Schaufelradbagger 1550 im Montagezustand
Schaufelradbagger SRs 6300+VR, dahinter das Verladegerät VR.
Letztes erhaltenes Museumsexemplar im Besucherbergwerk Lichterfeld
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„Braunkohletagebau“. Ein Reizwort in den letzten Jahren der DDR und leider auch in unserer Region Lindenthal und Breitenfeld. Der „Energiehunger“ begann bereits im Deutschen Reich der 30er-Jahre hier in Mitteldeutschland im Raum Bitterfeld/Gräfenhainichen und um Böhlen/Zwenkau. Ein Schnitt Nord-Süd mit Leipzig in der Mitte zeigt in der oberen Erdkruste 2 schräg verlaufende Flöze ca. 10m stark, die südlich von Leipzig und bei Bitterfeld nahe der Erdoberfläche zuerst vor ~ 90 Jahren abgebaut wurden.
In den 70- bis 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde mit fortschreitendem Braunkohleabbau das Verhältnis Abraum zu Rohbraunkohle immer ungünstiger. Dem wollte die DDR-Braunkohleindustrie mit immer größeren und leistungsstärkeren Großgeräten entgegentreten.
Das ist unser heutiges Thema:
| - | Der weltgrößte Abraumbagger steht hinterm Birkenwald bereit. |
| - | Breitenfeld ist lt. Plan devastiert (überbaggert). |
| - | Neue Autobahnabfahrt A10 (heute A 14) „Lindenthal Zentrum“. |
| - | Sandstrand vom Friedhof bis zum Exerzierplatz im „Bad Lindenthal“. |
Aber Sie merken es schon, hier tritt mehr Leid der Vertriebenen und Zukunftsangst der Gebliebenen hervor, als dass die goldenen Aussichten vom Seebad je Realität würden.
Im Büro für Bergbauangelegenheiten Leipzig lagen in der 70er-Jahren noch ganz andere Pläne auf dem Tisch. Der Supergau: Auch Lindenthal devastiert!
1977 schrieb Günter Mittag, höchster Wirtschaftssekretär im ZK der SED, an Erich Honecker folgende Bedenken:
| - | Das Funkfeuer zum Flugplatz Schkeuditz muss verlegt werden. |
| - | Das LKW-Panzerreparaturwerk „Roter Stern“ ist zu verlegen. |
| - | Das Armeekrankenhaus Bahnhofstraße, Wiederitzsch ist zu schließen. |
| - | Für den Ort Lindenthal sind 1600 Wohnungen zu beschaffen. |
| - | Die Schweinemastanlage Lindenthal entfällt. |
Honecker bestätigte die Bedenken mit E.H. Am 28.04.1978 lag die Standortgenehmigung zum Tagebau Breitenfeld auf dem Tisch. Die Südliche Tagebaugrenze wurde hinter den Bauergütern der Lindenthaler Hauptstraße und in Verlängerung parallel zur heutigen Erich-Thiele-Straße fixiert.
Durch den Aufschluss des neuen Tagebaues Breitenfeld sollte die Autobahn heute A 14 mittig durch die Kleingartenanlage „Lindenthal West“ verlegt werden. Dazu liefen ab 1983 Verhandlungen über die Verlegung der Gärten auf einen neuen südlichen Standort.
Vorerst wäre ein Drittel der Anlage betroffen, d.h. die Gärten am Weg 5 -Nordseite bis Weg 8 – Südseite. Später sollte ein weiteres Drittel der Anlage ab Weg 7 bis zur Nordseite der Anlage liquidiert werden. 1986 werden die betroffenen Gärten gekündigt und entschädigt.
Der landwirtschaftlich geprägt Landkreis Delitzsch würde durch weitere Tagebauaufschlüsse zu 100% dem Braunkohleabbau geopfert.
Am 01.09.1982 erteilt das Kombinat TAKRAF Leipzig an das ihr angeschlossene Lauchhammerwerk den Auftrag zum Bau des Riesen-Abraumbaggers SRs 6300+VR, Bagger 1550, Kosten: 134.950.000,- Mark der DDR.
Der Schaufelradbagger SRs 6300+VR ist bis heute das weltweit größte, leistungsfähigste und fahrbare Arbeitsgerät seiner Klasse. Gewicht 6500 Tonnen, aufgesetztes Verladegerät VR 2500 Tonnen. Länge 144m, Höhe 64 m, Breite 44 m. Leistung 200 00 Tonnen Abraum pro Tag.
