Am Mittwoch, d. 02.09.2026 lud der Kunst- und Heimatverein Wiederitzsch e.V. zu einem interessanten Musiksalon ein.
Der Leiter des Bach-Archives Leipzig und in Wiederitzsch wohnende Prof. Dr.Dr.h.c. Peter Wollny, verblüffte die zahlreich erschienenen Zuhörer gleich zu Beginn seines Vortrages mit der Ankündigung: „Über Bach weiß man eigentlich NICHTS!“
Auf uns Leipziger, die wir doch so stolz auf UNSEREN J.S. Bach sind und glauben, sein Werk allumfassend zu kennen und zu pflegen, wirkte diese Aussage natürlich zunächst wie ein nachhaltiger Paukenschlag.
Aber Professor Wollny verstand es hervorragend, uns mit seinen Fragen „Wer war dieser Mensch und was hat ihn angetrieben?“ mehr und mehr in Neugier und Spannung zu versetzen.
Seit 33 Jahren führen er und die Mitarbeiter des Bacharchivs eine unermüdliche Grundlagenforschung, um das Bild von Bachs Dasein zu komplettieren.
Dazu benötigt man aussagekräftige Dokumente.
Aber wo findet man sie noch?
Akribische Suchaktionen führten ihn nach Eilenburg, wo er z.B. eine Empfehlung Bachs für die Bewerbung eines Thomaners und Probenhelfers für die Stelle eines Schulrektors aufstöberte, die gleichzeitig Aufschluss über die Probenpraxis Bachs gab.
In Weißenfels, Mügeln, Greiz und anderen Städten fand man vor allem in Kirchenarchiven Notenabschriften von inzwischen weltweit aufgeführten, großartigen Werken, die einst von Familienmitgliedern oder Schülern vorgenommen wurden.
Durch die Kenntnis über die Besonderheit Bachs eigener Notenhandschrift, die Hälse der halben Noten mal rechts und mal links, auf -oder abwärts zu schreiben, konnten auch Originale aus Meisterhand geborgen werden.
Johann Sebastian Bach hatte eine große, musikalische Familie.
Besonders die Söhne Carl Philipp Emanuel und Friedemann litten aber zunehmend unter dem Druck des übermächtigen Vaters und Vorbilds.
Trotz äußerst erfolgreicher Forschungen und geglückter Funde bleiben bisher viele Kompositionen und Dokumente verschollen.
Am Ende wurde das der Thematik gegenüber sehr aufgeschlossene Publikum durch die Gewissheit versöhnt, dass das Wenige, was wir über den Thomaskantor, Komponisten, Organisten und genialen Musiker Johann Sebastian Bach wissen, schon ein riesengroßer und umfangreicher musikalischer Schatz für die Musikwelt ist.