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Vetschauer Mitteilungsblatt - Neue Vetschauer Nachrichten (Amtsblatt)
Ausgabe 3/2026
Vereine und Verbände
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70 Jahre Musikverein Vetschau e.V. (Teil 3)

Taktstockwechsel – neue Ideen und Erfahrungen 1990 – 2009

Aufgrund des gesellschaftspolitischen Wandels und der einhergehenden Demokratie wurde die Trägerschaft der VEB Kraftwerke Lübbenau – Vetschau für das Pionierblasorchester gelöst. Der Wegfall der Trägerschaft und die neue Gesellschaftsstruktur forderten nun die Eigenständigkeit des Klangkörpers. Der 02. November 1990 war zugleich das Ende des Pionierblasorchesters und der Anfang des Musikverein Vetschau e.V.

Einhergehend mit der Gründung des Musikvereins war ebenfalls dessen Mitgliedschaft im Landesblasmusikverband Brandenburg. In der Gründungsversammlung am 02. November 1990 wurde der Vorsitz des Vereins an Peter Ettelt und die Stellvertretung an Harald Hoffmann übergeben.

Trotz der Namensänderung stand der Klangkörper weiterhin im Dienst der Bewahrung, Pflege und Förderung der Volkskunst auf dem Gebiet der Blasmusik. Doch neben der Musik mussten nun auch die „Regeln der Demokratie“ beachtet werden. Es wurde schnell klar, dass nicht nur ein Vorsitz und eine Stellvertretung nötig waren. Eine gesamte Satzung musste zusammengestellt werden. So sollte es also einen Beisitzer, einen Schriftführer, einen Schatzmeister und Kassenwarte geben.

Neben nun ungefähr 60 aktiven Mitgliedern, gab es auch fördernde Mitglieder, die den Musikverein in finanzieller, aber auch in organisatorischer Sicht unterstützen.

Trotz der neuen Findungsphase ließen es sich die Musiker nicht nehmen, ihr 34. Bestehen zu feiern. Bei dem Festkonzert stellte der Musikverein die anspruchsvolle Musik seines Repertoires dar. So erklungen unter anderem Melodien von Gershwin oder Andrew Lloyd Webber.

Das Orchester hatte in den Jahren um 1990 ca. 70 – 75 aktive Mitglieder von denen 60 – 65 auftrittsfähig waren. Peter Ettelt bestätigte damals, dass das Orchester damit voll einsatzfähig war, denn die Musiker waren sich einig, dass sie das vorhandene Leistungsniveau des besten Klangkörpers im Lande halten bzw. auch steigern wollten.

1991 standen einige aufregende Auftritte und Ereignisse auf dem Plan. Im Mai fand zum Beispiel eine Reise zum internationalen Blasmusikfestival nach Barcelona statt. Außerdem spielten die Musiker auf dem Frühlingsfest in Vetschau und gaben am 31. Mai 1991 ein Open-Air Konzert auf der Freilichtbühne am Vetschauer Sportplatz. Die Instrumentalisten hatten es sich zur Aufgabe gemacht, das gesellschaftliche Leben der Stadt zu aktivieren und zu fördern. Ebenfalls 1991 feiert der Musikverein seinen Geburtstag. 35 Jahre Bestehen und es gab ein Festkonzert, welches Melodien aller Genres - von Polka bis hin zu Westside Story - erklingen ließ. Das Programm und die große Bandbreite des Repertoires zeigten wiederholt das hohe künstlerische Niveau des Klangkörpers. Im selben Jahr wurden in NRW erste partnerschaftliche Kontakte zur Privat-Musikkapelle Scherpenseel 06 e.V. aus Übach-Palenberg geschlossen.

Die Urlaubs- und Konzertreise 1991 nach Spanien war ein Wendepunkt im Orchester, um das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken. Dies war eine der ersten großen Reisen nach dem Umbruch in Deutschland.

1991 war ein ereignisreiches Jahr und dank der Qualifikation für den 3. Deutschen Orchesterwettbewerb durch den ersten Preis des Landesblasorchesterwettbewerbs Brandenburg, sollte auch 1992 ein aufregendes Jahr werden. Die Musiker, die diese Zeit und diese Ereignisse miterlebt hatten, beschreiben sie als ein Stück gewonnener Freiheit. Sie haben Dinge erlebt, von denen ihre Mitschüler keine Vorstellung hatten.

