Hilde Schiedewitz mit ihren vier Töchtern (Bild: familienintern)
Wer kann das von sich schon sagen – Hilde Schiedewitz kann es! Denn sie hat am 26. Februar 2026 ihren 100. Geburtstag in Scheuder gefeiert. Anlässlich dieses seltenen Jubiläums waren Andy Grabner (Landrat von Anhalt-Bitterfeld), Thomas Schneider (Bürgermeister der Stadt Südliches Anhalt) sowie Norman Tarnow (Ortsbürgermeister) persönlich gekommen, um Glückwünsche und Präsente zu überbringen.
Die Gäste zeigten sich erfreut über den guten Gesundheitszustand von Hilde Schiedewitz. Alle Gäste wollten natürlich etwas über das Leben von Hilde Schiedewitz erfahren. Da sie selbst mittlerweile die Geschehnisse ringsherum nicht mehr so wahrnimmt und nur wenig erzählt, übernahmen das die anwesenden Töchter.
Die deutschstämmige Hilde Schiedewitz wurde in Klementinow in Polen (Großeltern waren ausgewandert) geboren. Klementinow war eine Siedlung in der Nähe von Petrikau in der Woiwodschaft Łódź. Dort besuchte sie eine deutsche Schule. Sie hatte noch 3 Geschwister, einen Bruder und 2 Schwestern. Aufgrund der Ereignisse während des 2. Weltkrieges war Polen 1940 bereits vollständig durch das Deutsche Reich und die Sowjetunion besetzt, wodurch sich die Situation für viele Menschen im Land zunehmend verschlechterte. Daher verließ die Familie Schiedewitz, also Hilde im Alter von 14 Jahren, schließlich Polen und kam mit vielen anderen Flüchtigen per Zug in Dessau an. Dort wurden die Familien aufgeteilt. Für die Familie Schiedewitz hieß das neue Zuhause fortan Scheuder.
Hier lernte Hilde ihren Werner, einen Scheuderschen, kennen. Beide schlossen 1950 den Bund der Ehe. Werner arbeitete erst bei der Bahn und später im Feldbau bei der LPG Scheuder. Hilde konnte eine Arbeit in der Gärtnerei in Scheuder, die es damals im Ort noch gab, aufnehmen. Nachdem sie dann ihren Facharbeiter für Feldbau und Tierarbeit abgeschlossen hatte, begann auch sie bei der LPG im Feldbau und im Kuhstall. Mit dem Ende der LPG in Scheuder bot sich für Hilde wie ebenso für viele andere ehemalige LPG-Mitglieder die Möglichkeit einer Tätigkeit im Schälwerk in Kochstedt.
Neben der beruflichen Arbeit musste sich Hilde um Haushalt, Grundstück und die 4 Kinder, alles Mädchen, kümmern. Das war gerade in den Anfangsjahren nicht leicht, denn die Arbeit in der LPG verlangte viele körperliche Anstrengungen. Werner und Hilde bewohnten einen Teil in einer Doppelhaushälfte.Und man mag kaum glauben, in der Nachbarfamilie lebten 4 Jungs. Allerdings heiratete keine der Schiedewitztöchter einen der Nachbarsöhne.
Eine Tochter ist mit bei Hilde Schiedewitz (ihr Mann verstarb schon frühzeitig) im Haus, eine zweite Tochter wohnt in Scheuder. Das was Hilde ihren Kindern an Liebe und Fürsorge angedeihen ließ, wissen die 4 Töchter zu schätzen und geben es ihrer Mutti gern zurück. Das ermöglicht Hilde Schiedewitz die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben im Ort. Denn außer den Seniorentreffen kommt sie in Begleitung der Töchter zum Freizeittreff sowie zu den Dorffesten und auch der Besuch der Gottesdienste gehört dazu. Deshalb überraschten Mitglieder des Heimatvereins Scheuder e.V. und einige Einwohner die Jubilarin zu ihrem 100. Geburtstag mit einem Ständchen. Alle Gratulanten wünschten Hilde Schiedewitz weiterhin alles Gute. Dem kann man sich nur anschließen. Möge Hilde Schiedewitz ihren wohlverdienten Lebensabend noch viele Jahre bei bester Gesundheit genießen.