Emotionen sind wichtig für unsere Seele. Sie verbinden uns mit besonderen Momenten und
lassen Erinnerungen entstehen, die bleiben. Das Jubiläum „775 Jahre Seelingstädt“ war ein solcher besonderer Moment. Vom 3. bis 6. September wurde in unserem Dorf gefeiert – aber nicht nur gefeiert. Vier Tage lang wurde Geschichte lebendig, wurden Erinnerungen geteilt, neue Begegnungen geschaffen und gemeinsam nach vorn geblickt. Vor allem aber haben diese Tage gezeigt, was möglich ist, wenn viele Menschen gemeinsam anpacken.
Den Auftakt gestaltete unsere Kita „Pusteblume“, die in diesem Jahr selbst auf 75 Jahre zurückblicken kann. Ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter trafen sich, Erinnerungen wurden ausgetauscht und Geschichten aus vergangenen Jahrzehnten erzählt.
Am Nachmittag öffnete die Kita ihre Türen. Trotz einiger Regenschauer kamen viele Besucher.
Besonders schön war die Begegnung mit einem ehemaligen Kita-Kindergartenkind aus den ersten Jahren. Erinnerungen an die Anfänge der Einrichtung wurden lebendig und machten deutlich, wie viele Generationen die Kita in den vergangenen 75 Jahren begleitet hat.
Ein besonderer Moment war die Zeitkapsel. Die Kinder füllten sie mit Bildern und Wünschen für die Zukunft. Anschließend wurde sie zur Kirche gebracht und dort sicher verwahrt. Wenn alles gut geht, wird sie zum 800-jährigen Jubiläum im Jahr 2076 wieder geöffnet.
Ein schöner Gedanke: Kinder von heute hinterlassen ihre Wünsche für die Menschen von morgen.
Der Freitag begann besinnlich. Die offizielle Eröffnung durch den Trebsener Bürgermeister Stefan Müller und der gemeinsame Gottesdienst brachten Menschen aus verschiedenen Bereichen unseres Dorfes zusammen. Besonders beeindruckend war das gemeinsame Wirken beim ökumenischen Gottesdienst bei der Caritas. Beim anschließenden Kaffeetrinken kamen Bewohner des Altenpflegeheims, Dorfbewohner und Gäste miteinander ins Gespräch. Generationen begegneten sich ganz selbstverständlich.
Am Abend wechselte die Stimmung. Im großen Festzelt wurde gefeiert, getanzt und gelacht. Rund 600 Besucher erlebten einen stimmungsvollen Abend mit Musik, Cocktails und guter Verpflegung.
Der Sonnabend wurde zum großen Festtag. Rund 1.400 Besucher kamen nach Seelingstädt.
Nach einem gemeinsamen Mittagessen warteten bereits zahlreiche Angebote auf kleine und große Gäste. Minieisenbahn, Ponyreiten, Hüpfburg und Kinderschminken sorgten bei den Kindern für Begeisterung. Mutige Besucher konnten mit dem großen Kran hoch über Seelingstädt fahren und das Dorf einmal aus einer ganz anderen Perspektive erleben.
Beim gemütlichen Kaffeetrinken sorgten Schülerinnen und Schüler der Grundschule Trebsen gemeinsam mit ihren Eltern für ein reichhaltiges Kuchen- und Plätzchenangebot. Die Trebsener Blasmusik begleitete den Nachmittag musikalisch. Beim Tauziehen Oberdorf gegen Unterdorf ging es sportlich zu. Überraschend konnte sich das Unterdorf durchsetzen.
Ein besonderer Schatz war die Ausstellung der Chronikgruppe im Speicher. Fast ein ganzes Jahr hatten die Mitglieder daran gearbeitet, Geschichte sichtbar und erlebbar zu machen. Die vielen positiven Rückmeldungen der Besucher waren dafür der schönste Lohn. Am Nachmittag wurde es im Festzelt voll. Bei den „Seelingstädter Geschichten“ wurde erzählt, gelacht und gestaunt. Das Männerballett sorgte wie gewohnt für Begeisterung, und auch die Line-Dance-Gruppe zeigte, dass gemeinsames Tanzen keine Frage des Alters ist.
