Am Sonnabend, dem 7. Februar 2026, wurde es in Seelingstädt fachkundig und praktisch zugleich: Der Workshop zum Obstbaumschnitt lockte zahlreiche Interessierte an und war bis auf den letzten Platz ausgebucht. Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der ganzen Umgebung – von Bad Lausick bis Zaschwitz – nutzten die Gelegenheit, sich Wissen rund um Pflege und Erziehung von Obstbäumen anzueignen. Als Referent führte der erfahrene Fachmann Björn Burmeister durch den Tag und beantwortete geduldig und verständlich die vielen Fragen aus der Runde.
Ein herzliches Dankeschön gilt dem SV Seelingstädt e.V., der kurzfristig einen geeigneten Raum für den theoretischen Teil zur Verfügung stellte. Ebenso geht ein großes „leckeres“ Danke an Familie Granzow, die mit einer echten Seelingstädter Gulaschsuppe für die passende Stärkung zur Mittagszeit sorgte. So gestärkt, konnte es am Nachmittag gut vorbereitet hinaus an die frische Luft gehen. Denn was in der Theorie noch recht einfach klingt, bekommt vor dem echten Baum eine ganz neue Bedeutung. Nach einer kompakten Einführung zu Wuchsformen, Schnittregeln und Zielen des Obstbaumschnitts ging es hinaus an die „Alte Altenhainer Straße“. Dort stehen rund 60 neu gepflanzte Obstbäume, darunter etwa zehn sehr junge Exemplare, die erst im November 2025 gesetzt wurden. Für viele überraschend: Gerade diese jungen Bäume benötigen bereits einen fachgerechten Erziehungsschnitt. Nur so entwickeln sie eine stabile Krone, kräftige Leitäste und einen gesunden Aufbau für die kommenden Jahre.
Auch die etwas älteren Bäume, die bislang kaum oder gar nicht geschnitten wurden, boten reichlich Anschauungsmaterial. Gemeinsam mit Referent Burmeister begutachteten die Teilnehmenden die Bäume und diskutierten, welche Äste erhalten bleiben sollten, wo Konkurrenztriebe stören und an welchen Stellen ein Schnitt sinnvoll ist. Dabei fielen viele Fachbegriffe, die für einige neu waren: Stammverlängerung, Leitast, Seitenast oder Fruchtholz. Besonders spannend wurde es bei Ausdrücken wie „Saftwaage“, „Spannungsbogen“ oder dem augenzwinkernd benannten „Unglücksast“. Was zunächst theoretisch klang, wurde direkt am Baum erklärt, gezeigt und anschließend selbst ausprobiert.
Ganz im Sinne eines echten Workshops blieb es nicht beim Zuschauen. Die Gruppe wurde aufgeteilt und erhielt jeweils einen älteren sowie einen neu gepflanzten Obstbaum zum Üben. Schnell entwickelte sich ein lebhafter Austausch: Welche Äste dürfen bleiben? Wo wird geschnitten? Und wie viel ist eigentlich genug? Gemeinsam wurde diskutiert, abgewogen und schließlich zur Astschere gegriffen. Mit viel Fingerspitzengefühl und unter fachkundiger Anleitung wurden die ersten Bäume in Form gebracht. Am Ende des Nachmittags waren fünf Obstbäume so geschnitten, dass sie im Frühjahr mit guten Voraussetzungen in die neue Saison starten können.
Dabei wurde allen deutlich: Der richtige Zeitpunkt für den Erziehungsschnitt ist jetzt im Winter, noch bevor der Austrieb beginnt. Nur so können junge Obstbäume statisch stabil wachsen und ihre Leitäste kräftig ausbilden. Das neu erworbene Wissen soll nun nicht ungenutzt bleiben. Insgesamt warten entlang der Pflanzstrecke noch 55 Bäume auf ihren Schnitt. Für das engagierte Team „Pfad und Krone“ ist das bis zum Austrieb allein kaum zu schaffen. Daher richtet sich ein offener Aufruf an alle Interessierten aus Seelingstädt und den umliegenden Gemeinden: Wer Lust hat, mit anzupacken und dabei weiter dazuzulernen, ist herzlich willkommen. Jede helfende Hand zählt. Die Bäume werden es mit Gesundheit, Vitalität und reicher Ernte danken und zugleich entsteht etwas Bleibendes für kommende Generationen. Denn gepflegte Obstbäume prägen nicht nur das Landschaftsbild, sondern sind auch ein Zeichen für gelebte Gemeinschaft und Verantwortung für die Natur.
