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Bitterfeld-Wolfener Amtsblatt
Ausgabe 7/2026
Aktuelles aus der Stadt
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Erinnern an die Zwangsarbeit in Bitterfeld-Wolfen

Schülerinnen und Schüler haben bei der „Meile der Demokratie“ u. a. einen Demokratie-Baum mit Gedankenblättern zu den Themen Freiheit, Respekt oder Mitbestimmung füllen.

Eine Podiumsdiskussion, moderiert von Uwe Holz, widmete sich u.a. der Frage, wie sich Erinnerungskultur und Gedenkstättenarbeit im Laufe der letzten Jahrzehnte verändert hat.

Anlässlich des 77. Geburtstages des Grundgesetzes fand am Vortag, dem 22. Mai, im und um den Hörsaal des Rathauses Wolfen die Veranstaltung „Zwischen Werkstor und Lagerzaun“ statt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die historische Aufarbeitung der Ausbeutung von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern durch die IG Farben in Bitterfeld-Wolfen während der Zeit des Nationalsozialismus. Thematisiert wurde insbesondere das Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald in Wolfen, in dem rund 450 Frauen unter unmenschlichen Bedingungen untergebracht waren und zur Arbeit in der Zellstoffproduktion gezwungen wurden. Die Veranstaltung verband die Erinnerung an dieses Kapitel der regionalen Geschichte mit aktuellen Fragen zu Demokratie, Menschenrechten und gesellschaftlicher Verantwortung.

Bereits am Vormittag nahmen rund 120 Schülerinnen und Schüler der Bitterfeld-Wolfener Gymnasien an einer eigens gestalteten Schülerveranstaltung teil. Nach der Vorführung des Films „Zwangsarbeit und Entschädigung“ erhielten die Jugendlichen in einem Vortrag von Dr. Günter Matter Einblicke in die Geschichte der IG Farben, deren Produkte und Bedeutung für die Kriegswirtschaft im Nationalsozialismus sowie die Ausbeutung von Fremd- und Zwangsarbeiterinnen und -arbeitern. Berührend waren die Redebeiträge von drei Schülerinnen mit Gedichten, darunter „Ich bin ein Stern“ von Inge Auerbacher.

Im Anschluss beteiligten sich die jungen Gäste engagiert an der „Meile der Demokratie“. An verschiedenen Informations- und Mitmachständen, z. B. vom Jugendclub 83 e. V., dem Connect people e. V. oder dem Bündnis für Demokratie und Toleranz e. V. setzten sie sich mit den Themen Grundrechte, Frauenrechte und Menschenwürde auseinander. Dabei brachten sie zahlreiche eigene Gedanken und Perspektiven ein, z. B. bei der Frage „Welcher Artikel des Grundgesetzes ist dir besonders wichtig und warum?“. Diese Angebote wurden ergänzt durch eine Ausstellung zur Geschichte der I.G. Farben sowie Bilder von Kindern und Jugendlichen zum Thema Menschenwürde. Darüber hinaus konnten Besucherinnen und Besucher Zeitzeugnisse von Zwangsarbeiterinnen aus dem KZ-Außenlager Wolfen anschauen.

Auch die Abendveranstaltung stieß auf reges Interesse und bot ca. 100 Gästen die Möglichkeit, sich mit dem Thema Zwangsarbeit im Konzern der I.G. Farben AG auseinanderzusetzen. Zentraler Bestandteil war neben dem informativen Vortrag eine Podiumsdiskussion mit Annemarie Hühne-Ramm (Geschäftsführerin der Finkelstein Stiftung), Oberbürgermeister Armin Schenk, Dr. Günter Matter und Dr. Alexander Klose (JTC der MLU Halle-Wittenberg). Diese widmete sich u. a. den Fragen, wie sich Erinnerungskultur und Gedenkstättenarbeit im Laufe der letzten Jahrzehnte verändert haben und welche tragende Rolle diesen Themen heute bei der Aufrechterhaltung der Demokratie zukommt.

Musikalisch begleitet wurde der Abend vom Lehrerensemble der Musikschule „Gottfried Kirchhoff“ sowie der Band „Shoshana“ aus Dessau.

Organisiert wurde der Tag von der Bürgerstiftung Bitterfeld-Wolfen gemeinsam mit der Stadtverwaltung Bitterfeld-Wolfen. Ein großer Dank geht an die Hans und Berthold Finkelstein Stiftung, die für diese Veranstaltung finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt hat.

 

Stab Öffentlichkeitsarbeit/Marketing