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Amtsblatt der Stadt Oranienbaum-Wörlitz mit den Ortschaften
Ausgabe 7/2026
Lokaler Teil
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Gesellschaft der Freunde des Dessau-Wörlitzer Gartenreiches e.V.

Jugendprojekt „Young Artists in GARTENREICH“ verbindet Graffiti, Toleranz und Religion

Von Montag, dem 22. Juni, bis Freitag, dem 26. Juni, spiegelt die bereits sechste Auflage des Jugendprojektes „Young Artists in GARTENREICH“ (YA) erneut den Bildungsauftrag der Gesellschaft der Freunde des Dessau Wörlitzer Gartenreiches e. V. (GdF) wider. Unter dem Thema „Toleranz bei Fürst Franz und heute – Urbane Kunst weist den Weg“ versammeln sich 21 Schülerinnen und Schüler aus drei Schulen der Region, dem Paul-Gerhardt-Gymnasium Gräfenhainichen, dem Gymnasium Philanthropinum Dessau und der Sekundarschule „Friedensschule“ Dessau. Zum Projektauftakt am 22. Juni, um 9 Uhr sprechen Dr. Reiner Haseloff, Vorstandsvorsitzender der GdF, und Sabrina Nussbeck, Vorsitzende der Moses-Mendelssohn-Gesellschaft, einleitende Grußworte. Das diesjährige Projekt entsteht in Kooperation mit der Moses-Mendelssohn Gesellschaft Dessau e. V., die aus Anlass des 300. Geburtstages von Moses Mendelssohn (1729-1786) im Jahre 2029 derzeit ein breites Veranstaltungsangebot vorbereitet und von der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt gefördert wird. Suche nach Orientierung „Menschen brauchen Orientierung, um sich in der Welt zurecht zu finden. Während früher Ideen und Ideologien Wege vorgaben, wird dem Individuum in unserer gegenwärtigen offenen und demokratischen Gesellschaft abverlangt, eine Orientierung selbstbestimmt und individuell zu finden. Vor allem Jugendliche erleben die Vielfalt der Herausforderungen heute sehr unterschiedlich“, so Dr. Gudrun Weinert, YA-Verantwortliche und GdF Vorstandsmitglied. Dieser Aspekt wird aufgegriffen. Das Anliegen der Epoche der deutschen Aufklärung im 18. Jahrhundert galt dem Bemühen um die Verbesserung der Bildung und Erziehung. Hier gab der Landesherrscher Orientierung.

Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau galt als Anhänger der Ideen der Aufklärung, insbesondere mit Blick auf die Förderung von Bildung, Kunst und Wissenschaften. So unterstützte er neue pädagogische Ansätze und ließ 1774 unter der Leitung von Johann Bernhard Basedow das Dessauer Philanthropinum als „Schule der Menschenfreundschaft“ gründen. Unterstützung bietet das Dessau-Wörlitzer Gartenreich, dessen Parks auch zur Belehrung der Bevölkerung dienten und getreu dem Leitspruch „das Nützliche mit dem Schönen verbinden“, angelegt wurden.

Brücke zwischen den Konfessionen

Als christlicher Herrscher schlug Fürsten Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau auch eine Brücke zwischen den Konfessionen. So erlaubte er Juden die Religionsausübung und gestattete die Gemeindebildung. Das hatte vor allem wirtschaftliche Gründe. Er war tolerant im Sinne von Duldung.

Aber auch auf jüdischer Seite war es notwendig, ein tolerantes Verhalten zu entwickeln. Die Gesellschaftsordnung des 17. bis 19. Jahrhunderts war weit weniger durchmischt als heutzutage, sodass soziale Milieus weitestgehend unter sich blieben und sich ganz bewusst voneinander abgrenzten. Moses Mendelssohn gehörte zu jenen, die die deutsche Sprache erlernten, sich den Werten der Aufklärung zuwandten und trotzdem religiöser Jude blieb.

Young Artists in GARTENREICH in 2026

„In unserem Projekt sollen die Ideen der Aufklärung und der humanistischen Menschenbildung in der Zeit von Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau als Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit dem Thema Toleranz in unserer Zeit dienen. Hierzu wenden wir uns der direkten Erfahrungswelt der 13- bis 16-jährigen Jugendlichen zu und suchen Ansätze, um den Toleranzansatz von heute vor dem historischen Hintergrund zu thematisieren und künstlerisch – auch als Auseinandersetzung mit Intoleranz – zu verarbeiten“, so Dr. Gudrun Weinert weiterhin.

Die historischen Hintergründe für das jüdische Leben vom 17. bis zum 19. Jahrhundert im Allgemeinen werden den Jugendlichen durch Dr. Bernd Ulbrich, Mitglied der Moses-Mendelssohn-Gesellschaft, und für das jüdische Leben in Wörlitz im Speziellen durch Beate Schröter, Vorsitzende des Kulturbunds Wörlitz, mit einem Spaziergang auf dem sogenannten Toleranzweg nähergebracht.

