Lilienthal-Gleiter und Wright-Flyer vereint in den Ausstellungen in Le Mans, 2008 und Anklam, 2013
Eheleute Ingrid Sylvia und Ulrich Voswinckel bei der Vorführung des Schüler-Windkanals in Anklam, 2024
Dünen- und Tandem-Hängegleiter-Fliegen in Kitty Hawk, 2026
National Air and Space Museum in Washington, DC und Wright Brothers National Memorial in Kitty Hawk, 2026
Als im April 2024 das Otto-Lilienthal-Museum Besuch durch die Eheleute Ingrid Sylvia und Ulrich Voswinckel aus Hamburg bekam, ging es eigentlich um die Präsentation des frisch in Betrieb genommenen Schüler-Windkanals für museale Bildungsprogramme. Eine Absichtsbekundung beim Abendessen lies den Versuchsstand aber beinahe zur Nebensache werden.
Das Ehepaar Voswinckel hatten im Jahr 2000 die Aviat-Stiftung zur Förderung von Wissenschaft, Forschung und Bildung sowie der internationalen Verständigung gegründet. Das Initialprojekt der Stiftung – für Ulrich Voswinckel als leidenschaftlichen Flieger eine Herzensangelegenheit – war der originalgetreue Nachbau des verbesserten Wright-Flyers, der 1908 seinen Erstflug in Europa hatte. Über die Auseinandersetzung mit der Geschichte der Wright-Brüder kam zunehmend auch ein Bewusstsein für deren unmittelbaren Vorgänger Otto Lilienthal auf. In den Folgejahren wurde daher der Kontakt zum Lilienthal-Museum in Anklam aufgebaut und intensiviert. Gemeinsame Ausstellungsprojekte, die stets eine umfangreiche Unterstützung durch die Aviat-Stiftung erfuhren, konnten u.a. 2008 in Le Mans (Frankreich) zu „100 Jahren Motorflug in Europa“ sowie 2013 in der Anklamer Nikolaikirche als Zusammenführung der Flugpioniere Wright und Lilienthal erfolgreich umgesetzt werden. Für seine Verdienste um Otto Lilienthal und dessen Heimatstadt Anklam wurde Ulrich Voswinckel 2013 zum „Lilienthal-Jünger“ gekürt.
Auch die Idee eines Schüler-Windkanals zur authentischen Vermittlung moderner Aerodynamik- Messungen fand 2023 erneut Anklang bei der Familie Voswinckel, die umgehend die finanziellen Mittel zusagten, um dem Museum eine Realisierung zu ermöglichen. Eine Einladung der Voswinckels nach Anklam zur Vorführung des neuen Interaktiv-Exponats verstand sich Anfang 2024 von selbst. Was die Eheleute danach eröffneten, war jedoch alles andere als selbstverständlich. In beiden war die Überlegung gereift, das verbleibende Stiftungsvermögen in die Hände des Museums zu übergeben.
Die rechtlich-organisatorischen Schritte waren schnell definiert. So wurde die Aviat-Stiftung bis 2025 in eine Verbrauchsstiftung umgewandelt und die erste Zahlung an den Förderverein Otto Lilienthal Anklam e.V. angewiesen. Weitere Überweisungen von Teilbeträgen in 2026 und 2027 wurden ebenfalls festgelegt, bevor im Lilienthal-Jubiläums-Jahr 2028 (180. Geburtstag) das Restvermögen nach Anklam transferiert und die Stiftung final auflöst werden soll.
