Ein mit Rasengittersteinen verbautes Gewässer. Die Platten sind instabil und im Hintergrund kann man sehen, wie sie bereits ins Gewässer fallen. Zurück bleibt ein ungeschütztes Ufer.
Rasengittersteine - auch Wabengitterplatten genannt – gibt es seit 1969. Aufgrund ihrer Durchlässigkeit für Regenwasser und der einfachen Verlegbarkeit galten sie lange als Vorzugslösung beim Bau von Wegen und Einfahrten. Jedoch wurden sie auch zunehmend im Wasserbau eingesetzt, um Sohle und Ufer technisch zu sichern, sodass heute vielerorts verbaute Gewässer das Ortsbild prägen. Der Gedanke zum Einsatz der Rasengittersteine war nachvollziehbar: Der Bach ist bei Hochwasser gesichert und trotzdem finden sich in den Waben noch Sedimente, sodass sich Pflanzen ansiedeln können.
Aber gehören Rasengittersteine wirklich in ein Gewässer? Sie sind für die Böschungssicherung nicht dauerhaft geeignet, da die Steine bei Hochwasserereignissen freigespült werden und ins Gewässer fallen können. Zurück bleibt die ungeschützte und somit erosionsanfällige Böschung. Für einen naturnahen und dauerhafteren Schutz der Ufer empfehlen sich standortgerechte Gehölze wie Erle oder Weide, deren Wurzeln die Ufer auf natürliche und verlässliche Weise befestigen. Sie wachsen dabei auch in tiefere Schichten, die mit Rasengittersteinen nicht erreicht werden können. Bei Bächen mit stärkerer Strömung kann auch ein begrünter Steinsatz eingebaut werden. Bei dieser Bauweise werden Steine und Gehölze kombiniert, die Wurzeln halten die Steine fest und stabilisieren die Uferbereiche dadurch in doppelter Hinsicht.
Rasengittersteine mit ihren monotonen Oberflächen bieten nahezu überhaupt keine geeigneten Lebensräume für gewässertypische Pflanzen und Tiere. Bei starren Oberflächen aus Beton können sich Tiere in der Strömung kaum halten und Fischlaich wird einfach weggespült. Lebewesen benötigen vielfältige Lebensräume mit Wurzeln, Kiesbänken und Sandbereichen, in denen es ausreichend Rückzugsräume und Laichhabitate gibt. Durch vielfältigere Strömungsverhältnisse verbessern sich die Lebensbedingungen im Gewässer maßgeblich.
Wenn Rasengittersteine also aus dem Bach vor der Haustür entfernt werden, dann zur Verbesserung des Hochwasserschutzes und des ökologischen Zustandes. Die Platten können nach dem Entfernen oft sogar noch wiederverwendet werden – etwa als Fundament für einen Komposthaufen, wo sie wieder ihrem ursprünglichen Zweck dienen können.
Dieser Text entstand in Zusammenarbeit der Fachberaterinnen und Fachberater Gewässer des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie und der unteren Wasserbehörde des Landkreises.