Als künstlerische Ausdrucksform werden Graffiti, Street-Art- und Urban-Art Bilder im Mittelpunkt stehen, die häufig in der Stadtgesellschaft nur als „Schmierereien“ wahrgenommen und deshalb themengebunden zu Kunstwerken entwickelt werden.

Dazu konnten die beiden Künstler Joerg Schnurre und Jacob Wolf aus Dessau angehalten werden. Beide haben Erfahrung mit Jugendprojekten und werden ihr Wissen an die Jugendlichen weitergeben.

„In der Erfassung und Reflexion von Motiven im Gartenreich Dessau-Wörlitz im Allgemeinen beziehungsweise im Wörlitzer Landschaftspark im Speziellen erhalten die Schülerinnen und Schüler viele Einblicke in gestaltete und gestaltbare Lebensräume und werden in ihrem Zugang zu Ungewohntem sowie zugleich im Verständnis der eigenen Kultur gefördert“, so Dr. Gudrun Weinert.

Mit der bildnerisch-praktischen Erarbeitung leistet das Projekt einen unmittelbaren Beitrag zur Entwicklung von Kompetenz bei den teilnehmenden Schülerinnen und Schülern. Dabei entwickeln sie ein Verständnis für die Wirkung und Funktion formaler und dem Medium eigener Bildsprache, um diese gezielt in eigenen Bildgestaltungen anzuwenden.

Präsentation der Ergebnisse

Die Präsentation der Ergebnisse durch die Jugendlichen erfolgt zur feierlichen Ausstellungseröffnung am 23. August 2026 im historischen Gasthof „Zum Eichenkranz“ in Wörlitz.

Die anschließende Dauerausstellung in den Räumen des historischen Gasthofes wird bis zum Frühjahr 2027 während der öffentlichen Führungen zu besichtigen sein.

Zum Hintergrund

Die Gesellschaft der Freunde des Dessau-Wörlitzer Gartenreiches e. V. fördert zum einen den Erhalt und zum anderen die überregionale und internationale Bekanntmachung des Dessau-Wörlitzer Gartenreiches. Sie unterstützt die wissenschaftliche Erforschung und mediale Vermittlung des im Dessau-Wörlitzer Gartenreich verkörperten Reformwerkes der Epoche der Aufklärung.

Im Saal des historischen Gasthofes „Zum Eichenkranz“ – als dem repräsentativen Entree der Stadt Wörltiz, in dem zahlreiche Reisende des späten 18. und des 19. Jahrhunderts, unter ihnen Chodowiecki, Novalis und La Roche, logierten – finden ganzjährig unterschiedlichste Veranstaltungen statt, darunter Theateraufführungen, Lesungen und Kabarett.

In Zusammenarbeit mit zahlreichen Kooperationspartnern der Region tragen diese Veranstaltungen dazu bei, dass das aus sieben Landschaftsparks bestehende Dessau-Wörlitzer Gartenreich, dem im Jahre 2000 der Titel Unesco-Welterbe verliehen wurde, über die Landesgrenzen hinaus Bekanntheit erlangt.

Die gesellschaftseigenen Veranstaltungen „Gartenreich-Forum“ mit wissenschaftlicher Expertise und „Young Artists in GARTENREICH“ sensibilisieren für den Bildungsansatz der Aufklärungszeit und für Toleranz und vermitteln Kenntnissen über zeitgeschichtliche Vorgänge und deren historische Voraussetzungen. Auf die Gegenwart bezogen spielen die Gedanken der Aufklärung, eine Besinnung auf Vernunft, Toleranz und Wissen sowie eine kritische Gesellschaft eine wesentliche Rolle bei der Lösung aktueller Problemstellungen.

Bisherige Mottos von „Young Artists in GARTENREICH“

  • 2025 – Die Faszination des Exotischen – Die China-Mode bei Fürst Franz mit der Kunstform des Manga erschließen
  • 2024 – Architektur und Natur im Gartenreich – Auf den Spuren Basedows lernen von und mit Carl Wilhelm Kolbe – Erstellen und Drucken von Kaltnadelradierungen
  • 2023 – Integration als Aufgabe der Aufklärung am Beispiel des Artenschutzes im Gartenreich unter den Bedingungen des Klimawandels – Ein Fotoprojekt
  • 2022 – Dessau-Wörlitzer Gartenreich – Wege der Toleranz und Weltoffenheit 2021 – Unterwegs im Gartenreich

Ansprechpartner

Dr. Gudrun Weinert

g.weinert@gartenreichfeunde.de