Für das Lilienthal-Museum ging es nach der überraschenden Verkündung durch die Voswinckels vor allem darum der übertragenden Verantwortung inhaltlich gerecht zu werden, um im Namen und Sinne der Aviat-Stiftung weiter Gutes zu tun, so dass ein Vier-Punkte-Plan für eine längerfristige und nachhaltige Bildungsarbeit entworfen wurde. So sollen mit den von der Stiftung übertragenen Finanzmitteln in den kommenden Jahren die folgenden Inhalte unterstützt werden:
Besonders für das AVIAT-Stipendium mussten in den vergangenen Wochen und Monaten nun einige Details geklärt und Vorbereitungen getroffen werden. Nahe lag – bei der Entstehungsgeschichte der Aviat-Stiftung selbst – eine Verbindung zwischen Lilienthal und den Wrights herzustellen, die sich Anfang des 20. Jahrhunderts als dessen „Schüler“ bezeichnet hatten. Ein Schüler- Austauschprogramm zwischen den historischen Wirkorten der Flugpioniere, wie es die Aviat-Stiftung schon einmal 2003 für zwei Absolventen des Anklamer Lilienthal-Gymnasiums ermöglicht hatte, schien dafür ideal.
Nach der Kontaktaufnahmen mit den Verantwortlichen in Kitty Hawk (North Carolina, USA) – dem Ort an dem 1903 der erste erfolgreiche Motorflug der Menschheitsgeschichte stattfand – wurde sich per Videokonferenz im Januar 2026 darauf verständigt, dass zum Lilienthal-Geburtstag am 23. Mai ein günstiges Zeitfenster für ein persönliches Treffen auf den „Outer Banks“ bestehen würde. Mit John Harris als Präsidenten der Rogallo Foundation und Geschäftsführer der Kitty Hawk Kites, der seit mehr als 50 Jahren den Hängegleiter-Sport in der Region als Flugmethode für Jedermann touristisch erschlossen und die Erinnerung an die geschichtliche Entwicklung dieser beeindruckend simplen und dennoch hoch effektiven Fluggeräte wachgehalten hat, konnte umgehend ein Besuchsprogramm entwickelt werden.
Vom 20. bis 29.05.2026 startete Museumsleiter Dr. Peter Busse unter Nutzung von Stiftungsmitteln schließlich zur Vorreise, um den historischen Flugort der Wrights zu besichtigen und im Namen des geplanten Schüler-Austausches bei potentiellen Partnern vorzusprechen. Herausgekommen ist nun ein Netzwerk aus Institutionen, wie der First Flight High School und First Flight Society sowie dem National Park Service und First Flight Rotary Club in Kitty Hawk. Als direkte Partner im Austauschprogramm werden die Rogallo Foundation auf US-Seite und das Lilienthal-Museum in Anklam in der nächsten Zeit ihre Kooperation mit einem sogenannten „Letter of Intent“ schriftlich fixieren.
Schon im Mai 2027 sollen zwei Abiturienten/innen vom Anklamer Lilienthal-Gymnasium die ersten AVIAT-Stipendiaten werden und die Reise in die USA unter dem Motto „Lilienthal trifft Wright“
antreten. Auf dem Reiseplan stehen dann u.a. ein Besuch des National Air and Space Museum inWashington, DC und des Wright Brothers National Memorial in Kitty Hawk, aber auch die Möglichkeit beim Dünen- und Tandem-Hängegleiter-Fliegen die eigene Flugpraxis zu erweitern.
Als Lilienthal-Botschafter werden die jungen Erwachsenen zudem das Anklamer Schulprojekt „Fliegen“ an der First Flight High School vorstellen und mit einem Fachvortrag zu den Lilienthal- Brüdern vor den Mitgliedern des ortsansässigen Rotary Clubs gefordert sein.
Als ein weiteres, sehr positives Resultat des diesjährigen Vorort-Besuches in den USA bleibt festzuhalten, dass auch die Gegenseite bereits im ersten Austauschjahr 2027 zwei Schüler/innen von der First Flight High School nach Deutschland als Wright-Botschafter entsenden will. Hierfür ist ein Besuch in Berlin, München und natürlich Anklam als wichtige Orte einer lebendiger Lilienthal- Erinnerungskultur angedacht.
Für Rückfragen steht Ihnen zur Verfügung:
Dr.-Ing. Peter Busse
Tel.: 03971/245500 | Email: busse@lilienthal-museum.de