Wer sich beteiligen möchte, kann sich bei Herrn Eickers unter 0163-7432778 (Anruf oder WhatsApp) melden. Gemeinsam lässt sich viel bewegen – für eine lebendige Kulturlandschaft rund um Seelingstädt und darüber hinaus.
Grünes Licht im Speicher – Ein gelungener Auftakt des Kräuterstammtisches
Manchmal braucht es gar nicht viel, um Menschen zusammenzubringen: ein Raum mit Geschichte, ein gemeinsames Interesse und die Freude an dem, was direkt vor unserer Haustür wächst.
Am 23. Februar 2026 fand im Speicher in Seelingstädt der erste Kräuterstammtisch mit
Kräuterfachfrau Verena Arendes statt. Der Abend war gut besucht, die Atmosphäre offen und herzlich. Viele der Teilnehmenden zeigten sich begeistert vom besonderen Ambiente des Speichers und von der Idee, hier regelmäßig zusammenzukommen. Im Mittelpunkt stand das Thema Bärlauch: Wie erkennt man ihn sicher? Woran unterscheidet er sich von seinen giftigen Doppelgängern? Welche Möglichkeiten gibt es, ihn in der Küche zu verwenden? Ebenso spannend war der Blick auf die unscheinbaren Haselkätzchen, die nicht nur den
Frühling ankündigen, sondern auch kulinarisch genutzt werden können.
Ein weiterer Impuls des Abends war die Vorstellung des Buches „Grünes Wasser“ von Doris
Grappendorf. Die Idee dahinter: frische grüne Blätter mit Wasser zu pürieren, abzusieben und so die geballte Pflanzenkraft in leichter Form zu genießen. Grün – so die Botschaft des Abends – ist mehr als nur eine Farbe. Es steht für Lebendigkeit, für gespeichertes Sonnenlicht, für neue Energie.
Passend dazu wurde ein Zitat von Hildegard von Bingen aufgegriffen:
„Es gibt eine Kraft aus der Ewigkeit – und diese Kraft ist grün.“
Besonders schön war der gemeinschaftliche Teil des Abends. Jede und jeder brachte etwas
Selbstgemachtes aus der eigenen Küche mit. Es wurde probiert, erzählt, gelacht und gefragt. Der Kräuterstammtisch war damit weit mehr als eine Informationsveranstaltung, er wurde zu einem Ort des Austausches und der Begegnung. Gerade in einer Zeit, in der vieles schnelllebig ist, tut es gut, sich gemeinsam auf das Einfache zu besinnen: auf das, was wächst, auf das, was stärkt, und auf das, was Menschen miteinander verbindet.
Der gelungene Auftakt macht Lust auf mehr. Der nächste Termin im März steht bereits fest und die Vorfreude ist spürbar.
Frühlingserwachen im Speicher – Zweiter Kräuterstammtisch in Seelingstädt
Mit dem März hält der Frühling langsam Einzug in unserer Region. Die Tage werden länger, die Sonne gewinnt an Kraft und in Wiesen, Gärten und an Wegrändern zeigt sich das erste frische Grün. Genau diese Zeit des Aufbruchs steht im Mittelpunkt des zweiten Kräuterstammtisches im Speicher Seelingstädt, zu dem Kräuterfachfrau Verena Arendes am Montag, 23. März 2026 um 18:00 Uhr einlädt.
Unter dem Thema „Frühlingserwachen“ widmet sich der Abend den jungen Wildpflanzen, die jetzt besonders wertvoll sind. Nach den Wintermonaten sehnen sich viele Menschen nach neuer Energie und die Natur hält dafür eine erstaunliche Vielfalt bereit. Frische Triebe von Löwenzahn, Gänseblümchen, Brennnessel oder Vogelmiere gelten seit jeher als stärkend und vitalisierend. Beim Kräuterstammtisch erfahren die Teilnehmenden, welche Pflanzen im zeitigen Frühjahr zu finden sind, welche Eigenschaften ihnen zugeschrieben werden und wie sie traditionell in eine sanfte Frühjahrskur eingebunden werden können.