Der Bagger wurde von 1987-89 am Tagebau Breitenfeld Nord montiert. Im März 1989 erfolgte der Probebetrieb.
1991 kam das definitive Aus für den Tagebau und den Riesenbagger Nr.1550.
Ein weiter Transport in andere Abbaugebiete wäre unwirtschaftlich. Der Bagger wurde am 29.November 1996 gesprengt.
Uns ist das Schaufelrad als Denkmal bei Hayna erhalten geblieben.
Dieses Schaufelrad hat einen Durchmesser von 17,10 m und wiegt 190 Tonnen. Die Beschädigung links unten entstand nach der Sprengung als das Rad 15m in die Tiefe stürzte. Es ist täglich 24 Stunden in der Freiluftschau zu besichtigen.
Der Großtagebau Breitenfeld wurde seit 1981 vorbereitet. Dazu wurden 670 Tiefbrunnen 50 – 60m tief erschlossen. Über der Braunkohle lagert Betonkies, der einem noch zu errichtendem Beton-Kies-Werk zugeführt werden sollte. Der Tagebau soll eine Tiefe von 130 m erreichen, um das 9 m starke Flöz mit salzhaltiger Kesselkohle abzubauen.
Das hier dargestellte Schema zeigt noch die Abraumgewinnung mittels Eimerkettenbagger und eine gigantische Förderbrücke. Die neue TAKRAF-Technologie für Breitenfeld war:
| - | Einführung der Schaufelradbaggertechnologie |
| - | Direktfördertechnologie, kein Bahntransport |
| - | Prinzip Förderbrücke |
Im VEB Schwermaschinenbaukombinat Leipzig werden einzigartige ingenieurtechnische Lösungen wie das oben dargestellte Prinzip Förderbrücke entwickelt: Baggerseitig wird der Abraum gewonnen und direkt über einen mit dem Bagger gekoppelten Absetzer (sehr große Auslegerlänge) über die gesamte Grube hinweg auf den ausgekohlten Teil des Tagebaus verstürzt. Darunter arbeiten dann die Kohle-Eimerkettenbagger.
Wir kommen zu einem weiteren Highlight im TAKRAF- Großgeräte-Portfolio: Die modernisierte Förderbrücke F 60 (gleichzeitige Aufnahme von 60m-Hoch- und Tief-Schnitt Abraum von 2 Baggern).
Eine Weltsensation sollte in Breitenfeld zum Einsatz kommen. Die neuste Förderbrücke F 60 ist die größte bewegliche Arbeitsmaschine der Welt. Sie war 520 m lang, 80 m hoch und 240 m breit. Außerdem hatte sie eine mit 2,25 m extrem breiten Abwurfbandanlage.
Mit dem endgültigen Aus für den Tagebau Breitenfeld 1990 hatte auch die Gemeinde Lindenthal / Breitenfeld mit Wohnungsneubau und Einwohnerzuzug wieder eine Zukunft.
Auf die ingenieurtechnischen Leistungen des Leipziger Kombinates TAKRAF
und seiner ostdeutschen Betriebe können wir Leipziger in Stadt und Land stolz sein. Wir sollten aber auch dankbar für den glücklichen Ausgang der Leipziger Montagsdemonstrationen sein, die letztendlich die Grundlage waren, das Unheil der Ortschafts- und Landschaftsvernichtung aufzuhalten.
Aus der umfangreichen Dokumentation von Thomas Schmidt „Der Tagebau Breitenfeld 1981-1991“ habe ich einige Pläne, Fotos und Daten übernommen.
Roland Busse, Ortschronist Leipzig-Lindenthal, Mail ines.roland@arcor.de
2 Nachauflagen des „Lindenthaler Bilderbogens“ sind wieder im Angebot.
Sollte es wirklich noch Alt- oder Neu-Lindenthaler geben, welche diese einmaligen historischen 2 Bücher nicht kennen?
Das muss nicht sein.
In der Poststelle (Lindenthaler Hauptstraße 68) sind diese jetzt letztmalig gedruckten Nachauflagen für eine Schutzgebühr von 10,-€ noch zu haben.
Bedenken Sie bitte auch die „ausgewanderten“ Lindenthaler mit einem Bilderbogen, welcher denen die alte Heimat lebendig hält.
Mit Ihrer Hilfe und alten Fotos bekommen wir auch einen 3. Bilderbogen hin.