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Bitterfeld-Wolfener Amtsblatt
Ausgabe 2/2026
Aktuelles aus der Stadt
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Archivale des Monats Februar

Quelle: Stadtarchiv Bitterfeld-Wolfen, Archivbibliothek Bitterfeld, AB Btf 962

AB Btf 962: „Bernhard Franke – Malerei und Grafik“

In den 1920er-Jahren entwickelte sich die Region, insbesondere Bitterfeld und das benachbarte Wolfen, zu einem der bedeutendsten Standorte für Chemie- und Braunkohlenindustrie in Mitteldeutschland. Zu Zeiten der Weimarer Republik befand sich Deutschland jedoch in einer Phase schwerer wirtschaftlicher und politischer Spannungen. Am 16. April 1922 wurde daher zusammen mit der Sowjetunion der Vertrag von Rapallo geschlossen. Dieses Abkommen sollte die diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen normalisieren und die Isolation beider Länder durchbrechen, indem man auf Kriegsentschädigungen verzichtete, die wirtschaftliche Zusammenarbeit förderte und die militärische Zusammenarbeit im Verborgenen begründete. Zwei Tage vor Unterzeichnung des Vertrages wurde in Bitterfeld ein Junge namens Bernhard Franke geboren. Zu diesem Zeitpunkt konnte noch niemand erahnen, dass sich dieser als einer der einflussreichsten und bedeutendsten Maler der Bitterfelder Region etablieren sollte.

In unserer neuen Ausgabe „Archivale des Monats Februar 2026“ möchten wir einen genaueren Blick auf den Fotografen und Künstler Bernhard Franke richten. Passend dazu möchten wir Sie auf die Veröffentlichung vom VEB Chemiekombinat Bitterfeld aufmerksam machen, welche anlässlich des 60. Geburtstages Frankes erstellt worden ist. Das Werk mit der Signatur AB Btf 962 verspricht allerhand interessanter Informationen zu seinem eindrucksvollen Werdegang. Ob künstlerisch oder sozial – Ebenen wie diese werden in dem Schriftstück ausführlich thematisiert.

Das Büchlein, verwahrt im Bestand der Archivbibliothek Bitterfeld im Stadtarchiv Bitterfeld-Wolfen, Ortsteil Stadt Bitterfeld, gewährt dem Leser nicht nur den Einblick in das Leben des Künstlers, sondern bietet ihm auch die Möglichkeit, die einzigartigen Werke von Bernhard Franke in zahlreicher Ausführung betrachten zu können. Bereits das Deckblatt umfasst eines seiner Werke. „Bei Freunden“ – diesen Namen trägt das Gemälde aus dem Jahr 1980. Im Vordergrund sind vier Personen abgebildet, die im gemütlichen Beisammensein Zeit mit Speisen, Getränken und Musik am See verbringen. Im Hintergrund erkennt man einen Wald, einen blauen Himmel mit Schleierwolken, einen kleinen Ausschnitt des Sees sowie drei unbekleidete Personen. Ob Porträts, Landschaften oder Personen in Szenerien, Werke wie dieses hat der Bitterfelder Künstler äußerst gerne angefertigt.

Dem Vorwort des damaligen Generaldirektors des Chemiekombinats Bitterfeld, Schwarz, ist zu entnehmen, dass Bernhard Franke als Maler und Grafiker zu den Pionieren der Volkskunstbewegung in unserem Land gehörte. In ihm verkörperte sich ein Stück aktiver und praktischer Kulturpolitik von Partei und Regierung, die sich zum Ziel gesetzt hatte, die Arbeiterklasse und die Künstler zu einem festen Bündnis zum gegenseitigen Nutzen zu vereinen. Die Arbeit Frankes als Künstler, Zirkelleiter im VEB CKB und Initiator vieler anderer Aktivitäten trug dazu bei, das Bildungsniveau der Arbeiter und Werktätigen zu heben und ihre kulturschöpferische Rolle freizusetzen. Anschließend wird sein künstlerischer Werdegang durch Ingrid Schulze und das bildnerische Volksschaffen durch Peter Michel auf insgesamt 25 Seiten genauer beleuchtet. Die chronologisch aufgeführten biografischen Daten von Bernhard Franke geben ebenfalls einen Einblick in seinen Werdegang.

Neben den Stimmen zum Schaffen Bernhard Frankes von außerhalb äußerte sich der Maler auch selbst zu seiner Arbeit. Dabei wurden einige seiner Aussagen aus Zeitungsausschnitten der Freiheit oder anderen Medien wiedergegeben. Aus einer Manifestation des Kultur- und Geistesschaffenden des Bezirkes Halle zum 60. Jahrestages der Großen sozialistischen Oktoberrevolution (Freiheit, 31.10.1977) geht folgendes Zitat hervor: „Als Künstler hab ich in aktiver fünfundzwanzigjähriger Tätigkeit erleben können, wie neben der sozialistischen ökonomischen Integration sich durch die vielseitigen Beziehungen der Menschen auch im kulturellen Bereich neue Denk- und Verhaltensweisen entwickelten“. Die politischen Einflüsse der DDR spiegeln sich deutlich in den Werken Frankes wider. Dies lässt sich eindrucksvoll in Werken wie „Leningrader 69“, einem Gemälde eines Matrosen und seiner Geliebten, sowie dem Porträt von Wladimir Iljitsch Lenin erkennen.

Wer gerne mehr über das Leben und Schaffen von Bernhard Franke in Erfahrung bringen möchte, dem sei eine Einsicht in dieses Archivale empfohlen.

Stadtarchiv