Rund die Hälfte aller jungen Menschen in Deutschland sind laut dem Deutschen Olympischen Sportbund Mitglied in einem Sportverein. Neben dem Besuch von festen Trainingszeiten nehmen sie an Wettkämpfen oder Spielen teil und treiben gemeinsam mit Gleichaltrigen in Gruppen Sport. Hierbei erleben sie Gemeinschaft und lernen Werte wie Teamgeist, Fairness, Rücksichtnahme und Disziplin.
Zu den beliebtesten Sportarten zählen dabei für Kinder und Jugendliche Fußball, Turnen und Schwimmen. Der 2009 geborene Jonas Prehl aus Großzöberitz entdeckte allerdings schon früh seine Leidenschaft für die vielseitige Wassersportart Kanu fahren. Hierbei bewegt man sich, im Gegensatz zum Rudern, durch Schläge mit einem nicht am Boot befestigten Paddel in Blickrichtung nach vorn. Man unterscheidet beim Kanurennsport – der dynamischsten Disziplin des Kanusports – hauptsächlich zwischen den Klassen Kajak und Canadier, die sich enorm voneinander unterscheiden. Beim Kajak ist das Boot meist geschlossen und wird im Sitzen mit einem Doppelpaddel (Blätter an beiden Enden) gefahren. Beim Canadier wiederum ist das Boot offen und wird mit einem Stechpaddel (Blatt an einem Ende) knieendgefahren. Die korrekte Paddelführung ist entscheidend für den Erfolg. Auch und vor allem bei Wettkämpfen, wo fliegende Paddel und pfeilschnelle Boote vorbei jagen, während man vom Ufer aus zuschaut. Wie auch in der Zeit vom 23. bis 26. Juli 2026 in Szeged/Ungarn bei der Kanu-Rennsport-Europameisterschaft für Junioren und U23 (Sprint) auf der Regattastrecke Maty-ér wieder zu beobachten war, wo die besten Nachwuchskanutinnen und -kanuten Europas um EM-Medaillen kämpften.
Vierer gewinnt: Was für eine unglaublich erfolgreiche Teilnahme zum Abschluss der Junioren-EM Kanu für Jonas und sein Team – Gold im C4-Mix. Nachdem er im C2 der Junioren über 500 Meter gemeinsam mit seinem Zweierpartner Emil Weber (SG LVB) einen beachtenswerten Platz 5 im A-Finale erreichte und Jonas im C1 über 200 Meter nach einem nicht optimalen Zwischenlauf im B-Finale ein überzeugender Sieg (1. Platz) gelang, wurde diese Europameisterschaft nicht nur für ihn zum echten Saisonhöhepunkt.
Gemeinsam mit Lia Marder sicherte Jonas „...sich im C4-Mix über 500 Meter sensationell den Europameistertitel. Zusammen mit Mera Klapheck (Rheinbrüder Karlsruhe) und Makar Pron (KG Essen) wuchs das Quartett im Laufe der Vorbereitung immer stärker zusammen und belohnte sich schließlich mit Gold“, so nachzulesen auf der vereinseigenen Website vom Sportclub Deutsche Hochschule für Körperkultur Leipzig e. V. (kurz: SC DHfK Leipzig e.V.). Hier trainieren beide großen Nachwuchstalente Lia und Jonas und hatten sich im Frühjahr mit starken Leistungen für das EM-Team qualifiziert. Angesprochen auf seine ganz persönlichen EM-Eindrücke sagte Jonas, der seit 2022 beim SC DHfK Leipzig e.V trainiert (Nachwuchskader 2), kurz danach: „Mit dem Gold im C4-Mix haben wir absolut nicht gerechnet und waren umso glücklicher, als wir im Ziel gesehen haben, dass wir gewonnen haben“.
Der ehrgeizige Kanurennsportler nimmt neben dem Edelmetall vor allem wertvolle internationale Erfahrungen mit, aber auch unvergessliche, dankbare Erinnerungen und neue Motivation sowie begeisternde Augenblicke und Glücksmomente. Hochgesteckte Ziele hat er weiterhin – eine Medaille auch bei Weltmeisterschaften und darüber hinaus einmal starten bei den Olympischen Spielen. Für diesen Traum trainiert er hart und geht an seine Grenzen.