In den Jahren bis 1995 wuchs das Orchester stetig weiter. So verzeichnete es um 1992/1993 rund 90 Mitglieder. Dieses Wachstum war vor allem auf den Generationswechsel zurückzuführen. Viele der neuen Musiker waren gerade einmal 20 Jahre jung und brachten somit frischen Wind in den Klangkörper. Mit dem Generationswechsel vollzog sich auch eine Entwicklung und Veränderung des Repertoires. So kamen Stücke hinzu, welche in der klassischen Blasmusik nicht allzu geläufig waren. Dazu gehörten unter anderem Melodien aus Filmmusiken, aber auch Medleys von bekannten Interpreten wie den Beatles.

Schnell wurde allerdings klar, dass aufgrund der Vielfältigkeit der Aufgaben die musikalische Leitung und die Vereinsarbeit zu trennen waren. So übernahm Prof. Dr. Martin Neumann 1995 den Vorsitz des Musikverein, während Peter Ettelt sich weiterhin um die musikalische Arbeit kümmerte.

1993 wurde das „Haus der Musik“ für den Musikverein saniert, daher probte der Klangkörper bis 1995 im Anbau des Vetschauer Gymnasiums. Dort fanden auch die Vorbereitungen für das Festwochenende anlässlich des 40. Jahrestages des Musikvereins statt. Am 15. Juni 1996 besuchten ca. 500 Zuhörer dieses Festwochenende, welches im Zeichen der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft stand. Das traditionelle Festkonzert des Musikvereins am Abend beinhaltete eine bunte Mischung aus bekannten Stücken und traditionellen Werken. Außerdem waren Titel zu hören, welche viele der Mitglieder und auch die Zuhörer bereits unter der Leitung von Herbert Mothes gespielt und gehört hatten. Das zweieinhalbstündige Konzert zeigte die großartige Entwicklung des Orchesters.

Im September desselben Jahres fand das erste Spreewälder Blasmusikfest statt. Der Musikverein war hierbei für die Ausrichtung und Organisation verantwortlich. Es reisten anlässlich dieses Festes 7 Blasorchester nach Vetschau, um ihr musikalisches Können 30 Minuten lang vor einer dreiköpfigen Jury und den Besuchern zu beweisen. Der Musikverein Vetschau ging dabei als Sieger hervor.

In den Jahren nach 1998 schrumpfte die Zahl der 60 spielfähigen Musiker auf gerade mal 35 Instrumentalisten. Die vorrangigen Gründe dafür waren sowohl die Arbeit als auch die Ausbildung der Musiker.

In den Jahren bis 2000 entwickelte sich das Repertoire des Musikvereins rasant. Es reichte von traditioneller Blasmusik bis hin zu anspruchsvollen sinfonischen Werken. Durch verschiedene Auftritte gewann das Orchester sowohl internationale als auch nationale Anerkennung.

2006 feierte das Orchester sein 50-jähriges Bestehen. Das Festkonzert fand in der Wendischen Kirche in Vetschau statt. Die Amboss-Polka sollte an die Anfangszeit erinnern. Außerdem erklangen sowohl Medleys aus der Musikschau als auch russische Melodien. Seine große Bandbreite bewies das Orchester unter anderem mit Kompositionen des regionalen Komponisten Hans Hütten.

Die Jahre nach 2006 hielten neue Hindernisse für den Klangkörper bereit. So war es schwierig, neue und junge Musiker ins Orchester zu integrieren, denn die Kreismusikschule OSL mit ihrem Standort in Vetschau reduzierte ihre musikpädagogischen Angebote. Zudem hatte auch die Schließung des örtlichen Gymnasiums Auswirkungen auf das Wachstum des Klangkörpers. Trotz allen Widrigkeiten entwickelte sich unter der Leitung Peter Ettelts eine neue Tradition, die alljährlichen Neujahrskonzerte, welche bis heute weitergeführt wird.

Peter Ettelt war nicht nur musikalischer Leiter. Er war auch leidenschaftlicher Musiker und guter Freund der Mitglieder des Musikvereins. Umso schwerer war der Einschnitt als Peter Ettelt 2009 unerwartet und viel zu früh verstarb. Es bestand eine enge Bindung zwischen ihm und den Musikern und deshalb waren sich die Musiker einig, dass seine Liebe zur Musik im Orchester weiterleben sollte.

Lea Fraedrich
Musikverein Vetschau e.V.