Kann zuhören und erklären: Martin Heusler im Gespräch mit Laura Doyé von der Spreeakademie
Das Interesse an Bürgerenergie in Vetschau wächst. Das zeigt sich im ProjektMachMaWatt bei den regelmäßigen Treffen der AG Bürgerenergie in den Räumen der Spreeakademie. Auch beim fünften Termin im Dezember war das Interesse groß: Für die rund 15 Teilnehmenden aus Vetschau und Calau mussten zusätzliche Stühle bereitgestellt werden.
Nach einem kurzen Impuls der Spreeakademie zum Thema Datenschutz und
Datensicherheit arbeitete die Gruppe an inhaltlichen Grundlagen für die weitere Entwicklung. Im Mittelpunkt standen ein erster Entwurf für die Satzung sowie konkrete Überlegungen zu Photovoltaik-Anlagen auf kommunalen Dächern in Vetschau und Calau. Mit jedem Treffen wird klarer, dass die Gründung einer neuen Bürgerenergiegenossenschaft für die Region bevorsteht. Ein Name ist bereits gefunden: Bürgerenergie Oberspreewald-Lausitz. Ziel ist es, den Ausbau der Erneuerbaren Energien künftig gemeinsam und regional verankert zu gestalten.
Einen wichtigen Beitrag zur aktuellen Diskussion liefert Martin Heusler, CDU- Landratskandidat im Landkreis Spree-Neiße. Als Leiter Weiterbildung bei der LEAG und Mitinitiator des Qualifizierungsverbunds QLEE bringt er Perspektiven aus der Praxis der Energiewende in der Lausitz ein. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, welche Chancen Bürgerenergie für Beteiligung, Akzeptanz und regionale Entwicklung eröffnet und welche Rolle sie für den Strukturwandel in unserer Region spielen kann:
Welche Rolle könnte Bürgerenergie in fünf bis zehn Jahren in der Lausitz für Energieversorgung, Wertschöpfung und Akzeptanz der Energiewende spielen?
Wir sind eine Energieregion, die sich wandeln muss. Aber es wird eine Energieregion bleiben. Wir haben in der Lausitz die Flächen und die gut ausgebildeten Fachkräfte.
Aber die Menschen in der Lausitz wollen ihre Heimat selbst gestalten und sie wollen bestimmen können, wo das Windrad oder der Solarpark steht. Mir sagen die Menschen oft: „Ein Windrad ist halb so schlimm, wie das, was wir in den letzten Jahrzehnten erfahren haben.“ Der Widerstand hat mit dem Solar- und dem Windeuro und wenn Haushalte direkt beteiligt werden, abgenommen. Mit einer Bürgerenergiegenossenschaft ist das Ganze noch besser skalierbar.
Was wäre ein geeigneter Hebel, damit die Wertschöpfung in der Lausitz bleibt?
Wir wissen, dass ein Industriearbeitsplatz rund 2,5 weitere Arbeitsplätze sichert. Darum sollten wir versuchen, die gesamte Wertschöpfungskette in die Region zu bekommen. Das würde auch die Produktion von Anlagen zur Energiegewinnung bedeuten. Das könnte mit einem Resilienzbonus funktionieren, der regionale Firmen stärkt.
Welche typischen Einwände oder Konflikte begegnen Ihnen vor Ort?
Seitdem es die finanzielle Beteiligung gibt, sind die Einwände deutlich weniger. Es gibt viele sinnvolle Einwände. Manche sind absurd und von Falschinformationen gefüttert: Als Gemeindevertreter hatte ich zum Beispiel die Anfrage, wie es denn mit dem Schlagschatten bei einer Solaranlage aussieht.
Über berechtigte Einwände müssen wir sprechen und sie ernst nehmen. Wenn zum Beispiel die Reflexion von Solarpaneelen das Gebäude eines Nachbarn beeinträchtigt, muss der Projektentwickler reagieren und sich mit den Betroffenen im Detail einigen.
Sie haben Interesse an Bürgerenergie?
Wer sich für eine dezentrale Energiewende interessiert, ist herzlich eingeladen, sich der Arbeitsgruppe Bürgerenergie Oberspreewald-Lausitz anzuschließen. Vorkenntnisse sind nicht notwendig. Entscheidend ist die Lust, gemeinsam etwas für die Region zu bewegen.
Nächste Treffen der AG Bürgerenergie:
| Donnerstag, 15. Januar 2026, 17–19 Uhr und Montag, 9. Februar 2026, 17–19 Uhr |
| Spreeakademie, Wilhelm-Pieck-Str. 30, Vetschau |
| Anmeldung über spreeakademie.de/mach-ma-watt |
Kommen Sie gern vorbei und bringen Sie Ihre Fragen, Ideen oder einfach nur Neugier mit!
Diese Veranstaltungen sind Teil des Projekts „MachMaWatt!“. Die SPREEAKADEMIE begleitet den Prozess im Auftrag der BTU Cottbus-Senftenberg. „MachMaWatt!“ unterstützt Bürgerinnen und Bürger, eigene Projekte zur Bürgerenergie zu starten. Neben dem gemeinsamen Arbeiten steht der praktische Wissensaustausch im Mittelpunkt. Die Veranstaltung ist kostenlos und richtet sich an alle, die in Vetschau oder der Region leben und Interesse an einer aktiven Mitgestaltung der lokalen Energiewende haben.
Jetzt mitdenken für eine Bürgerenergie von hier, für hier. Anmeldung bitte per E-Mail an anmeldung@spreeakademie.de, telefonisch unter 035433 538778 oder über unsere Internetseite spreeakademie.de. Mehr über das Projekt erfahren Sie unter spreeakademie.de/machmawatt