Frau am Meer
Dieser Nachmittag im Januar war anders. Es war gefühlt der erste Tag des neuen Jahres, an dem ein Hauch von Vorfrühling in der Luft lag: Temperaturen im Plusbereich, blauer Himmel, die Sonne kitzelte bereits spürbar an der Nasenspitze.
Der Winter hatte sein Gastspiel nur kurz unterbrochen. Tage zuvor hatte er uns noch gezeigt, dass die Existenz von Schneeschiebern durchaus einen realistischen Bezug hat – und nicht nur Märchenbüchern aus der guten alten Zeit zuzuschreiben ist. Glücklicherweise war das medial groß prognostizierte Schneechaos ausgeblieben.
An diesem Nachmittag füllten sich die Räume der Bibliothek Altentreptow in der Schulstraße in einem kaum geahnten Maße. Mit knapp über 50 Besucherinnen und Besuchern kamen die Flure, in denen eine neue Ausstellung eröffnet wurde, langsam an ihre Kapazitätsgrenze.
Na gut – Sie als Kenner der örtlichen Gegebenheiten können sich ein mildes Lächeln sicher nicht verkneifen:
„Mensch, das ist doch die alte Schule, in der die Bibliothek untergebracht ist. Und wir waren früher deutlich mehr als 50 Kinder, die in jeder Schulpause durch die Flure getobt sind!“
Genau. Sie haben recht. Solche Erinnerungen haben wir alle, egal, wo wir zur Schule gegangen sind. Eng war es überall auf den Schulfluren.
Bei einer Ausstellungseröffnung jedoch, zu der die Menschen mit Sektgläsern in der Hand angeregt über Kunstwerke, Motive oder auch darüber diskutieren, welches Werk es im günstigsten Fall bis an die Wand im eigenen Wohnzimmer schaffen würde, ist der Platzbedarf ein wenig größer als bei jenem Echo aus Kindertagen.
Und die kunstinteressierten Gäste – zum Teil extra aus Friedland und Jarmen angereist, vom Grundschüler bis zum betagten Rentner – unterhielten sich augenscheinlich bestens.
„Wo liegt nun der Grund für diese Ausstellung? Was gibt es dort Tolles zu sehen? Und warum heißt sie EigenART?“
Langsam, langsam! Das sind ja gleich drei Fragen auf einmal!
Vor knapp acht Jahren rief die Künstlerin Marianne Groeger in Letzin einen Malkreis ins Leben. Gemalt wurde nach den Techniken des Amerikaners Bob Ross, die sie Jahre zuvor erlernt und bis dahin nur für sich selbst angewendet hatte.
Es ist kaum zu glauben, wie viele unentdeckte Künstlerinnen und Künstler es unter uns gibt!
Der Malkreis wuchs durch Mundpropaganda und traf sich – jeweils nach Absprache – mehrmals im Jahr, um immer wieder neue, künstlerisch anspruchsvolle Werke in Öl auf Leinwand entstehen zu lassen. Besonders bemerkenswert ist dabei, wie viele unterschiedliche Interpretationen ein und desselben Motivs gleichzeitig entstehen können.
Damit sind wir auch schon bei der Erklärung des Namens „EigenART“:
Jede und jeder malt nach der eigenen Facon – ohne Schulnoten oder Kritik befürchten zu müssen –, von der Kursleiterin Schritt für Schritt begleitet und unterstützt.
„Und was wird dort Schönes gemalt?“
Die Hobbykünstlerinnen und -künstler sind mittlerweile sehr breit aufgestellt: Von unterschiedlichsten Stillleben über wunderschöne Landschaftsbilder bis hin zur „Frau am Meer“ reicht die Palette dessen, was bereits entstanden ist. Im Vordergrund steht dabei immer der Anspruch, richtig viel Spaß zu haben und für einen Tag einfach den Rest der Welt hinter sich zu lassen.
Könnte Ihnen das auch guttun? Haben Sie Lust, sich in entspannter Runde einmal selbst auszuprobieren? Nur Mut – gönnen Sie sich dieses Erlebnis!
„Wenn ich irgendwann mal berühmt und später tot bin, sind die Bilder bestimmt ein Vermögen wert!“, wird gelegentlich scherzhaft gesagt. Wer weiß?
Schauen Sie doch bei Gelegenheit einmal in der Bibliothek vorbei. Bewerten Sie selbst, ob sich unter den ausgestellten Bildern Kunstwerke befinden, die Ihr Interesse wecken – und Ihnen in stillen Momenten vielleicht die eine oder andere Geschichte erzählen können.
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