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Gemeindebote - Mitteilungsblatt für die Ortsteile
Ausgabe 3/2026
Ortsteil Lindenthal
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 Lindenthaler Bilderbogen Heute neu ! Breitenfeld Teil1 "Die Historie"

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Karte 17. Jahrh.

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Feldensche Karte, Sächs. Ing.Korps 1802

"Fuchsberg"

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Foto 1994

Dr. Heinrich Blümner

Caroline Gruner

Ferdinand Gruner

Zeichnung 18. Jahrhundert

Foto ~1905, Gutshof Breitenfeld mit altem Herrenhaus

Foto 1998

Joachim Karl R. v.Etzdorf

Das war die neue Reichsautobahn 1935, im Hintergrund der Birkenwald

Das ist wörtlich "Der Zusammenbruch", Bombentreffer 1944

Vorwerk, Rittergut, Schlachtfeld, Neubauerndorf, Stadtrandsiedlung

Für die Besiedelung des Leipziger Nordraumes in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts kann man für Breitenfeld annehmen, dass ein Lehensherr des sächsischen Markgrafen Dietrich eine Wasserburg mit rechtwinkeligem Hof und allseitigem Wassergraben anlegen lies.

Nahe der Wasserburg siedelten sich abgabepflichtige deutsche Bauern an.

Erste urkundliche Erwähnung: Der Markgraf verkauft das Gut Breitenfeld 1271 an den Stift Merseburg. 1456 wird Breitenfeld als gesichertes Vorwerk mit mehreren Bauernstellen und Pfarrkirche beschrieben.

1556: Durch ein Ereignis wurde das Dorf Breitenfeld im Hussitenkrieg verwüstet. In einer Urkunde im Merseburger Stift wird berichtet, „dass ein Schwarm hussitischer Mordbrenner sich von dem vor Taucha lagernden Heer trennte, bis an die Elster hinüber streifte und dabei mehrere Dörfer verwüsteten, bis sich die Landsleute (Bauern der umliegenden Dörfer) zusammen gerottet haben und die Fremdlinge im Birkenholz totgeschlagen hätten.“

1562: Ritter Georg von Blancke auf Rittergut Wahren erhält einen neuen Lehnbrief, baut das Gut Breitenfeld zum Vorwerk aus, vertreibt die letzten Bauern aus ihren wüsten Höfen und verwischt die Spuren des Kirchdorfes.

1574 zerfällt die Blancke-Herrschaft über Breitenfeld wegen Verschuldung. Die Gläubiger Georg Roth und Cäsar Pflug versteigern 1799 das Gut Breitenfeld.

Am 24.05.1600 kauft Heino von Brösigke das Gut und das wüste Dorf Breitenfeld. Auch Lindenthal gehört jetzt gutherrschaftlich zum neuen Rittergut Breitenfeld und ist an die von Brösigke abgabepflichtig.

Karte 17. Jahrh.

Breitenfeld bleibt weiterhin nach Lindenthal gepfarrt und diese ist Tochterpfarre zur Kirche Wahren. Der Kirchenpatron zu Lindenthal ist die nächste Generation des Käufers, Friedrich von Brösigke.

Über Breitenfeld, Lindenthal und weitere umliegende Dörfer wird im 16. und 18.Jahrhundert 3 x ein Unheil von weltpolitischer Bedeutung hereinbrechen.

Die 2 Schlachten des 30jährigen Krieges und die Völkerschlacht, die auch auf Breitenfelder Flur ausgetragen wurden, werden gesondert im Teil 2 „Breitenfelder Schlachten“ veranschaulicht.

Um 1650 wird das „Alte“ Herrenhaus an der Nordseite des von Wassergräben umgebenen Wirtschaftshofes im schlichten Renaissancestil erbaut.

Das Herrenhaus hat einen T-förmigen Grundriss, 3 Etagen, 3 Giebel, ein Belvedere und einen Turm mit Schlaguhr (2 Glocken).

Neben dem Herrenhaus gibt es scheunenartige Lager und Ställe um einen rechteckigen Hof, 40 Hauswüstungen, 50 Hufen Ackerland, die Schäferei und etliche Drescherhäuser.

1711-16 versuchen 70 Bauern aus Breitenfelds Umgebung, eine Aufteilung des einst in Bauernhand gewesenen Anteils am Rittergutsland zu erreichen und das wüste Bauerndorf wiederaufzubauen. Auch die markanten Beweise der Bauern vor Ort können die Obrigkeit in Merseburg nicht überzeugen, sodass der Versuch scheitert.

Feldensche Karte, Sächs. Ing. Korps, 1802

In seinem sogenannten Tannenwald lässt Christian von Brösigke 1788-90 30 00 Laubbäume pflanzen. Er lässt weiterhin im Wald 3 Fischteiche anlegen.

Den südöstlich im Wald gelegenen „Dannenwalds-Teich“ können wir noch heute am Stauwall (im Volksmund `Fuchsberg`) erahnen. Hier wurde der Tannenwaldgraben aufgestaut und über einen Einschnitt im Stauwall reguliert d.h. über den Feldgraben in die Rietzschke entwässert.

1796 geht das Breitenfelder Rittergut derer von Brösigke auf den Leipziger Oberhofgerichtsrat Gottfried Blümner über. Blümner starb kurz nach der Übernahme. Das Gut bleibt in der Familie und geht durch Erbschaft an den Kaufmann und Bankier Gruner-Blümner über.

