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Gemeindebote - Mitteilungsblatt für die Ortsteile
Ausgabe 5/2026
Ortsteil Lindenthal
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Breitenfeld Teil 3 von Roland Busse

Foto 1944

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Foto Wikipedia

Plan Pro Leipzig

MTS 1952

Foto 1952

Foto 1951

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Festsaal 1960

Verfallene Orangerie, Foto 1998

Liesa Panzer mit ihrer Breitenfelder Kinderschar vor dem Schloss 1953

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Foto~ 2020, Parkseite

Vom Rittergut zur MAS, MTS und LPG

Auch in Breitenfeld war der 2. WK geprägt von menschlichem Leid. Die wehrfähigen Männer und der Administrator Joachim von Etzdorf waren zum Wehrdienst eingezogen. Die Gutsverwaltung besorgte über die Kriegsjahre die Freiin Luise von Etzdorf. Ihr waren für die Feldarbeit russische Kriegsgefangene und für Hof- und Gärtnerarbeiten polnische Zwangsarbeiterinnen zugeteilt.

 

 

Kriegsschäden auf Breitenfeld waren minimal:

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Die Flak schoss einen amerikanischen Bomber ab, der auf Breitenfelder Flur nahe der Landsberger Straße abstützte.

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Die Brücke der Kirschallee über die Reichsautobahn wurde 08/44 zerstört. Es war ein Fehlwurf. Der Angriff galt dem Motorenprüfstand im Birkenwald.

 

 

 

Der 2. WK ging mit der Kapitulation Deutschlands zu Ende. Die Sowjetische Militäradministration ordnete mit Befehlsgewalt am 03.09.1945 in Sachsen die entschädigungslose Enteignung von Grundbesitz größer 100 ha und die Ausweisung der Grundbesitzer aus ihren Wohnsitzen an.

In Breitenfeld gab es ein beachtliches Problem. Der Rittergutsbesitz war auf dem Papier an 64 Landarbeiter und 14 Umsiedler verteilt. Jedoch hatte die Freiin von Etzdorf ihre Gutsarbeiter/innen durch soziale Einrichtungen, gratis Wohnungen und andere Vergünstigungen so gut geführt, dass diese

weiter gemeinsam unter Leitung der Gutsbesitzerin arbeiten wollten und deren Ausweisung ablehnten. Auf einer Versammlung der „Neubauern“ am 25.Oktober 1945 im Ratskeller erhöhte die Ortsgruppe der KPD Lindenthal den Druck zur Umsetzung des SMAD-Dekretes, sodass am 21.12.1945 Vollzug gemeldet und Frau von Etzdorf mit ihrer Tochter Marie ohne persönlichen Besitz in eine 2-Zimmerwohnung in der Weststraße einquartiert wurde.

Das Schloss und die Verwaltung waren geplündert. Das Mausoleum im hinteren Schlosspark wurde geschändet. Es passte so nicht in ein sozialistisches Neubauerndorf und wurde unter einem Rodelberg beerdigt. So etwa wie auf folgendem Bild könnte das Mausoleum ausgesehen haben.

 

 

Jetzt nahm die Umgestaltung des Gutsbezirkes trotz Bebauungsplan von 1947 seinen sporadischen Verlauf.

 

 

Der Plan stimmt nicht mit der Realität überein. Ein Dorfplatz, die Schule, ein Hotel und eine Kaufhalle fehlen. Es gibt jedoch Ende der 40er Jahre planlos erbaute und unverputzte Neubauernhäuser sowie einige verfallene Gutsgebäude.

Aber der Sozialismus nimmt seinen Lauf, da hält ihn weder Ochs noch Esel auf.

 

 

Mit Hilfe der Maschinen-Traktoren-Station MTS konnten die Neubauern ihre Felder bestellen und abernten. Einzelbauern schließen sich zu kleinen Genossenschaften zusammen. Das Neue Schloss wird zum Kulturhaus.

 

 

Dem Autor liegt eine Fotoserie über jeden umgenutzten Raum des ehemaligen Schosses zum Kulturhaus der MTS vor. Im Kulturhaus Breitenfeld gibt es anfangs der 50er Jahre einen Speisesaal, Lesezimmer, Großküche, Empfangshalle, Betriebsarzt-Zimmer mit Wartezimmer, Beratungszimmer, Betriebskindergarten, Vortragssaal, Unterrichtsraum und Spielezimmer. Breitenfeld bekam seine Zukunft verordnet, mit welcher seine alten Einwohner noch wenig anfangen konnten.

 

 

 

 

Damals in den 50er Jahren gab es eine eigene MTS-Zeitung und kulturelle Höhepunkte mit Sommernachtstanz im Park, gemeinsame Feste im Schlosssaal und Wochenend-Busausflüge der Neubauern.

Im Zeitraum von 1953 bis Anfang der 60er Jahre ist die Mehrheit der Neubauern der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) „Deutsch-Sowjetische Freundschaft“ Typ 3 aus diversen persönlichen oder wirtschftlichen Gründen mehr oder weniger freiwillig beigetreten.

 

 

Im Schloss/Kulturhaus werden Feste gefeiert und Kulturpläne geschmiedet, während nebenan im Park die Orangerie, der Teich, der Baumbestand und die Wege verfallen.

 

 

Verfallene Orangerie, Foto 1998 Pro Leipzig

Zur schweren Arbeit in der Landwirtschaft wurden auch die jungen Mütter gebraucht. Breitenfeld war damals sehr kinderreich.

 

 

Im Alte Herrenhaus hat der Autor am Unterrichtstag in der Produktion (UTP) 1x wöchentlich die Hühner und die Schweine gefüttert. 1972 wurde das schlichte Barock-Gebäude abgerissen.

 

 

Hier Abriss der Gutsställe in Breitenfeld zur Baustoffgewinnung 1948.

 

 

Das Feuerwehr-Kommando Breitenfeld 1960 als Abt. der Feuerwehr Lindenthal.

Das Kulturhaus bekam in den 70er-Jahren nochmals eine Bedeutung als Akademie für landwirtschaftliche Weiterbildung.

In den 80er-Jahren lief jede weitere Entwicklung in Breitenfeld auf „Sparflamme“. Die Devastierung stand bevor. Mit der politischen Wende nach 1990 wurde der weltgrößte Bagger hinter dem Birkenwald wieder demontiert und der Tagebauaufschluss „Breitenfeld Nord“ abgeblasen.

Jetzt solle das staatliche „Tafelsilber“ mit einem Hotel und Tagungszentrum „Hotel Breitenfelder Hof“ mit Neubau auf den Alten-Schloss-Fundament und Nutzung von Neues Schloss und Park in Breitenfeld richtig Gewinn bringen.

 

 

Die Gebäudesubstanz von Neuem Schloss und Hotel haben 4 Sterne Niveau. Der Gutshof davor ist jedoch eine desolate Baustelle und der Schlosspark ist nicht mehr vorzeigbar.

Neu-Breitenfelder gestalten dagegen ihre Wohngrundstücke sehr geschmackvoll, ÖPNV sollte funktionieren. Kleinkinder haben einen neuen Kindergarten und der Bürgerverein bringt für junge Familien frischen Wind in die „Dorfgemeinschaft Breitenfeld“.

Das waren Ansichten des Autors als außenstehender Lindenthaler. Die Vorgänge im größten Neubauerndorf Sachsens waren von politischen Vorgaben getrieben und dabei wurden die Schwächen des Systems ganz individuell genutzt.

Roland Busse, Ortschronist im Ehrenamt, Mail: ines.roland@arcor.de