiesen.
Eine Anmerkung noch: Die aktuelle Bundesregierung hat den Bürokratieabbau zu einem zentralen Schwerpunkt erklärt. Die wahre Umsetzung wird aber den Menschen an der Basis obliegen, glaube ich sicher. Vielleicht können wir dann eine Eiche aus unserem Garten im Park pflanzen, ganz ohne Kosten und Ausfüllen von Formularen.
Eine zweite Aktion wollte ich Euch noch vorstellen und vielleicht können Leser ihr Wissen mit einbringen. Wir haben einen sogenannten Geschichtspfad geplant und begonnen.
Viele Menschen spazieren durch unsere kleine Stadt. Sie sind Gäste bei Hochzeiten, Klassentreffen oder auch anderen privaten oder öffentlichen Veranstaltungen. Der Gastgeber braucht sich nicht unbedingt in einen Guide zu verwandeln, wenn an erwähnenswerten Gebäuden oder Plätzen Schilder angebracht sind, die Aussagen zur Geschichte und Gegenwart geben. Das müssen nicht nur Schloss, Rittergut und Rathaus sein. Wie suchen auch Wohngebäude mit interessanter Geschichte, Tore, Mauern, Fabriken usw. vorausgesetzt, die Besitzer sind mit solch einem Schild einverstanden.
Wie ein solches Schild aussieht, könnt Ihr am Rathaus anschauen, denn dort ist das erste bereits angebracht. Wir freuen uns auf Eure Anregungen und auf jeden, der mit uns gemeinsam Trebsen erlebbarer machen möchte.
Infos an uwe.baumann.hv@t-online.de