Zeichnung Herrenhaus 1809 mit Brücke über den Wallgraben nach Norden

Die Familie Gruner-Blümner ist sehr aktiv für Breitenfeld.

1801 erhält Breitenfeld eine Brauerei und eine Ziegelei mit einer Kapazität von 180 00 Ziegeln jährlich.

1802: Für Gutsarbeiter entsteht ein zweistöckiges Wohnhaus mit Gefängniszelle.

1813: Die Heere der Völkerschlacht formieren sich vor Breitenfeld. Dazu mehr im Teil 2 „Breitenfelder Schlachten“, einschließlich der Gedenkfeier 1831 am Gustav-Adolf-Denkmal.

1815: Breitenfeld wird nach dem Wiener Kongress Grenzübergangsstelle an der Landsberger Straße ins Königreich Preußen.

Foto 1994, die alte Schmiede am westlichen Ortsrand um 1840 erbaut

In der 1. Hälfte des 18. Jahrhungerts gilt Breitenfeld wirtschaftlich als das stärkste Rittergut Sachsens. Die Besitzer sind die Leipziger Kaufmannsfamilien Gruner und Blümner, die jedoch nicht ständig in Breitenfeld wohnen. Das Gut erhält einen Inspektor zur Repräsentanz der Obrigkeit und zur Verwaltung.

Breitenfeld hatte auch zeitweise eine Rittergutsbesitzerin, 1839 erbte Frau Caroline, geborene Blümner, verheiratete Gruner von ihrem kinderlos verstorbenen Bruder, dem Juristen Dr. Heinrich Blümner das Rittergut.

Dr.HeinrichBlümner

Caroline Gruner Ferdinand Gruner

Ferdinand Gruner war der Initiator und Stifter des Gustav-Adolf-Denkmals.

Zeichnung 18. Jahrhundert, Stadtgeschichtliches Museum Leipzig

Mehrere politische und wirtschaftliche Reformen in Sachsen nach 1832

verändern auch die Stellung des Rittergutes. Die fronpflichtigen Bauern und deren Dienste müssen durch mehr Gesinde, Tagelöhner und Zugvieh ersetzt werden. Es werden östlich des Gutshofes strohgedeckte Gesindekaten errichtet.

!862 verkauft Ferdinand Gruner das Gut Breitenfeld an die Familie Alwin Bach.

In der Land- und Viehwirtschaft, der Gärtnerei, der Forst- und Teichwirtschaft sowie dem Alleeobstanbau steht das Rittergut in weiteren 50 Jahren glänzend da.

Foto ~1905, Gutshof Breitenfeld mit altem Herrenhaus

Jedoch in der Infrastruktur wie Straßenbau, Wasser-, Strom- und Schleusenanschluss stagniert die Entwicklung in Breitenfeld. Der Gutsherr Alwin Bach lässt sich 1893 ein neues Herrenhaus östlich des Gutshofes bauen.

Foto 1998

Das neue Herrenhaus entsteht als eingeschossige Dreiflügelanlage mit ausgebautem Mansardengeschoss und neobarocker Fassadendekoration im ländlichen Villenstil. Im Osten davon schließt sich ein Park mit Orangerie und Teich an.

Um 1900 ist Breitenfeld mit 685 ha das größte Rittergut Sachsens.

Anfang der 1920er-Jahre gibt es einige Ereignisse auf Gut Breitenfeld.

Am 24. April 1923 wird auf Anordnung des Amtes Leipzig der selbständige Gutsbezirk Breitenfeld mit 263 Einwohnern und 1288 ha Flur nach Lindenthal eingemeindet.

Das Rittergut hat jetzt einen Administrator (Gutsverwalter).

Joachim Karl R. v. Etzdorf

Wappen derer von Etzdorf

aus Kadinen (Kadyny) Ostpreußen

Von Etzdorf übernimmt die Gutsverwaltung aber nicht den Gutsbesitz. Er heiratet die Tochter des Gutsbesitzers Luise geb. Bach und sie bekommen am 15.09.1925 die Tochter Maria.

Das war die neue Reichsautobahn 1935 Das ist wörtlich der Zusammenbruch

Im Hintergrund der Birkenwald Bombentreffer 1944, Birnenallee

Die Reichsautobahn wurde weite Strecken über Breitenfelder Flur verlegt.

1943 wurde der Birkenwald wegen verstärkten Luftangriffen zum Motorenprüfstand (z.T. unterirdisch) ausgebaut. Die Flugzeugmotoren kamen von der MiMo (Mitteldeutsche Motorenwerke) Taucha über die Autobahn und wurden dort nach Probelauf unter Volllast an die Siebel-Flugzeugwerke Schkeuditz zur Endmontage des Kampfjägers Ju 88 weitertransportiert.

Die Bilderbogenleser können weitere Teile der Historie von Breitenfeld erwarten.

Zu Breitenfeld fehlen dem Autor weiter historische Fotos vom Mausoleum im hinteren Park, dem Alten Herrenhaus, der Orangerie und andere historische Bauten oder Personen. Sie bekommen alles pfleglich zurück.

Roland Busse, Mail: ines.roland@arcor.de Tel: 0341-4684512


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