Wie Jonas überhaupt zum Kanurennsport gekommen ist, kann man auf der vereinseigenen Instagram-Seite nachlesen: „...Ich war früher sehr aufgedreht und konnte schwer zur Ruhe kommen. In meiner Kita hing ein Flyer für Kanurennsport, woraufhin meine Eltern mich zum Probetraining gebracht haben und so bin ich dabei geblieben.“ Das war 2014 und der Anfang beim Sandersdorfer Kanu-Verein e. V., welcher seit 2000 auf der Förstergrube in Sandersdorf trainiert. Auf redaktionelle Nachfrage ergänzt Jonas: „Dort wurde ich von Anfang an herzlich aufgenommen und fand in erfahrenen Sportlern wie Tabea Gabelunke und Conrad Frey große Vorbilder. Sie motivierten mich, stets mein Bestes zu geben und weckten in mir den Ehrgeiz, mich kontinuierlich weiterzuentwickeln. Mit der Zeit wurde das Training immer intensiver. Aus anfänglich wenigen Einheiten wurden schließlich zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche. Gleichzeitig durfte ich an immer mehr Wettkämpfen teilnehmen – von kleinen Regatten bis hin zu den Landesmeisterschaften. In meiner Altersklasse konnte ich dabei mehrfach den 1. Platz erreichen. Neben dem Kanurennsport sammelte ich auch sehr erfolgreiche Erfahrungen im Stand-Up-Paddling (SUP) und nahm an zahlreichen Wettkämpfen in beiden Sportarten teil. Für meine sportlichen Leistungen wurde ich mehrfach als *Sportler des Jahres* ausgezeichnet und war zudem Teilnehmer beim MDR-*Sport-Ass. Durch die Kontakte meines Trainers Lutz Wilke sowie von Annette Rückleben zum DHfK Leipzig eröffnete sich für mich die Möglichkeit, meinen sportlichen Weg in Leipzig fortzusetzen. Mein großes Ziel war schon früh klar: Ich möchte eines Tages an den Olympischen Spielen teilnehmen. Deshalb entschied ich mich für den Wechsel an eine Sportoberschule. Bereits mit zwölf Jahren lernte ich das Leben im Internat kennen und stand dadurch schon in jungen Jahren auf eigenen Beinen. Der Wechsel nach Leipzig und die Bedingungen am DHfK ermöglichten es mir, Leistungssport und Schule optimal miteinander zu verbinden und mich sowohl sportlich als auch persönlich weiterzuentwickeln“.
Der gebürtige Großzöberitzer ist mit Leidenschaft, Disziplin und absoluter Hingabe als Canadierfahrer beim SC DHfK Leipzig e.V dabei: „Mich begeistert, dass ich im Training und Wettkampf immer wieder über meine eigenen Grenzen hinausgehen kann. Gleichzeitig hilft mir der Sport, den Kopf freizubekommen und abzuschalten“.
Fußball, Tischtennis und Rudern wären im Übrigen nicht Jonas Sportarten gewesen. Obwohl sein jüngerer Bruder Henri selber lieber Fußball spielt, versucht er, bei allen Wettkämpfen von Jonas mit dabei zu sein und ihn lauthals zu unterstützen.
Nicht nur der SC DhfK Leipzig e.V. gratuliert Lia und Jonas sowie den Trainern auf der Webseite ganz herzlich und „.. sind stolz auf euch!“ Auch die langjährige Ortsbürgermeisterin von Großzöberitz, Adelheid Reiche, lässt es sich nicht nehmen: „Jonas Prehl als Junioren-Europameister aus unserer Ortschaft Großzöberitz macht uns wahnsinnig stolz. Wer kann das über seine Ortschaft schon sagen. Aber auch seinen Eltern Steffi und Christian gilt ausdrücklich der Dank. Denn ich weiß, wie sehr sie Jonas unterstützen. Sie sind bei allen Wettkämpfen dabei, egal wo und opfern gern ihre Freizeit für Jonas. Davor ziehe ich voller Achtung den Hut“.
Wir, Adelheid und ich, wünschen Jonas an dieser Stelle Durchhaltewillen und Motivation, starke Nerven sowie eine nicht enden wollende Leidenschaft für den Kanurennsport. Oder anders gesagt: „Immer eine Handbreit Wasser unterm Blatt“, „Hals- und Paddelbruch“ oder eine „gute Paddelsaison“.
Apropos – falls auch Sie sich beim Lesen gefragt haben sollten, was C1, C2 und C4 bedeuten, hier die kurze Erklärung vom Deutschen Kanu-Verband: „C1, C2 und C4 sind offizielle Bootsklassen im Kanusport, bei denen der Buchstabe C für Canadier steht und die Zahl die Anzahl der Paddler im Boot angibt.“