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Weißenfelser Amtsblatt – Amtliches Verkündungsblatt der Stadt Weißenfels
Ausgabe 8/2026
Vorwort des Oberbürgermeisters
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Liebe Bürgerinnen, liebe Bürger,

am 6. September 2026 sind wir aufgerufen, einen neuen Landtag für Sachsen-Anhalt zu wählen. Diese Wahl ist wichtig für unser Land und damit auch für unsere Stadt. Deshalb möchte ich Sie ermutigen: Machen Sie von Ihrem Wahlrecht Gebrauch. Gehen Sie wählen.

Für viele von uns ist das Heute selbstverständlich. Doch gerade in unserer Gegend wissen wir, dass es nicht immer so war. Das Recht, frei, geheim und ohne staatliche Vorgaben wählen zu können, gehört zu den großen Errungenschaften der Friedlichen Revolution und der deutschen Wiedervereinigung. Menschen haben sich diese Freiheit friedlich errungen. Sie haben den Mut aufgebracht, für Demokratie, Selbstbestimmung und Menschenwürde einzutreten.

Unsere Demokratie mag uns oft schwerfällig erscheinen. Entscheidungen dauern, Interessen müssen ausgeglichen, Kompromisse gefunden und Verfahren eingehalten werden. Das kann anstrengend sein und manchmal auch Unzufriedenheit hervorrufen. Aber hinter diesen Verfahren steht ein entscheidender Gedanke: Nicht Willkür soll bestimmen, sondern Recht. Im Mittelpunkt stehen die Würde des Menschen, seine Individualität und seine Freiheit.

Diese Freiheit begegnet uns in vielen Bereichen unseres Lebens. Sie zeigt sich nicht nur in der Wahlkabine. Sie bedeutet auch, selbst entscheiden zu können, wie wir leben, was wir denken, welchen Beruf wir ausüben oder was und wo wir einkaufen. Mit der Wende kamen deshalb nicht nur politische Freiheitsrechte, sondern auch wirtschaftliche Freiheit, freier Warenverkehr und eine völlig neue Konsumwelt. Gerade unsere Innenstädte haben erlebt, wie sehr sich dadurch Handel und Einkaufsverhalten auch negativ verändert haben.

Als Kommune arbeiten wir deshalb aktuell daran, die Weißenfelser Innenstadt wiederzubeleben und zu einem attraktiven Ort zu gestalten. Mit der neuen Stadtbibliothek im ehemaligen Müller-Kaufhaus entsteht ein zentraler Treffpunkt für Bildung, Kultur und Begegnung, der Menschen aller Generationen zusammenführt. Auf dem Marktplatz werden neue Gastronomie-Angebote dafür sorgen, dass wieder Leben einkehrt und Gäste wie Einheimische zum Verweilen eingeladen werden. Gleichzeitig schafft moderner Wohnraum in der Innenstadt die Grundlage dafür, dass Menschen im Herzen der Stadt zuhause sind und so täglich zur Belebung des öffentlichen Raums beitragen. All diese Maßnahmen verfolgen ein gemeinsames Ziel: Menschen sollen wieder die Möglichkeit zur Begegnung erhalten – im Gespräch, beim Einkaufen, beim Lernen oder einfach beim gemeinsamen Genuss.

Was an diesem Beispiel deutlich wird: Nicht jede Entwicklung, die aus Freiheit entsteht, ist automatisch eine gute Entwicklung. Freiheit bedeutet eben auch, Entscheidungen treffen zu können, deren Folgen uns vielleicht nicht gefallen. Aber bei allem dürfen wir eines nicht aus dem Blick verlieren: Der Staat, das sind nicht nur „die da oben“. Der Staat, das sind wir alle.

Jede und jeder Einzelne ist Teil unseres Gemeinwesens. Demokratie gibt uns nicht nur das Recht, zuzuschauen, zu bewerten und Kritik zu äußern. Sie gibt uns auch die Möglichkeit und aus meiner Sicht die Verantwortung, mitzumachen: in Vereinen, Initiativen, im Ehrenamt, in Kommunalpolitik, Nachbarschaft und Familie – und natürlich durch die Teilnahme an Wahlen. Eine freiheitliche Gesellschaft lebt davon, dass Menschen nicht nur am Rand stehen, sondern sich einbringen.

Für die kommenden Jahre wünsche ich mir deshalb – unabhängig davon, welche Landesregierung nach dem 6. September Verantwortung trägt –, dass wir den Zusammenhalt unserer Gesellschaft in den Mittelpunkt rücken.

Wir erleben heute eine Zerrissenheit, die mir Sorgen bereitet. Digitale Medien können dazu beitragen, dass wir hauptsächlich nur noch das sehen und hören, was unsere eigene Auffassung bestätigt. Aus unterschiedlichen Meinungen werden dann schnell unterschiedliche vermeintliche Wahrheiten. Komplexe Fragen werden vereinfacht und zu jedem Problem wird gleich eine scheinbar eindeutige Lösung mitgeliefert. Das sollten wir hinterfragen.

Demokratie beginnt deshalb vielleicht mit etwas sehr Einfachem: einander wieder zuzuhören.

Das gilt für uns alle – und ausdrücklich schließe ich mich selbst dabei ein. Vielleicht müssen wir gelegentlich von der eigenen Position einen Schritt zurücktreten, nicht um unsere Überzeugungen aufzugeben, sondern um den anderen wieder verstehen zu können. Wir müssen nicht einer Meinung sein aber wir sollten miteinander im Gespräch bleiben.

Wenn politische Auseinandersetzungen Familien entzweien und Freundschaften zerbrechen lassen, wenn Menschen nur noch übereinander statt miteinander sprechen, darf uns das nicht gleichgültig sein. Eine demokratische Gesellschaft hält Unterschiede aus. Sie lebt vom Streit um den richtigen Weg – aber sie braucht zugleich die Bereitschaft, den anderen als Menschen zu respektieren.

Deshalb wünsche ich mir für unsere Stadt und unser Land weniger Gegeneinander und mehr Bereitschaft zum Zuhören, Mitmachen und gemeinsamen Gestalten.

Und dazu gehört am 6. September ein ganz konkreter Schritt: Gehen Sie wählen. Nutzen Sie die Freiheit, die Generationen vor uns nicht selbstverständlich hatten. Übernehmen Sie Verantwortung und geben Sie Ihre Stimme ab.

Denn Demokratie ist nicht nur eine Staatsform. Sie ist eine Aufgabe für uns alle.

Ihr
Martin Papke
Oberbürgermeister der Stadt Weißenfels