Der Abend richtet sich sowohl an Interessierte mit ersten Vorkenntnissen als auch an Menschen, die sich intensiver mit Wildkräutern beschäftigen möchten. In ruhiger Runde ist Zeit für Fragen, Austausch und gemeinsames Lernen. Ziel des Stammtisches ist es, Wissen verständlich zu vermitteln und die Aufmerksamkeit für die heimische Pflanzenwelt zu schärfen. Ein praktischer Schwerpunkt des Treffens ist die Vorstellung eines Oxymels. Dieses seit der Antike bekannte Kräutergetränk aus Honig und Essig wird traditionell vielseitig genutzt und geschätzt. Verena Arendes erläutert die Grundlagen der Herstellung und die möglichen Anwendungen im Alltag. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, ein eigenes Oxymel anzusetzen. Dafür wird gebeten, ein kleines Glas mitzubringen.
Der Kräuterstammtisch findet im Speicher Seelingstädt, Schmiedegasse 8, statt. Die Teilnehmerzahl ist bewusst auf 15 Personen begrenzt, um eine persönliche Atmosphäre zu ermöglichen. Eine vorherige Anmeldung ist daher erforderlich.
Anmeldung: 0176 - 47300382 auch per WhatsApp möglich
Unkostenbeitrag: 10,00 EUR
Mit dem neuen Kräuterstammtisch entsteht im Speicher ein Ort für Naturinteressierte, an dem Wissen weitergegeben, Erfahrungen geteilt und die kleinen Wunder am Wegesrand neu entdeckt werden können. Der Märztermin lädt dazu ein, den Frühling bewusst zu begrüßen mit offenen Augen, wachen Sinnen und einem Hauch von Kräuterduft.
Seelingstädt feiert 775 Jahre – und eine starke Gruppe wächst weiter
Vom 3. bis 6. September 2026 wird Seelingstädt sein 775-jähriges Jubiläum feiern. Vier Tage, die zeigen sollen, wie lebendig unser Dorf ist und was entstehen kann, wenn viele Menschen gemeinsam an einem Strang ziehen. Damit dieses Fest nicht nur eine Idee bleibt, sondern ein echtes Erlebnis für Einwohner und Gäste wird, gibt es seit Januar 2025 eine eigene Arbeitsgruppe. Initiiert wurde sie von Heike Rimms und schnell fanden sich rund 30 engagierte Mitstreiterinnen und Mitstreiter. Von Anfang an war klar: So ein Jubiläum organisiert sich nicht nebenbei. Es braucht viele Köpfe, viele Hände und vor allem Menschen, die bereit sind, Zeit und Energie einzubringen. In den ersten Treffen ging es um Ideen: Was passt zu Seelingstädt? Wen können wir einbeziehen? Vereine, Kita, Kirche, Caritas, Einzelpersonen – möglichst viele sollten mitgenommen werden.
Rasch entstand ein fester Kern, der mit Vorschlägen und Tatkraft ein Programm für vier Tage auf die Beine stellte. Mit jedem Treffen wurde das Bild klarer: Musik, Begegnungen, Aktionen für Kinder und Erwachsene, Bewährtes und Neues. Inzwischen ist die Planung weit fortgeschritten. 2026 steht ganz im Zeichen der Feinabstimmung. Zeiten werden festgelegt, Abläufe koordiniert, Künstler und Anbieter eingebunden, Fragen zu Versorgung, Technik und Parkplätzen geklärt. Was nach außen hin manchmal leicht wirkt, ist hinter den Kulissen ein echtes Organisationsprojekt. Neben den Treffen laufen zahlreiche Absprachen mit
Musikern, Caterern, Schaustellern und der Stadt Trebsen. Auch Proben für einzelne Programmpunkte gehören dazu.
Allen Beteiligten ist bewusst: Dieses Jubiläum soll ein Fest werden, das noch lange in Erinnerung bleibt – für Einwohner und Gäste gleichermaßen.
Und noch ein Gedanke hat sich in den vergangenen Wochen entwickelt:
Die Zusammenarbeit in der Gruppe funktioniert so gut, dass es schade wäre, dieses eingespielte Team nach dem Jubiläum einfach wieder aufzulösen. Im Gespräch ist daher, die Gruppe auch künftig als offene Organisationsrunde für größere Veranstaltungen im Ort weiterzuführen etwa für Dorffeste oder andere gemeinsame Projekte. Die Erfahrungen, Ideen und Kontakte aus der Jubiläumsvorbereitung wären damit nicht nur einmalig, sondern eine gute Grundlage für kommende Jahre.
Damit das Jubiläumsfest gelingt, werden für die Festtage selbst noch helfende Hände gebraucht. Gesucht werden Menschen, die am Freitag, 4. September, am Sonnabend, 5. September, und am Sonntag, 6. September 2026 stundenweise unterstützen – etwa beim Getränkeausschank, am Grill, am Backofen oder an den Eintrittskassen. Niemand muss sich dauerhaft verpflichten; oft reicht schon eine überschaubare Schicht, um das große Ganze zu tragen.
