Warum sollte man sich mit Ortsgeschichte befassen, sind nicht die täglichen Herausforderungen komplex genug? Oder gerade deshalb? Wir alle geben seit 1997 unsere Adresse mit „Leipzig“ an – aber fühlen wir uns deshalb als Städter? Sind wir nicht alle viel eher Seehausener, Hohenheidaer, Göbschelwitzer oder Gottscheinaer? Aber woher rührt diese Identität, das Gefühl von Verwurzelung und Heimat, das selbst Zugezogene nach kurzer Zeit befällt?
Ein Gang durch eines unserer Runddörfer erzählt allein schon von tausendjähriger Geschichte. Stolz ist herauszuhören, wenn Hohenheidaer oder Gottscheinaer von den „Universitätsdörfern“ berichten. Und ein Internet-Artikel beginnt gar mit dem Satz „Die Dorfkirche Göbschelwitz verdankt sich einem Wunder jüngeren Datums…“ Wir wollten das alles genauer wissen und haben mit Freude die Idee des Ortsvorstehers Berndt Böhlau aufgenommen, im Dachgeschoss der renovierten Göbschelwitzer Schule einen Geschichtsraum einzurichten. Gestartet sind wir Ende vergangenen Jahres buchstäblich bei „Null“, seitdem haben wir gesichtet, geordnet, recherchiert, nachgefragt und gestaltet. Menschen haben uns ihre Geschichten erzählt von „früher“, als das Leben noch ausschließlich in den Dörfern stattfand und die Stadt weit weg war. Andere sind auf ihre Dachböden gestiegen und haben einige Schätzchen zum kleinen Museumsbestand beigetragen. Parallel dazu läuft ein Projekt im Stadtarchiv, bei dem alte Akten gesichtet und zugänglich gemacht werden.
Aber auch was wir heute erleben, ist morgen schon Geschichte; wie sich die Dörfer nach 1990 verändert haben, ist enorm. Wir wünschen uns, dass noch viele Mitstreiter den Blick dafür behalten und das kleine Museum zu einem Ort des Austauschs machen. Zum Dorffest in Göbschelwitz am 22.8. laden wir von 15 bis 17 Uhr zu einem Blick in den Geschichtsraum. Gut zu Fuß sollte man allerdings sein, denn der Aufstieg ins Dachgeschoss ist allein schon „historisch“.