In jedem Jahrhundert gibt es mehr oder weniger, kleine oder größere Konflikte bzw. Kriege. Meine Vorfahren sagten immer, „wir leben auf den „Blauen Steinen“ (Granit), hier sind alle Kriege zu Ende“. Ein Aberglaube, der nur teilweise stimmte. Warum?
Auf Bergeshöhen kämpft es sich schlecht, alles zu eng und die Truppen kann man nicht entfalten. Aber in den Ebenen z.B. die Heidelandschaft nach Norden zu oder im böhmischen Becken Richtung Prag, herrliches Kriegsgebiet. Hier gab es genug Platz, sich umzubringen. Und man tat es in diesen Gebieten. Trotzdem blieb auch unsere Gegend nicht verschont. Die Furie Krieg vergaß uns nicht. Zwar etwas weniger Plünderung, Brand und Tod, aber es reichte. Das HRR (Heilige Römische Reich deutscher Nation) von Ost- u. Nordsee beginnend weiter mit Flandern, den östlichen Füstentümern, mit Königreichen (Böhmen), 56 freien Reichstädten, Bistümern, auch die Schweiz, Luxemburg, die Kurfürstentümer, Herzogtümer usw. reichte über Österreich sowie ganz Italien. Die dt. Kaiser wurden gewählt: z.B. Die Ottonen, Salier, Staufer, Habsburger usw. Bei dieser Reichsgröße gab es immer irgendwo kleine Reibereien. Selbst im Sechsstädtebund, wollte Zittau mal sich vergrößern oder Görlitz, hatte Probleme mit Nachbarn, schlesischen Grafen (Bolko v. Schaffgottsch). Ernst wurde es, als Jan Hus, ein Reformator, in Tschechisch predigte und Missstände u. Papsttum der mächtigen Kirche anprangerte. Diese belegte ihn mit Kirchenbann, er war nun ein Ketzer. Er widerrief nicht. 1414 rief die Kirche zu einem Konzil nach Konstanz. Der dt. König zu Böhmen sagte freies Geleit zu. Hus predigte dort. Später wurde er gefangengenommen, verhört und 1415 öffentlich verbrannt. Versprechen wurden vergessen. Danach erhoben sich seine Anhänger und zogen unter großem Hass und Wut zerstörend durch Böhmen und die Oberlausitz. Husitten genannt, der Kelch war ihr Feldzeichen. 1429 über Lauban, Zittau erreichten sie Bautzen mit 4.000 Mann. Verwüstungen auf ihrem Weg bis hierher. Die Stadt wurde erfolgreich und aufopferungsvoll verteidigt, obwohl es einen Verräter gab. Dieser wurde später verurteilt und gevierteilt, ein schrecklicher Tod. Im Schlussstein des Nikolaiturmes in Bautzen ist sein Gesicht eingemeißelt, noch heute zu sehen. 1431 kamen sie nochmals, wurden aber wieder abgewehrt. Später besiegte sie ein kaiserliches Heer.
Erst 1631, als die Oberlausitz im Dreißigjährigen Krieg von Böhmen endgültig zu Sachsen kam, sind auch alle Schrecken und Grausamkeiten dieses Religionskrieges in unserer Heimat. Sachsen lutherisch, nun gegen die kaiserlichen kath. Truppen. Rauben, plündern, morden beiderseitig. Kein Ort wurde verschont. Kirchenbücher sind voll von solchen Gräueltaten. Die Städte mussten Gelder aufbringen, wenn nicht, wurden sie in Schutt und Asche gelegt. Auch unsere Gegend blieb nicht verschont. 500 kaiserliche Kroaten töteten und wüteten in Bischofswerda.
Nicht ganz 100 Jahre später die nächsten Kriege. Maria Theresia Erzherzogin von Österreich und Kaiserin des HRR, aus dem Hause der Habsburger, ohne männlichen Nachfolger, führte zu einer komplizierten politischen Situation. Denn mehrere deutsche Fürsten stellten nun Ansprüchen auf die Habsburger Erblande. Es entwickelte sich nun ein größerer Konflikt. (nebenbei bemerkt: M. Theresia bekam in ihrer Regentschaft 16 Kinder. 11 Mädchen 5 Jungen). Somit ist nun eine Nachfolge gesichert. Deswegen brach nun der Erbfolgekrieg aus. Auch das kleine aufstrebende Königreich Preußen forderte die reiche Provinz Schlesien von M. Theresia. Es kam zu drei Schlesischen Kriegen, wobei Europas Großmächte meist gegen Preußen involviert waren. Preußen hatte damals aber die am besten ausgebildete Armee und eroberte in den ersten zwei Kriegen fast ganz Schlesien. Im dritten, dem Siebenjährigen Krieg, ging es um die europäische Vorherrschaft und Rückeroberung Schlesiens, wobei wieder die Großmächte gegen Preußen standen. Mit politischem und militärischem Glück gewann König Friedrich gegen diese Übermächte. Preußen ist nun selbst Großmacht. 1756 beginnt der Krieg. Das reiche Sachsen wird erobert. Friedrichs bekannte Schlachten und Kämpfe, mal gewonnen, mal verloren, fanden Eingang in die deutsche/preussische Geschichte (Kunnersdorf, Roßbach, Hohenfriedberg, Leuthen usw.). 