Wer sich vorstellen kann zu helfen, kann sich gern melden bei:
Heike Rimms – 0157 35208108
Karla Müller – 0162 3271810
Heinrich Eickers – 0163 7432778
(alle auch per WhatsApp erreichbar)
Das Jubiläum im September wird ein besonderer Moment für Seelingstädt.
Und vielleicht ist es zugleich der Anfang einer noch engeren Zusammenarbeit für kommende Feste und Begegnungen im Ort. Denn am Ende lebt ein Dorf von den Menschen, die bereit sind, sich einzubringen – mal mit viel Zeit, mal mit einer kleinen Schicht, aber immer mit Herz.
Wenn Brot verbindet – Der erste offene Backtag im Speicher
Es gibt Tage, die beginnen mit einem Plan und enden mit dem Gefühl, etwas Wertvolles geschaffen zu haben. Der 28. Februar 2026 war so ein Tag. Der 1. offene Backtag im Speicherbackhaus Seelingstädt war ursprünglich schnell organisiert. Ein Termin, ein angeheizter Ofen, ein paar Tische im Speicher. Doch wie so oft im Dorfleben entscheidet nicht die Planung über den Erfolg, sondern die Menschen. Und die kamen.
Schon früh wurde der Holzbackofen langsam auf Temperatur gebracht. 220 Grad sollten es gleichmäßig im Backraum sein, damit jedes Brot die gleiche Chance bekommt, goldbraun und knusprig zu werden. Während das Feuer ruhig arbeitete, arbeitete auch die Frage im Hintergrund: Wie viele kommen? Reicht es? Ist es zu viel?
Dann kam der Frühling – mitten im Februar. Statt Winterkälte schenkte uns der Tag frühlingshafte Temperaturen. Kurzerhand wurden Tische und Bänke vor dem Ofen auf der Wiese aufgebaut. Eine spontane Entscheidung, die sich als Glücksgriff erwies. Ab 15 Uhr trafen die ersten Backfreunde ein. Schwatzend, neugierig, mit Schüsseln, Teigen und guter Laune im Gepäck. Schnell waren alle Plätze besetzt, zusätzliche Tische mussten her. Genau so soll ein „offener“ Backtag sein: nicht kalkulierbar, sondern lebendig. Den Auftakt machte Elsässer Flammkuchen – dünn ausgerollt, knusprig gebacken, herzhaft belegt.
Ein Traditionsgericht, das einst diente, die Ofentemperatur zu prüfen, bevor das Brot eingeschoben wurde. Und auch in Seelingstädt war er der perfekte Einstieg. Dann wurde es ernst – im besten Sinne.
Teiglinge verschwanden im Ofen. Minuten später zog dieser Duft durch die Luft, der mehr ist als nur Geruch. Es ist Erinnerung. Es ist Kindheit. Es ist Landbäckerei. Es ist Geduld. Als die ersten Brote aus dem Ofen gezogen wurden, ging ein leises Raunen durch die Runde. Goldbraune Krusten, noch knackend vom Ofen. Warm aufgeschnitten. Mit liebevoll vorbereiteten Aufstrichen bestrichen, die Gäste für alle mitgebracht hatten. Hier wurde nicht verkauft – hier wurde geteilt. Und genau das war die Idee.
Es ging nicht um Umsatz, nicht um Perfektion, sondern um Gemeinschaft. Um Gespräche zwischen Generationen. Um das zufällige Dazusetzen von Vorbeikommenden, die neugierig wurden und blieben. Um diesen besonderen Moment, wenn Menschen merken: Das hier ist gut. Das tut uns als Dorf gut. Am Ende packten alle mit an. Tische wurden geräumt, Geschirr gespült, der Platz wieder in Ordnung gebracht. Ein besonderes Dankeschön gilt Rolf Galle, der ohne großes Aufheben von der Vorbereitung bis zum letzten Handgriff beim Aufräumen unermüdlich unterstützte. Für den Organisator bleibt vor allem eines: Dankbarkeit.
Dass die Idee angenommen wurde. Dass aus einem geplanten Termin ein lebendiger Treffpunkt wurde. Der nächste Brotbacktag im April ist bereits in Planung. Und eines ist sicher: Der Duft von frischem Brot wird wieder Menschen zusammenbringen.