Eine Urkunde aus dem Anhaltischen Haus- und Staatsarchiv Zerbst beinhaltet einen Kaufvertrag, der am 7. September 1264 zu Zweenfurth bei Borsdorf verhandelt worden war (*1): Propst Petrus, Äbtissin Juliana und das Kapitel des Nonnenklosters zu Leipzig verkaufen für 130 Mark Silber „das Dorf Wadendorf“ (villam Wadendorf) an Siegfried I. von Askanien, Fürst von Anhalt-Köthen (reg. 1252–1298). Damit wurde die kleine Siedlung zwischen Salzfurtkapelle (Anhalt) und Löberitz (Sachsen) anhaltisch. In Klosterbesitz war Wadendorf 26 Jahre zuvor gelangt: Eine auf den 3. Juli 1238 datierte Urkunde (Abb.) bezeugt, dass Adelheid, Tochter des Dietrich Rabil, bei ihrem Eintritt in das Nonnenkloster dem Leipziger Konvent ihr sämtliches Eigentum, darunter „das gesamte Dorf Wadendorf“ (Wedendorp tota villa) geschenkt habe (*2). Dies gilt als erste urkundliche Erwähnung Wadendorfs. Das in einer Urkunde Papst Hadrians IV. (4. März 1158) unter den Besitzungen des Klosters Mariental bei Helmstedt geführte Wadentorp ist vermutlich eine andere Ortschaft gleichen Namens, die in der näheren Umgebung des Klosters lag und sich einst im Besitz der Herzogin Agnes von Lüneburg befand (*3). Erst im 16. Jahrhundert hören wir wieder von Wadendorf: Im Dessauer Landregister des Urban Parys (1549) erscheint der Ort als Wüstung. Der Organist und Schulmeister Balthasar Clemann berichtet in seiner 1679 begonnenen Chronik der Gemeinde Löberitz (*4): „Anno 1669. fieng H(err) Hans Ludwig von Bißing an, das, in die 300. Jahr wüste gelegene Wardendorff, (so man Neuhäusel nennet), auffzubauen, und wurde die Schencke und Försterhauß zuerst hinauß gesetzet. Selbige Einwohner haben sich, zeithero in unser Kirchspiel begeben.“ Wadendorf, auch Neuhäusel genannt, war also schon seit der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts eine Wüstung. Nach den Wirren des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) ließ der Löberitzer Gutsherr von Bissing den Ort wiederaufbauen, wobei man die Schenke sowie die Försterei erneuerte und die Gemeinde dem Kirchspiel Löberitz (Tochtergemeinde Zörbigs) unterstellte. Im 18. Jahrhundert sollte Wadendorf erneut anhaltisch werden: Aus dem Besitz derer von Bissing erwarb Fürst Leopold I. von Anhalt-Dessau (1676–1747) im Jahr 1724 zunächst einen Teil, 1729 dann die gesamte Ortschaft. Als im Polnischen Thronfolgekrieg (1733–1738) die fünf Söhne des Fürsten unbeschadet von einem Feldzug am Oberrhein zurückgekehrt waren, ließ Leopold I. im Jahr 1735 zum Dank die „Fünfbrüderkirche“ zu Wadendorf errichten. Dieser fünfseitige Rundbau musste aber keine 100 Jahre später (1828) abgerissen werden. Wadendorf blieb bis zur Eingliederung in den (damals preußischen) Landkreis Bitterfeld (1942) anhaltisch.
*1 Codex Diplomaticus Anhaltinus II, Nr. 292; nun im Landesarchiv Sachsen-Anhalt, Dessau (Z 1, Nr. 226).
*2 Codex Diplomaticus Saxoniae regiae II 10, Nr. 5.
*3 Origines Guelficae III, S. 535–537 (Nr. 80) = Regesta archiepiscopatus Magdeburgensis I, S. 548–549 (Nr. 1358).
*4 Die „angemerckten Begebenheiten hiesiges Kirchspiels und der Nachbarschafft zu Löberitz“ sind jenem Kirchenbuch der Gemeinde Löberitz vorangestellt, das die Jahre 1654 bis 1716 umfasst und heute im Oberpfarrarchiv in Zörbig aufbewahrt wird.
Abbildung: Urkunde vom 3. Juli 1238 mit der Ersterwähnung Wadendorfs (Stadtarchiv Leipzig, Signatur: 0008 [Ratsstube], Urk.-K. 84, 2)