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Vetschauer Mitteilungsblatt - Neue Vetschauer Nachrichten (Amtsblatt)
Ausgabe 2/2026
Vereine und Verbände
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70 Jahre Musikverein Vetschau e.V. (Teil 2)

Ein neues Domizil bringt neue Aufgaben und Herausforderungen 1970 – 1989

Die 1970er Jahre begannen für das Orchester sehr aufregend. Weiterer Zuwachs durch neue Musiker und Musikerinnen und noch so einige neue Aufgaben und Ereignisse sollten dem Orchester bevorstehen.

Da die Kraftwerke Lübbenau – Vetschau die Trägerschaft des Klangkörpers übernommen hatten, zog das Orchester, wie bereits erwähnt, nach Vetschau um. Trotz des Umzugs war das Orchester weiterhin im damaligen Bezirk Cottbus und Kreis Calau sehr gefragt. Sie gestalteten zahlreiche Jugendweihen, traten im „Haus der Gewerkschaften“ in Calau zu Festveranstaltungen anlässlich des Jahrestages der Befreiung auf und musizierten zu Sportfesten im Lübbenauer Stadion. Zu den Auftritten durfte allerdings nicht jeder mitfahren. Es mussten bestimmte Leistungen erbracht werden und jeder war bemüht so gut zu sein, um an den Auftritten teilnehmen zu können.

Weitere musikalische Höhepunkte für das Orchester waren das VI. Pioniertreffen 1970 in Cottbus, das Festival der Freundschaft zwischen der Jugend der UdSSR und der DDR in Dresden, sowie die große Musikparade zum Abschluss des neunten Parlaments der FDJ 1971.

Im August 1973 stand für den Klangkörper ein ganz besonderes Ereignis an. Die Instrumentalisten durften bei der großen Musikshow im Rahmen der X. Weltfestspiele der Jugend und Studenten in Berlin mitwirken. Die Begegnung mit den anderen Musikern und Musikerinnen, sowie die intensive Probenarbeit hinterließen bleibende Eindrücke. Die Teilnahme trug zur persönlichen und musikalischen Weiterentwicklung des Orchesters und seiner Mitglieder bei.

Ein weiteres Highlight im Jahr 1973 war der 24. Jahrestag des Arbeiter- und Bauern – Staates und der 20. Jahrestag der Kampfgruppen der Arbeiterklasse. Diese Festlichkeit durfte das FDJ- und Pionierblasorchester „Erich Weinert“ mit der Nationalhymne der DDR im „Haus der Gewerkschaften“ Calau eröffnen. Außerdem fand im selben Jahr das internationale Sommerlager „M.I. Kalinin“ am Frauensee statt. Im Oktober 1974 wurde der Klangkörper zudem mit dem Staatstitel „Hervorragendes Volkskunstkollektiv“ ausgezeichnet.

Am 1. November 1975 feierte das Orchester sein 19 – jähriges Bestehen im Kulturhaus Vetschau. Dieses Festkonzert brachte erste Einblicke in das stetig wachsende Repertoire des Klangkörpers. So erklangen unter anderem die Ouvertüre „La Paix“ oder das Menuett der „Feuerwerksmusik“ von Georg Friedrich Händel.

Für die Veranstaltungen des ZMK standen meist 2 Busse zur Verfügung, da das Orchester zahlenmäßig sehr stark vertreten war. Der Klangkörper war grundsätzlich viel an der Mitwirkung bei verschiedenen Auftritten des ZMK beteiligt. So nahmen sie zum Beispiel 1979 an der Musikschau anlässlich des nationalen Jugendfestivals in Berlin oder 1982 am 7. Pioniertreffen in Dresden teil.

1978 ging das Orchester eine Partnerschaft mit dem Orchester von Brezova ein und nicht nur dieses Ereignis, sondern auch der Freundschaftszug, eine Reise mit anderen Klangkörpern des ZMK nach Ungarn, war ein Höhepunkt des Jahres.

Viele Musiker und Musikerinnen waren ebenfalls im Auswahlorchester (AWO) des ZMK. So auch Harald Hoffmann, welcher laut eigenen Angaben noch heute gerne in Erinnerungen der Konzertreisen nach Algerien und Moskau schwelgt.

