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Zörbiger Bote, Mitteilungsblatt der Stadt Zörbig mit den Ortsteilen
Ausgabe 7/2020
Interessantes und Berichtenswertes
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Priesdorfer Entdeckung: Ein Fischotter unterwegs?

Pumpenteich zu Priesdorf (Fotos privat)

Von Heike Westermann und Jens Hartmann, Parkverein Cösitz e. V.

Eine aufmerksame Beobachterin aus Priesdorf lieferte den ersten Indiz: Ein Fischotter taucht auf und ab im Pumpenteich zu Priesdorf. Dieser Teich, entstanden in den 30-er Jahren aus dem Gölzauer Braunkohle-Abbau, entwickelte sich zusehends zu einem unbeachteten Biotop nördlich des Cösitzer Parks im LSG Fuhneaue, ca. 500 m entfernt vom Nesselbach. Auch weitere Teiche östlich in Richtung Weißsandt-Gölzau waren in den letzten Jahrzehnten hervorragende Vogelbrut-Gebiete (z. B. Schilf-rohrsänger). Die üppigen Schilfgürtel schirmen die Teiche ab und geben den Brutpaaren Schutz und Deckung, so lange auch Wasser von oben kommt. In den beiden Dürresommern 2018 und 2019 trockneten einige dieser Teiche aus. Und mit ihnen verschwanden viele Arten. Umso erfreulicher war diese Beobachtung. Doch es fehlte ein Beweisfoto. Kotreste am Fundament des, leider mutwillig zerstörten, Pumpenhauses waren nicht eindeutig. So musste der genetische Beweis her.

Das Gründungsprojekt IdentMe aus Bernburg hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine effiziente und zeitsparende Analytik für die Untersuchung von Umweltproben und den Nachweis bestimmter Arten aufzubauen. Das Wissen über das Vorkommen verschiedener Lebewesen ist essenziell für unterschiedliche Bereiche wie Naturschutz, Ökosystemmanagement und Bauplanungsvorhaben. Aus diesem Grund wurde von der EU die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (92/43/EWG, FFH-Richtlinie) erlassen, die eine regelmäßige Begutachtung verschiedener Arten vorschreibt. Nun kann das Auf-spüren einzelner Individuen, wie im Fall des Fischotters, manchmal schwierig sein. Aus diesem Grund hat das Gründerteam um IdentMe, bestehend aus Anne Findeisen, Patricia Holm und Richard Pabst, verschiedene Nachweise entwickelt, welche sich das Erbgut (DNA) der Tiere zu Nutze machen. Über die Umwelt-DNA (eDNA), welche von allen Organismen konstant durch z. B. Haut- oder Schleimzellen, Ausscheidungen, sterbliche Überreste oder bei der Fortpflanzung an ihre Umgebung abgeben wird, können die gesuchten Arten nachgewiesen werden. Dafür wird lediglich eine Wasserprobe entnommen und diese nach bestimmten DNA-Abschnitten durchsucht. Das Ziel von IdentMe ist es, mehr Informationen über das Vorkommen und die Verbreitung von geschützten, aber auch gebietsfremden Arten und Krankheitserregern zu bekommen.

Das Ergebnis der Forscher aus Bernburg war eindeutig: In einer Doppelbestimmung wurde entlang des Teichzugangs (Fundament) eindeutig genetisches Material vom Fischotter gefunden, ein klarer Beweis und die Bestätigung einer unglaublichen Beobachtung. Der Fischotter ist ein Einzelgänger mit faszinierenden Anpassungen an seine Lebensweise im Wasser und an Land. Wie ein artistischer Kunstschwimmer jagt er Fische und taucht nach Krebsen, ist aber auch an Land geschickt in der dichten Ufervegetation auf der Suche nach Nahrung. Sein einmaliges Fell wäre ihm fast zum Verhängnis geworden: Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Fischottern nachgestellt, um ihre kostbaren Pelze zu verarbeiten. In vielen Teilen Deutschlands gilt der Fischotter nach wie vor als ausgestorben.