1758 ist Krieg in unserer Gegend. Die Österreicher unter Feldmarschhall Daun zogen über Dresden und Stolpen bis Hochkirch. Mit 65.000 Mann. Friedrich der Große folgte nördlich von Zorndorf kommend (Sieg über russ. Truppen), ließ sich bei Rodewitz-Breitendorf nieder. 30.000 Mann. Diese Armeen, dazu die Pferde, brauchten Essen und Futter. Auch blieben sie ja nicht nur einen Tag. Da sind die Vorräte schnell alle. Die Städte wurden erpresst, zahlten Tribut. Die Dörfer im großen Umkreis mussten Soldaten einquartieren. Generäle schliefen in den großen Schlössern. In den Herrenhäusern die Offiziere, niedere Ränge ebenfalls dort oder in Pfarrhäusern. Viele Soldaten schliefen im Freien, andere in den großen Feldzelten. Sie brannten die Biwakfeuer an. Die Uniformen, schwerer Stoff, nicht wasserabweisend. Und sie lagerten wochenlang an diesen Orten. Da wurden alle Reserven aufgebraucht. Die Österreicher hatten die Höhen besetzt bei Sornzig, Wuischke und Meschwitz, waren strategisch im Vorteil. Die Preußen lagerten in Breitendorf, Pommritz, Niethen und nahe der Kirche Hochkirch. Friedrich wollte die Gegner schnell überfallen. Doch die Österreicher begannen am 14. Oktober bei starkem Nebel zeitig in der Früh den Angriff mit ungarisch-österreichischen Panduren auf die Preußenstellungen. Diese wurden überrascht und hatten Mühe zur Gegenwehr.
Reitergeneral v. Ziethen schaffte etwas Gleichgewicht. Friedrich selbst organisierte den geordneten Rückzug. Was ihm auch gelang, obwohl sein Pferd unter ihm wegeschossen wurde. Durch heftige Kanonade wurde am Friedhof eine kämpfende preußische Einheit zusammen gedrängt. Diese leistete erbitterten Widerstand. Hier floss das Blut und es gab dort die meisten Toten. Noch heute bezeichnet man einen abwärtsführenden Weg als Blutgasse. Major v. Langen war dieser „Held“, der den Ausgang dieser Schlacht für Preußen etwas verbesserte. Sein würdiges Denkmal steht nahe der Kirche. Trotzdem war es für Friedrich eine große, peinliche Niederlage. Sein Gegner Daun überließ ihm den geordneten Rückzug Richtung Kreckwitzer Höhen, war er doch selbst militärisch geschwächt. Verluste: 9.000 Preußen, 6.000 Österreicher, dazu 101 Kanonen (Pr.) 10 Kanonen (Ö). Zwei wichtige pr. große Heerführer getötet. Und die Bewohner hatten alles wieder in Ordnung zu bringen. Tote zu begraben, Schäden zu beseitigen usw. Friedrich aber verlangte von Sachsen sogleich neues Geld und 12.000 Soldaten!
König „Friedrich der Große“ war ein sensibles, feingeistiges Kind. Sein Vater, der „Soldatenkönig“ grobschlächtig, erzog ihm grausam mit seinem Stock sowie auch mit anderen Brutalitäten. 18 Jahre alt hatte er vor, mit seinem besten Freund Leutnant Katte, nach England zu fliehen. Verrat. Friedrich musste mit ansehen, wie sein Freund enthauptet wurde. Er spielte und komponierte viele Melodien für die Flöte.
Friedrich kam im Siebenjährigen Krieg mit seinen Truppen am Kloster Marienstern in Panschwitz, vorbei. Nahm hier auch Quartier. Er besichtigte das Kloster und im Klosterhof fiel ihm ein mächtiger Birnbaum, der seine Äste weit über die Freitreppe streckte, in die Augen. Einen kuriosen Einfall folgend kletterte der „Alte Fritz“ auf den Ast, ließ die Beine baumeln, zog seine Flöte aus der Tasche und spielte auf ihr selbstvergessen ca. eine Stunde lang. Damals 48 Jahre alt. Die Nonnen hinter ihren vergitterten Fenstern lauschten verwundert diesem seltsamsten aller Konzerte, in dem ein König der Musikant und ein alter Birnbaum das Podium waren. Aber sie sollten bald eine noch größere Überraschung erleben. Kaum war er heruntergeklettert, hatte er auch seine lyrische Stimmung überwunden und wandte sich mit sarkastischen Worten an einen seiner Offiziere: „geh er geschwind hinein und sage, dass das Konzert aus ist. Nun sollen sie das Konzertgeld bezahlen.“ Und das „Konzertgeld“ setzte er voll grimmigen Humors auf eine hohe Summe fest, die trotz allem Jammern der Äbtissin Josefa Elger bis zum nächsten Morgen erledigt werden musste. Der Birnbaum stand noch Jahrzehnte, bis er zuletzt verdorrte. Erst 1899 wurde der dürre Baumriese umgehauen, nachdem der Ast, auf dem der Alte Fritz sein so teures Konzert gegeben hatte, vorher abgebrochen war.
Text: tw. Unsere Heimat 1905
Bild: aus Unterm Chorneboh
Fortsetzung folgt