vor wenigen Tagen musste ich an einen Satz denken, den ich vor einigen Jahren bei der Bürgermeisterkonferenz der Vereinigten Staaten in Washington hören durfte. Dort vertrat ich gemeinsam mit weiteren europäischen Bürgermeistern – unter anderem mit Andrij Sadowy, dem Bürgermeister von Lwiw (Lemberg) und Andy Burnham, dem Bürgermeister von Manchester – unsere Städte im Austausch mit amerikanischen Kommunalpolitikern und Vertretern des US-Außenministeriums.
Andy Burnham, der heute als aussichtsreicher Kandidat für das Amt des britischen Premierministers gilt, sagte damals einen Satz, der mich bis heute begleitet: „Dieses Jahrhundert wird das Jahrhundert der Städte sein.“ Je länger ich über diesen Gedanken nachdenke, desto mehr bin ich überzeugt, dass er den Kern unserer Zeit trifft. Nach Jahren der Globalisierung, der Digitalisierung und einer immer komplexer werdenden Welt wächst bei vielen Menschen der Wunsch nach Überschaubarkeit, nach Nähe und nach konkreten Lösungen. Genau diese Nähe entsteht dort, wo Politik unmittelbar erfahrbar wird – in unseren Städten und Gemeinden.
Hier begegnen sich Menschen. Hier werden Straßen gebaut, Schulen saniert, Feuerwehren ausgestattet, Wohnquartiere entwickelt und Sportstätten geschaffen. Hier entscheidet sich ganz praktisch, wie lebenswert eine Stadt ist.
Dieser Gedanke prägt auch meine Arbeit als Oberbürgermeister. Seit meinem Amtsantritt im Jahr 2022 trage ich Verantwortung – unter anderem für die städtischen Haushalte, erstmals für den Haushalt 2023. Mit jeder Investitionsentscheidung verfolgen wir das Ziel, unsere Stadt samt den Ortschaften als Ganzes weiterzuentwickeln. Dabei begegnet mir seit Monaten immer wieder die Behauptung, Investitionen würden nahezu ausschließlich im Stadtteil Neustadt stattfinden. Ein Blick auf die Fakten zeigt jedoch ein anderes Bild.
Allein seit 2023 wurden beziehungsweise werden zahlreiche Großprojekte in der Kernstadt angeschoben und umgesetzt – unter anderem an Schulen, Kindertagesstätten, im Bereich der Feuerwehr, den Verwaltungsgebäuden, im Schloss Neu-Augustusburg, an Straßen, Brücken, im Hochwasserschutz sowie in der Kultur- und Denkmalpflege. Auch die mittelfristige Finanzplanung bis 2029 setzt diesen Weg konsequent fort. Die beigefügte Übersicht macht deutlich, dass in den nächsten Jahren Investitionen im gesamten Stadtgebiet erfolgen und sich keineswegs auf einen einzelnen Stadtteil konzentrieren.
| 2026 | 2027 | 2028 | 2029 | gesamt |
| Gesamt | 25.230.500 € | 30.690.400 € | 27.404.500 € | 23.839.700 € | 107.165.100 € |
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| Kernstadt | 18.968.500 € | 22.849.900 € | 20.262.900 € | 18.089.700 € | 80.171.000 € |
| davon Neustadt | 80.000 € | 850.000 € | 1.200.000 € | 1.750.000 € |
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| Ortsteile | 6.262.000 € | 7.840.500 € | 7.141.600 € | 5.750.000 € | 26.994.100 € |
Natürlich ist die Neustadt als größter Stadtteil ein wichtiger Bestandteil unserer Stadtentwicklung. Dass der Stadtteil Entwicklungsbedarf hat, ist bekannt. Ein Sanierungsgebiet entsteht für 15 Jahre ab August 2026. Genauso selbstverständlich ist aber auch, dass wir die Kernstadt und unsere Ortschaften mit derselben Verantwortung im Blick behalten.