Am Abend übernahm die Liveband Tonholz. Handgemachte Musik brachte bei manchem Besucher Erinnerungen an frühere Zeiten zurück. Danach füllte die Mobildisco das Festzelt erneut – junge und ältere Generationen gemeinsam auf der Tanzfläche.
Der Sonntag begann mit dem Erntedankgottesdienst in unserer festlich geschmückten Kirche.
Dankbarkeit stand dabei im Mittelpunkt – für das, was uns gegeben ist, für Menschen, die füreinander da sind, und für all diejenigen, die unser Dorf mitgestalten.
Auch danach blieb der Tag abwechslungsreich. Die Schalmeien aus Großpösna sorgten für ausgelassene Stimmung. Im Speicher konnten Besucher die Ausstellung der Chronikgruppe erleben, bei Führungen durch das Schloss wurde der Rittersaal gezeigt. Das Interesse war so groß, dass die Schlossführung sogar wiederholt werden musste. Auf dem Festplatz gab es gutes Essen, selbst gebackenen Kuchen und zahlreiche Angebote für Kinder. Die Vorführung an der mobilen Feldschmiede zeigte eindrucksvoll, was mit Hammer, Amboss und viel handwerklichem Können entstehen kann. Am Nachmittag wurden die schönsten und originellsten geschmückten Grundstücke ausgezeichnet. Der besondere Preis für die „Badenixe“ aus Stroh sorgte dabei für besondere Freude.
Auch der Heimatverein hatte noch eine Überraschung vorbereitet: Aus einem alten Server-Schrank war eine kleine Büchertauschzentrale entstanden – ein neues Angebot, das hoffentlich auch nach dem Jubiläum viele Leserinnen und Leser erfreuen wird.
Gegen 17:00 Uhr versammelten sich noch einmal viele Menschen zum gemeinsamen Ballonstart. Auf den Karten hatten Kinder ihre Wünsche für die Zukunft geschrieben.
Viele wünschten sich einen Hund oder einen Welpen. Andere schrieben von Glück, Frieden und ganz persönlichen Hoffnungen. Die Feuerwehr Seelingstädt und Gäste aus dem thüringischen Seelingstädt halfen dabei, die Wunschkarten auf den Weg zu bringen. Vielleicht war dieser Moment mehr als nur ein schöner Abschluss.
Vier Tage lang hatten wir zurückgeblickt auf 775 Jahre Seelingstädt. Wir hatten gemeinsam gefeiert, gelacht, erzählt und Erinnerungen geteilt. Wir hatten erlebt, wie Menschen aus Vereinen, Feuerwehr, Kirche, Kita, Pflegeheim, Schule, Unternehmen und vielen anderen Bereichen gemeinsam etwas Großes auf die Beine stellen können.
Thomas Klomhuß, Heimleiter des Caritas-Altenpflegeheims, hat in seinen Gedanken zum Jubiläum einen Satz formuliert, der vielleicht besonders gut zu diesen vier Tagen passt:
„Heimat entsteht dort, wo Menschen füreinander einstehen.“
Und genau das war während unseres Jubiläums überall zu spüren.
Ein Fest wie dieses entsteht nicht von allein. Hinter den vier Festtagen standen viele Menschen, die geplant, organisiert, aufgebaut, vorbereitet, gekocht, gebacken, aufgeräumt, betreut, gefahren, musiziert und an vielen Stellen einfach dort geholfen haben, wo Hilfe gebraucht wurde. Manche waren sichtbar, andere haben im Hintergrund gewirkt. Viele haben Zeit und Kraft eingebracht, ohne dass ihr Einsatz auf einer Bühne oder in einem Programmheft zu sehen war. Ihnen allen gilt unser herzliches Dankeschön.
Ebenso danken wir allen, die unser Jubiläum durch ihre Unterstützung, ihre Ideen, ihre Sach- oder Geldspenden und durch ihre Teilnahme bereichert haben.
Und natürlich danken wir allen Gästen, die mit uns gefeiert und damit dazu beigetragen haben, dass 775 Jahre Seelingstädt zu einem besonderen Erlebnis für unser Dorf geworden sind.
Gemeinsam anpacken. Gemeinsam feiern. Gemeinsam Heimat leben.
Das ist vielleicht die schönste Erinnerung, die von unserem Jubiläum bleibt.