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Bitterfeld-Wolfener Amtsblatt
Ausgabe 5/2024
Aktuelles aus der Stadt
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Aktuelles aus der Stadt

Quelle: Stadtarchiv Bitterfeld-Wolfen, Historisches Endarchiv Bitterfeld, HSTAB 2828

Das Archivale mit der Signatur HSTAB 2828 befindet sich im Historischen Endarchiv und liegt im Stadtarchiv Bitterfeld-Wolfen im Ortsteil Stadt Bitterfeld. Es handelt sich um das Werk mit dem Titel „Hilfsaktion Rettet die Kinder“, welches ein Projekt des Landkreises Bitterfeld darstellt. Die Initiative begann am 29.11.1945 mit dem Ziel, Mütterliche Pflege in Familie und Heim und menschenwürdige Erziehung für Kinder anzubieten, die nach dem Zweiten Weltkrieg im Raum Berlin-Adlershof ihr Zuhause verloren hatten. Aus Gründen der raschen Umsetzung und der Herausforderungen, denen die Beteiligten gegenüberstanden, haben wir uns entschlossen diese Akte vorzustellen.

Das Dokument, im DIN-A4-Format und mit einem bräunlichen Einband, umfasst 64 Seiten und dokumentiert die Verwaltungstechnischen Herausforderungen sowie die Ergebnisse der Hilfsaktion "Rettet die Kinder" für den Zeitraum November 1945 bis Mai 1946. Enthalten sind unter anderem Listen zum Alter der Kinder, die Adresse der leiblichen Eltern und die Anschrift der Pflegeeltern. Auch ein Plakat und ein Prospekt, welche zu Spenden motivieren sollten, finden sich im Dokument.

Am 29. November 1945 forderte der Landrat des Kreises Bitterfeld, alle Städte des Landkreises auf, mit der Umsetzung der Hilfsaktion „Rettet die Kinder“ zu beginnen. Um den Kindern aus Berlin-Adlershof zu helfen, war es wichtig, Pflegestellen zu schaffen, Sammelstellen für Spenden einzurichten und eine Weihnachtsbescherung zu organisieren. Die Unterstützung der Bevölkerung war dabei von entscheidender Bedeutung.

Das Schreiben vom 29. November 1945 erreichte den Bürgermeister der Stadt Bitterfeld, Bernhard Moder, nicht rechtzeitig, wodurch er verspätet antworten konnte. Er initiierte daraufhin die Bildung eines Ausschusses zur Umsetzung der Hilfsaktion. Am 13. Dezember 1945 bildete sich dieser Ausschuss und nahm rasch die Arbeit auf. Wie aus dem Dokument hervorgeht, beteiligte sich die Bevölkerung ebenfalls und 48 Kinder aus Berlin-Adlersdorf fanden bei Bitterfelder Familien ein Zuhause. Die Kinder durften bis April 1946 bleiben und die Schulen in Bitterfeld besuchen. Die Pflegefamilien boten Unterkunft und warme Mahlzeiten an, einige Bitterfelder nahmen sogar zwei Kinder auf.

Der Vorsitzende des Ausschusses, Stadtrat Klemann, war der Meinung, dass die Kinder in ländlichen Gebieten mehr lernen würden als in der Stadt und setzte sich für die Vermittlung im ländlichen Raum ein. Der Ausschuss organisierte Ausflüge für die Kinder, die unter anderem die Grube Leopold und die Goitzsche besuchten. Auch ansässige Unternehmen und Selbständige boten Exkursionen an.

Die Gesamtkosten der Aktion beliefen sich auf 2036,40 Reichsmark und umfassten Reise- und Fahrtkosten, Schulgeld, finanzielle Unterstützung für Pflegeeltern, Verpflegung, Bekleidung, Geschenkartikel und Unterhaltung.

Für Interessierte an dieser Hilfsaktion bietet dieses Schriftstück Einblick welchen Herausforderungen, sich die Stadtverwaltung stellen musste, sowie die erfolgreiche Umsetzung des Projekts. Es dokumentiert nicht nur die organisatorischen Aspekte, sondern auch die menschliche Seite der Hilfeleistung und die Solidarität der Gemeinschaft in einer Zeit des Wiederaufbaus nach dem Krieg.

Stadtarchiv