Es ist ein großes Unglück, dass die Dorfkirche in Schrenz seit ihrer Aufgabe 1972 zusehends verfällt, trotz aller Bemühungen des Fördervereins. Ein Blick ins Innere der im Kern romanischen, 1754 umgebauten Kirchenruine ist wegen der Einsturzgefahr nur selten möglich, viele ihrer einstigen Schätze ohnehin nicht mehr vor Ort. Relief und einzelne Skulpturen des Altaraufsatzes befinden sich heute in der Zörbiger Oberpfarre. Die Reste der Orgel, eines Frühwerks der Orgelbauanstalt Rühlmann aus dem Jahr 1858 (Opus 6), wurden 2005 abgegeben. Dagegen befinden sich die beiden Bruchstücke des Taufbeckens noch in der Kirche. 1893 wird der seiner Zeit noch intakte Taufstein als „eine spätgotische, nicht unschöne Arbeit“ bezeichnet und folgender Maßen beschrieben: „Unter dem etwas vorspringenden Rande des Gefäßes, welches vieleckig ist, gehen auf jeder Ecke Rundstäbe bis auf den Schaft hinab. Sie durchschneiden sich an den Ecken und werden auch von einem rings umlaufenden Stabe gekreuzt. Die Felder zwischen ihnen vertiefen sich etwas. Die Hälfte der Stäbe setzt sich am Schafte vor und hat eigene kristallinisch ausgebildete Füße, zwischen denen konkave Schrägen in die Ecken einer vierseitigen Platte überleiten, welche auf dem Fuße des Steines steht. Dieser Fuß ist quadratisch und durch Kehlen sowie durch einen Rundstab mit Eckdurchdringung profiliert“ (*1).
Der Taufstein wurde aber nicht für die Schrenzer Kirche gefertigt. Die Delitzscher Stadtchronik erwähnt für das Jahr 1617 die Anschaffung eines neuen Taufsteins für die Stadtkirche. „Der alte Taufstein kam in die Kirche zu Schrenz“, nachdem am 15. August ein letztes Delitzscher Kind darin getauft worden war (*2). Er dürfte nicht identisch mit dem ebenfalls spätgotischen Taufbecken sein, das man 1402 für die Marienkirche besorgte. Vielleicht handelt es sich bei dem Schrenzer Taufstein um eines der beiden 1479 vom Bildhauer Nicolaus für die Delitzscher Stadtkirche gefertigten Becken. Die in der Stadtchronik erwähnte Bemalung (Ölfarben und Vergoldung) könnte über die Jahrhunderte verlorengegangen sein.
Erwähnt sei schließlich noch eine Notiz im Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Merseburg (3. Juli 1847), S. 163, wo von der Stiftung einer Altar-, Kanzel- und Taufsteinbekleidung durch zwei anonyme Gemeindeglieder in Schrenz berichtet wird. Mögen sich auch künftig viele Wohltäter aus nah und fern finden, die einen Beitrag zum Erhalt der Schrenzer Dorfkirche zu leisten bereit sind!
|
| |
| * | 1 Gustav Schönermark, Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunst-Denkmäler der Provinz Sachsen |
|
| 17. Kreis Bitterfeld, Halle 1893, S. 78. |
| * | 2 Johann Gottlieb Lehmann, Delitzscher Stadtchronik. Teil V: 1600–1649, ausgewählt von Christel Moltrecht |
|
| (Veröffentlichungen zur Delitzscher Geschichte 10), Delitzsch 1985, S. 41. |