Mit den Jahren wurde der Zuspruch, ein Instrument zu lernen, immer größer, denn man bezahlte für das Instrument und die Ausbildung bei einem Musiklehrer nur 25 Mark im Jahr. Aufgrund der Tatsache, dass somit immer mehr Musiker und Musikerinnen dazu kamen, wurde der Probenraum im Keller der 3. Polytechnischen Oberschule „Hermann Matern“ schnell zu klein. Da allerdings die Kirchschule (Teil der 1. Polytechnischen Oberschule „Dr. Albert Schweitzer“) nicht mehr für den Unterricht der ersten und zweiten Klassen benötigt wurde, beantragte Herbert Mothes den Ausbau für ein neues Domizil des Orchesters. Dem Antrag wurde trotz mancher Widrigkeiten stattgegeben und das Gebäude wurde nun das „Haus der Musik“. Das „Haus der Musik“, welches unter den Musikern „HdM“ genannt wird, ist das Haus am Kirchplatz. Dieses wurde einst als Schule erbaut und hat 1945 vorrübergehend als Feierabendheim gedient. Anschließend wurde das Gebäude wieder als Unterrichtsstätte genutzt. Ab 1981 war das „HdM“ dann ganz offiziell das Domizil des Orchesters. Das Gebäude bot ausreichend Platz für einen Probensaal, ein Büro, ein Lager, 5 Unterrichtsräume für die Musiklehrer, mehrere Bekleidungsräume, sowie Instrumenten-, Pionier- und Beratungsräume.

Besonders wichtig in dem Gebäude waren das Direktionszimmer und das Notenarchiv. Das „Haus der Musik“ war und ist für viele Musiker ein Zufluchtsort und ein „zweites“ Zuhause. Durch den Umzug und die bessere Arbeitsumgebung konnte der Klangkörper nun auf einer qualitativ höheren Stufe arbeiten. Mit dem neuen Domizil fand sich auch ein neuer Probenplan ein. Probenarbeit heißt manchmal nämlich nicht nur Spaß und Freude, sondern auch stundenlanges Stillsitzen, äußerste Konzentration und körperliche Anstrengung.

Zur damaligen Zeit sah also ein Tag im „HdM“ meist folgendermaßen aus. Um 14:00 Uhr fand der Einzelunterricht bei den Lehrern vom Theater Cottbus, Petra Mothes, Peter Ettelt und Herbert Mothes statt. Dort erlernten die jungen Musiker und Musikerinnen Grifftechniken, richtiges Atmen, korrekte Haltung und die Einhaltung von Tempi. 15:30 Uhr bis 16:30 Uhr probte das „kleine Orchester“ (32 Anfänger) unter der Leitung von Petra Mothes. Um 17:00 Uhr kam dann das „große Orchester“ mit ca. 70 Mitgliedern zusammen. Dort leitete vorrangig Herbert Mothes die Proben. Es war aber nicht unüblich, dass er den Taktstock auch mal an einen der Musiker abgab. 18:00 Uhr fand dann meist die erste Pause statt. Danach ging es im „großen Orchester“ weiter, bei dem diesmal allerdings Peter Ettelt das Dirigat übernahm. Nach einer weiteren anstrengenden Stunde war der Tag dann um 19:30 Uhr beendet.

Nicht nur die neue Wirkungsstätte des Orchesters war 1981 ein Thema, auch die 25 Jahre Bestehen spielten eine große Rolle. In diesen 25 Jahre Bestehen erhielten sie unter anderem die Arthur-Becker-Medaille in Gold, den Carl – Blechen Preis des Bezirkes Cottbus und zwei Mal den Titel „Ausgezeichnetes Volkskunstkollektiv der DDR“. Die darauffolgenden Jahre waren ereignisreich und sehr wertvoll für die jungen Musiker. Es fanden zahlreiche Auftritte zu den verschiedensten Anlässen statt. Doch 1988 wurde die gute Stimmung des Orchesters durch einen schweren Schicksalsschlag getrübt. Im September 1988 verstarb der Gründer Herbert Mothes.

Es war fraglich, wie es nun weitergehen sollte. Doch allen Musikern und Musikerinnen war klar, dass das Orchester auf keinen Fall zum Erliegen kommen sollte. So kam es dazu, dass Peter Ettelt der neue Dirigent des Klangkörpers wurde. Herbert Mothes hatte Peter Ettelt zu seinen Lebzeiten stetig gefördert und sein musikalisches Talent früh erkannt und gewürdigt. Mit Peter an der Spitze veränderte sich einiges im Orchester. Er verstand es, die Musiker zu Höchstleistungen zu beflügeln und trotzdem die Freude an der Musik weiterleben zu lassen. Dadurch steigerte sich die künstlerische Qualität des Orchesters deutlich. Das stetig wachsende Orchester begann sich dem jeweiligen Publikum durch die große Breite des Repertoires anzupassen.

In den nächsten Jahren sollte sich das FDJ- und Pionierblasorchester „Erich Weinert“ nicht nur durch den neuen Dirigenten, sondern auch durch gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen weiterentwickeln.

Lea Fraedrich
Musikverein Vetschau e.V.