Dass sich unsere Stadt weiterentwickelt, lässt sich inzwischen an vielen Stellen unmittelbar erkennen. Mit dem neuen Wohngebiet am Heuweg auf dem Gelände der ehemaligen Schuhfabrik „Rakete“ wurde ein weiterer wichtiger Schritt für attraktiven Wohnraum getan. In der Innenstadt schreitet die Sanierung der Gebäude Große Burgstraße 3 und 5 sowie 4 und 6 voran und wird ein neues Wohnquartier entstehen lassen. Der Abriss des Gebäudes neben dem Heinrich-Schütz-Haus hat begonnen und schafft die Voraussetzung für die weitere hochwertige Entwicklung dieses bedeutenden Kulturstandortes. Auch für das Kinderland auf dem Markt markierte der erste Spatenstich am 15. Juli den Beginn eines weiteren bedeutenden Projekts. Mit dem Vorhaben ist zugleich verbunden, dass finanzielle Mittel künftig stärker in der Stadt verbleiben. Die AöR, die bislang Räumlichkeiten auf der gegenüberliegenden Seite des Marktplatzes angemietet hatte, wird als Ankermieter die erste und zweite Etage des Kinderlands beziehen. Die bislang an einen privaten Hauseigentümer in Bayern gezahlten Mietkosten fließen damit künftig an die WVW. So bleiben die Mittel der Gebührenzahler vor Ort und stärken die kommunale Wertschöpfung.
All diese Maßnahmen stehen stellvertretend für viele weitere Vorhaben, die unsere Stadt sichtbar verändern. Ein weiterer Meilenstein ist schließlich die Entscheidung zum Neubau unseres Stadtbades im letzten Stadtrat. Nach vielen Jahren der Diskussion haben wir nun eine tragfähige und endgültige Lösung beschlossen. Am Stadion entsteht ein modernes Bad, das den Bedürfnissen unserer knapp 38.000 Einwohnerinnen und Einwohner gerecht wird. Vorgesehen sind ein wettkampftaugliches Sechs-Bahnen-Becken, ein separates Kinderbecken mit Hubboden für unterschiedliche Nutzungen, Rutschen, ein Kaltwasserbereich sowie ein attraktiver Saunabereich. Das Gesamtprojekt umfasst einschließlich Planungs- und Baunebenkosten rund 26 Millionen Euro.
Ich freue mich sehr, dass dieses bedeutende Vorhaben nun in die Umsetzung geht. Ende September werden wir die Genehmigungsplanung bei der Bauaufsicht einreichen. Der Baubeginn ist – vorbehaltlich der Genehmigungen – für Anfang des kommenden Jahres vorgesehen. Mein Dank gilt dem Stadtrat für die konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Besonders bedanken möchte ich mich bei Stadtrat Dieter Gorzki, der den gesamten Entwicklungsprozess seit vielen Monaten intensiv begleitet und mit seiner Erfahrung wesentlich zum Gelingen dieses Projektes beigetragen hat.
Die Finanzierung wird sowohl aus Eigenmitteln als auch aus Förderprogrammen und Mitteln des Sonderinvestitionsprogramms des Bundes erfolgen. Eine erste Förderung aus dem Sonderschuldenpaket des Bundes in Höhe von 6,9 Millionen Euro liegt bereits vor, weitere Anträge befinden sich im Verfahren.
Liebe Bürgerinnen und Bürger, bei all diesen Vorhaben und Entwicklungen wird deutlich, wie wichtig verlässliche Begleitung aber auch öffentliche Kommunikation für unsere kommunale Arbeit sind. In diesem Zusammenhang möchte ich Andreas Richter einen besonderen Dank aussprechen. Mehr als 40 Jahre hat er als Journalist der Mitteldeutschen Zeitung über das Stadtgeschehen und die Entwicklung von Weißenfels berichtet. Nun geht er in den Ruhestand. Für die stets faire Berichterstattung, den verlässlichen Austausch und die gute Zusammenarbeit über all die Jahre hinweg danke ich ihm sehr herzlich und wünsche ihm für den neuen Lebensabschnitt alles Gute.
Wenn ich an den Satz aus Washington zurückdenke, dann bin ich heute mehr denn je überzeugt: Die Zukunft entscheidet sich nicht zuerst in den Hauptstädten dieser Welt, sondern in unseren Städten und Gemeinden. Dort, wo Menschen leben, arbeiten, ihre Kinder großziehen und ihre Heimat gestalten.
Deshalb werden wir auch weiterhin verantwortungsvoll investieren, unsere Stadt Schritt für Schritt weiterentwickeln und gemeinsam dafür sorgen, dass Weißenfels in allen Stadtteilen und Ortschaften lebenswert bleibt.