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Vetschauer Mitteilungsblatt - Neue Vetschauer Nachrichten (Amtsblatt)
Ausgabe 4/2026
Informationen des Bürgermeisters
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Lesen im Wandel der Zeit – 135 Jahre Bibliotheksgeschichte in Vetschau

… keinesfalls verstaubt, auch wenn viele Jahrzehnte schon im Dienst der Leser …

 

Im Jahr 1891 wurde mit der Gründung des Volksbildungsvereins auch die Bücherei ins Leben gerufen. Ziel des jungen Vereins war es, die Vetschauer Bevölkerung stärker an Kultur und Bildung heranzuführen. Unter der Leitung des Rektors Isaak organisierte der Verein „Unterhaltungsabende mit musikalischen und belehrenden Vorträgen".

Aus Archivunterlagen geht hervor:

„Dieser Verein hat es sich u. a. zur Aufgabe gestellt, eine Volksbücherei zu gründen und zu unterhalten."

Bereits zur Gründung umfasste der Bestand 600 Bände. Die Bücherei wurde stark genutzt, eine stetige Erweiterung war angestrebt. Besonders für die stark wachsende Fabrikbevölkerung sollte geeigneter Lesestoff in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen. 1899 wurde sogar eine staatliche Unterstützung angeregt.

1904 übernahm Lehrer Rudolf Schulz die Verantwortung für die Bücherei. Der Bestand wuchs kontinuierlich:

Auch während des Ersten Weltkrieges umfasste der Buchbestand bereits 1.500 Bände und die Arbeit des Vereins ruhte nicht. Der Volksbildungsverein rief dazu auf:

„Sammelt Lesestoff und sendet ihn ins Feld."

Der Bestand wuchs auf rund 2.000 Bände. Neben der Ausleihe fanden weiterhin Vortrags- und Theaterabende statt.

Die Inflation nach 1919 erschwerte die Arbeit erheblich. Neuanschaffungen waren kaum möglich, viele Bücher verfielen aufgrund minderwertigen Papiers und einfacher Kriegseinbände.

1924 wurde die Bücherei Mitglied des Provinzialverbandes Brandenburgischer Büchereien und schloss sich der staatlichen Büchereiberatungsstelle Frankfurt/Oder an. Von dort sowie von der Gesellschaft für Volksbildung und der Stadt Vetschau erhielt sie wichtige Unterstützung.

1928 wurden an 33 Ausleihtagen von 524 Lesern insgesamt 1.081 Bücher entliehen. Erstmals wurde die Notwendigkeit eines Bücherverzeichnisses erwähnt.

1931, zum 40-jährigen Bestehen, wurde dem Mitbegründer des Volksbildungsvereins, Gastwirt Albert Jentzsch, die erste Ausgabe des Bücherverzeichnisses überreicht.

1939 erschien neben einem neuen Bücherverzeichnis auch eine Benutzerordnung. Die Bücherei ging in den Besitz der Stadt über und wurde zur Volksbücherei. Der Bestand umfasste wieder etwa 2.000 Bände.

Neubeginn nach 1945 - Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Bestand durch eine Prüfungskommission gesichert und nationalsozialistische Literatur ausgesondert. Bereits im Herbst 1945 konnte die Bücherei am Markt wiedereröffnet werden.

In den folgenden Jahren wuchsen Bestand und Leserzahlen stetig.

Viele Umzüge und eine stetige Entwicklung verzeichnete die Bücherei.

  • 1954 Umzug ins Stadtschloss
  • 1960 Umzug in die Karl-Marx-Straße
  • 1966 Einführung der Freihandausleihe – Leser konnten ihre Bücher erstmals selbst am Regal auswählen
  • 1973 Umzug in die Kirchstraße

1981 übernahm die Bibliothek die Aufgaben einer Stadt- und Zentralbibliothek. Sie war nun verantwortlich für die Literaturversorgung der Vetschauer Bürger sowie der Gemeindebibliotheken des Gemeindeverbandes.

1984 entstanden durch umfangreiche Umbauarbeiten erstmals eigene Räume für eine Kinderbibliothek.

Die politische Wende 1989/90 überstand die Bibliothek unbeschadet – wurden doch zur Wendezeit unzählige Bibliotheken geschlossen.

Moderne Medien und neue Wege (ab 1994) - erfolgte der bislang letzte große Umzug in die Maxim-Gorki-Straße. Auf 240 Quadratmetern wurde das Medien-Angebot deutlich erweitert.

2008 schlossen sich die Bibliotheken in Lübbenau und Vetschau zu einer gemeinsamen Bibliothek mit zwei Ausleihstellen und einer organisatorischen Einheit zusammen.

2010 wurde der Online-Katalog (WebOPAC) eingeführt, der den Lesern die Recherche von zu Hause aus ermöglicht.

2015 schloss sich die Bibliothek dem Onleihe-Verbund Niederlausitz an. Damit konnten erstmals elektronische Medien wie E-Books und digitale Hörbücher ausgeliehen werden.

2018 wurde ein besonderes Jubiläum gefeiert: 10 Jahre gemeinsame Bibliothek Lübbenau–Vetschau – ein Zeichen für erfolgreiche Zusammenarbeit und zukunftsorientierte Bibliotheksarbeit.

Fazit

Von einer kleinen Vereinsbücherei mit 600 Bänden im Jahr 1891 zu einer modernen Medien- und Informationseinrichtung: Die Stadtbibliothek Vetschau hat sich stetig weiterentwickelt. Trotz Kriegen, Inflation und gesellschaftlichen Umbrüchen blieb sie ein Ort des Wissens, der Begegnung und der kulturellen Teilhabe – und ist bis heute aus dem Leben der Stadt nicht wegzudenken.

Dagmar Schierack
Bibliothek Lübbenau-Vetschau